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Drangvolle Enge im Meridian von München in Richtung Ebersberg

Im total überfüllten Meridian

Strafticket für Ebersberger Sitzenbleiber

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Der Meridian wird gut angenommen. Das freut die Oberlandbahn GmbH. Er wird sogar so gut angenommen, dass in den Abteilen manchmal kaum Platz ist zum Umfallen. In der drangvollen Enge werden die Fahrgäste schon mal „durchgereicht“ bis in die 1. Klasse - mit Folgen.

Ebersberg - Die drangvolle Enge in dem Zug wurde jetzt Wolf H. aus Ebersberg zum Verhängnis. Er bekam ein Strafticket in Form von 60 Euro „erhöhtes Beförderungsentgelt“aufgebrummt. „Das war das erste Mal. Ich sagte zu dem Kontrolleur, dass ich Einspruch erheben werde. Ich bin kein Schwarzfahrer sondern ein normaler Berufspendler zwischen Ebersberg und München.“

In einem Brief, der am Dienstag zur Post ging, hat sich der 60-jährige BMW-Systemtechniker zu dem Vorfall geäußert. „Ich bin der Meinung, dass in Ausnahmefällen etwas Kulanz angebracht wäre und auf diese Art und Weise nicht mit Fahrgästen umgegangen werden sollte.“

„Ich bin kein Schwarzfahrer“: Wolf H. aus Ebersberg.

Wolf H. schildert die Situation aus seiner Sicht so: Am Montag sei er als Berufspendler mit dem Meridian heimgefahren. „Bereits am Bahnsteig in München/Ost gab es endlose Menschentrauben, die sich bemühten, in den Zug zu kommen. Der war leider nur mit einer Traktion unterwegs. Üblich sind auf dieser Strecke mindestens zwei Traktionen. Ich reihte mich in der Menschentraube der ersten Tür ein und wurde durch die Massen in den 1. Klasse-Bereich geschoben.“ Dort sei genau neben ihm ein Sitzplatz freigeworden, „welchen ich daraufhin genervt einnahm“.

Der 60-Jährige räumt ein, dass es bei Abfahrt des Zuges eine Durchsage des Zugschaffners gegeben habe mit einer allgemeinen Begrüßung und dass er allen Fahrgästen eine angenehme Fahrt wünsche, wenngleich dieser Wunsch angesichts der Enge von den Fahrgästen „schon recht sarkastisch“ empfunden worden sei. „Dann sagte er noch, dass die Plätze in der 1. Klasse nur für Inhaber von 1. Klasse-Fahrscheinen benutzt werden dürfen. Ich hätte zwar aufstehen und mich in die eng aneinander stehenden Menschenmassen integrieren können, aber mein Verstand signalisierte mir dies nicht zu tun. Es wäre einfach unerträglich gewesen.“ Der Sitzenbleiber wurde prompt erwischt.

Christopher Raabe, Sprecher der Oberlandbahn, unter deren Regie auch der Meridian verkehrt, räumt ein, dass bei bestimmten Umständen „Kulanz“ gewährt werden könne, was die Mitfahrt in der 1. Klasse mit einem 2. Klasse-Ticket betrifft. „Es gibt aber keine festen Regeln, ab welcher Füllung das greift“. Nach den Beförderungsbestimmungen der Oberlandbahn „ist die Mitfahrt nur in der bezahlten Klasse zulässig“. Auch Stehen sei verboten. Es hätte dem 60-Jährigen also nichts genutzt, wenn er den Sitzplatz neben ihm nicht eingenommen hätte.

Die Eisenbahn-Verkehrsverordnung sieht kulante Regeln nicht direkt vor, schließt sie aber auch nicht aus. In Paragraph 13 heißt es dazu. „Der Reisende hat Anspruch auf Beförderung in der Klasse, auf die sein Fahrausweis lautet. Ein Anspruch auf einen Sitzplatz oder auf Unterbringung in der 1. Klasse bei Platzmangel in der 2. Klasse besteht nicht. Der Tarif kann Ausnahmen zulassen.“ Weiter steht da auch: Auf Verlangen der Reisenden sei das Personal verpflichtet, für die Unterbringung der Fahrgäste zu sorgen.

Sollte sich die Oberlandbahn in ihrer Antwort an Wolf H. doch zu einer gütlichen Einigung durchringen, wird das wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit passieren.

„Wenn Sie das so schreiben, bekommen wir nur noch jede Menge Briefe“, fürchtet Raab im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung. Die Solidarität der anderen Fahrgäste hatte der Ebersberger in der Situation auf seiner Seite: „Die brachten dem Schaffner gegenüber ihren Missmut zum Ausdruck.“

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