1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg
  4. Ebersberg

Angeklagter steckt Polizisten 100 Euro zu: Schmerzensgeld

Erstellt:

Von: Helena Grillenberger

Kommentare

Amtsgericht Ebersberg
100 Euro hatte der Angeklagte als Schmerzensgeld dabei. © Stefan Roßmann

Nachdem er betrunken in eine Auseinandersetzung geraten war, in die sich auch die Polizei einschaltete, landete ein 23-jähriger Ebersberger vor Gericht.

Grafing – 100 Euro in bar hat ein 23-jähriger Angeklagter mitgebracht, als er sich vor dem Ebersberger Amtsgericht wegen eines Angriffs auf Polizisten verantworten musste. Gedacht waren die 100 Euro als Schmerzensgeld.

Der junge Mann, der in Ebersberger zu Hause ist, hatte im Mai dieses Jahres, auf dem Heimweg vom Grafinger Volksfest, zunächst einen Polizisten angegriffen, dessen Kollegen anschließend Widerstand geleistet und schließlich einen der drei Polizisten im Handgemenge verletzt.

Vier Maß und „noch was Hochprozentiges mit meinen Freunden“ hatte der Angeklagte getrunken

Der Ebersberger drückte vor Gericht mehrmals sein Bedauern aus. Er sei stark alkoholisiert gewesen, als Sportler trinke er kaum etwas, vier Maß und „noch was Hochprozentiges mit meinen Freunden“ hätten zu lediglich verschwommenen Erinnerungen an den Abend geführt. 1,76 Promille wurden am Tatabend beim Angeklagten festgestellt.

Auf dem Weg nach Hause gerieten er und seine Freunde in eine Auseinandersetzung. Als die Polizei sich in diese einmischte und seinen Freund fesseln wollte, vermutete der 23-Jährige, dass es sich bei den Beamten um Freunde desjenigen handle, mit dem sie in Streit geraten waren. Er habe nicht verhindern wollen, dass die Polizei ihre Arbeit mache, sondern wollte lediglich seinem Freund beistehen: „Ich dachte, die wollen ihn auch schlagen“, erklärte er.

Angeklagter: „Kann mir nicht erklären, was da mit mir los war“

Der Polizist, den er in der darauf folgenden Rangelei verletzt hatte, erklärte vor Gericht, dass er gemeinsam mit einem Kollegen versucht hatte, den Angeklagten zu Boden zu bringen und ebenfalls zu fesseln, dieser sich aber minutenlang gewehrt habe. In dem Durcheinander sei es dann zu einem Schlag gegen den Kopf des Polizisten gekommen.

„Ich kann mir gar nicht erklären, was da mit mir los war“, erklärte der Angeklagte. Er entschuldigte sich bei dem Polizisten und überreichte ihm einen Umschlag mit 100 Euro Schmerzensgeld.

Polizist: „Respekt vor ihrer Größe“

„Respekt vor Ihrer Größe“, nahm der Zeuge die Entschuldigung an. „Das ist mir noch nicht oft untergekommen.“

Mit dem Schmerzensgeld habe er überhaupt nicht gerechnet. „Alles Gute für Ihren weiteren Lebensweg“, verabschiedete er sich beim Verlassen des Saals vom Angeklagten.

Bewährungsstrafe für den Angeklagten

Richterin Vera Hörauf verurteilte den jungen Mann am Ende zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten. Dass er alles gestanden hatte, habe eine aufwendige Verhandlung unnötig gemacht und sei zu seinen Gunsten zu werten. Außerdem höre man nur selten eine derart ehrliche und ausführliche Entschuldigung, wie die des Angeklagten. Dass es sich bei der Bewährungsstrafe um einen „heilsamen Schock“ handeln möge, wie es der Verteidiger des Angeklagten ausgedrückt hatte, hoffte auch die Richterin: „Ich hoffe, das war das erste und das letzte Mal bei mir“, entließ sie den 23-Jährigen.

Ebersberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Ebersberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Ebersberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare