„Ich werde automatisch um 6 Uhr wach“: Thomas Redl, der für eine saubere Ebersberger Innenstadt sorgt.
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„Ich werde automatisch um 6 Uhr wach“: Thomas Redl, der für eine saubere Ebersberger Innenstadt sorgt.

Bürger wollen eine saubere Innenstadt – Thomas Redl kümmert sich darum

Im Sonntagsdienst: Warum für diesen Ebersberger das Virus ein Segen ist

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Thomas Redl macht Ebersberg sauber - Sonntag für Sonntag. Damit die Kirchgänger keinen Müll vorfinden. Der 52-Jährige liebt seinen Job mit der Greifzange.

Ebersberg – Reisende und Zugereiste wundern sich oft über die Sauberkeit in Bayerns Innenstädten und Gemeindezentren. Alles wirkt wie herausgeputzt, sagen sie. Fast schon spießig. Das Stereotyp kommt nicht von ungefähr. Diesem Klischee entsprechen – genau das will die Ebersberger Stadtverwaltung. Damit Gottesdienstbesucher und Spaziergänger sonntags eine saubere Innenstadt vorfinden, schickt das Rathaus Thomas Redl jeden Sonntagmorgen auf die Straße.

50 bis 60 Stunden: Redl ist ein Workaholic

Redl, 52, ist ein Workaholic. Landwirt, Pflasterer, Abrissunternehmer. „50 bis 60 Arbeitsstunden in der Woche können schon passieren“, sagt Redl nicht ohne Stolz. Weil das eben noch nicht genug Arbeit ist, schleicht er jeden Sonntagmorgen für zweieinhalb Stunden über Schloß- und Marienplatz. Ausgestattet ist er mit Greifzange und 15-Liter-Kübel. Damit Sonntagsfahrer den Putzteufel nicht umnieten, trägt er auffallende Warnkleidung. Plastikflasche, Zigarettenpackung, Zeitung – kein Müll ist vor seiner Greifzange sicher.

Seit vier Jahren macht er den Job schon. Sein Vorgänger war verstorben, Redl ist, wie er sagt, aus Hilfsbereitschaft eingesprungen. Losgeworden ist er die Arbeit irgendwie nicht mehr.

Für Redls Arbeit ist das Coronavirus ein Segen

Das Coronavirus und dessen Folgen sind für Redls Arbeit ein Segen. „Seit Corona gibt’s weniger Müll, weil weniger los ist“, sagt der Oberndorfer. Partys, Volksfeste, Trinkgelage. Seit Ausbruch des Virus gibt es diese Müllorgien nicht mehr. Vor allem am Steintisch vor der St. Sebastians Kirche lagen viele Flaschen. Mahnmale – oder Überbleibsel nächtlicher Trinkgelagen.

5000 Euro im Jahr lässt sich das Rathaus den besonderen Sonntagsputz kosten. „Zum Glück haben wir eine belebte Innenstadt“, sagt Rathaus-Leiter Erik Ipsen. Dadurch falle jedoch viel Müll an. Gottesdienstbesucher und Spaziergänger beschwerten sich vor rund acht Jahren im Rathaus. Die Stadtverwaltung, damals unter Bürgemeister Walter Brilmayer, reagierte sofort.

Vier Kilo Müll pro Tour

Redls Tour führt ihn von der Kirche über den Schloßplatz bis zum Marienplatz. Vor der Kirche muss es als erstes sauber sein, sagt Redl. Die Stadt legt Wert darauf, dass Ebersbergs Kirchgänger einen müllfreien Weg zum Gotteshaus gehen können, sagt Redl. Drei bis vier Kilo Müll nimmt er jedes Mal von seinen Touren mit.

Kann dieser Mann sich nichts Schöneres vorstellen, als sonntags Müll zu sammeln? Redl macht die Arbeit nichts aus. „Nach meiner Tour nehme ich frische Semmeln mit und frühstücke mit meiner Familie. Das ist perfekt.“ Zudem seien ihm Ebersbergs Bürger dankbar. Ein schönes Gefühl. Einem „guten Ratsch“ stehe nichts im Weg.

Auch das frühe Aufstehen lässt den Ebersberger kalt. Schließlich ist er Herr über 28 Hektar Land. „Ich werde automatisch um 6 Uhr wach“, sagt Thomas Redl.

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