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Immer mehr Gewalttaten gegen Polizisten

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Von: Sabine Heine

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Die Hemmschwelle sinkt: Immer wieder werden Polizeibeamte in der Region angegriffen. Auch im Landkreis Ebersberg.
Die Hemmschwelle sinkt: Immer wieder werden Polizeibeamte in der Region angegriffen. Auch im Landkreis Ebersberg. © dpa

Die Gewalt gegen Polizeibeamte steigt - auch im Landkreis Ebersberg. Sogar schlimme tätliche Angriffe wie im September in Grafing protokolliert das Polizeipräsidium für 2020.

Landkreis – Die Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, das auch für den Landkreis Ebersberg zuständig ist, hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen und setzt mit insgesamt 837 gemeldeten Fällen einen neuen Höchststand in der Jahresstatistik seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2010. Diesen traurigen Rekord verkündete jetzt das Polizeipräsidium Oberbayern Nord zusammen mit einer Statistik Je 100.000 Einwohner gab es demnach 53 Gewaltdelikte gegen Polizisten.

Bereits im Vorjahr 2019 war beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord ein deutlicher Anstieg der Gewalt gegen Polizeibeamte zu verzeichnen, so das Präsidium in der Pressemitteilung. Im Jahr 2020 stieg die Anzahl erneut um 15,1 Prozent bzw. 110 Fälle auf 837 an. Dabei wurden erstmals über 2000 Beamtinnen und Beamte (+13,8 %, 251 mehr als im Vorjahr) in Ausübung ihres Dienstes im strafrechtlichen Sinne geschädigt. Auch die Zahl der dadurch verletzten Beamtinnen und Beamten stieg dadurch an.

Als herausragenden Fall beklagt das Polizeipräsidium Oberbayern Nord dabei ein Delikt des versuchten Totschlags gegen zwei Polizeibeamtinnen im September vergangenen Jahres in Grafing. Dabei riss der Täter die beiden Beamtinnen unvermittelt mit sich die Treppe eines Mehrfamilienhauses herunter. Glücklicherweise, so das Polizeipräsidium, wurde in keinem der genannten Fälle eine Beamtin oder ein Beamter schwer verletzt.

Zahl der leicht verletzten Beamten hat zugenommen

Die Zahl der leicht verletzten Beamtinnen und Beamte nahm jedoch um 35 auf 333 im Vergleich zum Vorjahr zu (+11,7 %). Leicht gesunken seien hingegen die Fälle des tätlichen Angriffs und der einfachen Körperverletzung auf insgesamt 290 (-6 Fälle / -2,0 %); wobei die Fälle der gefährlichen Körperverletzung um 17 Fälle auf insgesamt 40 stieg (+73,9 %). Weiter stiegen die Widerstandsdelikte gegen Vollstreckungsbeamte ohne Körperverletzung leicht an um 4 Fälle auf insgesamt 152. Auffällig ist, dass über ein Drittel aller registrierten Straftaten gegen Polizisten Beleidigungen ausmachen. Damit geht auch der stärkste Anstieg um 71 Straftaten (+29 %) auf 313 einher.

Die Zahl der damit verbundenen Dienstausfalltage ging jedoch im Vergleich zu 2019 erheblich zurück (2019: 379 Tage / 2020: 100 Tage). Daraus lässt sich positiv ableiten, dass zumindest die Schwere der körperlichen Aggressionshandlungen gegen die polizeilichen Einsatzkräfte beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord nachgelassen hat.

Die meisten Täter waren betrunken oder unter Drogeneinfluss

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 648 Tatverdächtige ermittelt. 83,7 Prozent davon waren männlich. Dabei standen fast zwei Drittel aller Tatverdächtigen (62,7 %) bei ihrer Tatausübung unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Gegen Jugendliche und Heranwachsende wurde seltener ermittelt als noch im Jahr 2019. Häufiger gemeldet wurden erwachsene Tatverdächtige (+7,9 %).

Polizeipräsident Günther Gietl betrachtet die weiterhin zunehmende Gewaltbereitschaft gegen die Einsatzkräfte mit großer Sorge. „Erneut ist der höchste Stand entsprechender Straftaten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2010 erreicht worden, was ich persönlich für meine Kolleginnen und Kollegen sehr bedaure“, so Gietl. Der Polizeipräsident sieht es positiv, dass in 183 der 837 präsidiumsweiten Straftaten die polizeiliche neu eingeführte Bodycam zum Einsatz kommen konnte (diese wird 2020 erstmalig von der Statistik erfasst). Im Hinblick auf die besorgniserregend weiter angestiegene Zahl der Gesamtstraftaten gegen Polizisten setzt Günther Gietl auf einen verstärkten Einsatz der auffälligen gelben Bodycam an der Uniform seiner Beamten. „Ich sehe in diesem deutlich erkennbaren Einsatzmittel neben der Möglichkeit der bildgestützten Beweissicherung am Einsatzort vor allem die präventive und deeskalierende Wirkung auf Aggressoren im Vordergrund. Sie kann meines Erachtens deutlich dazu beitragen, gedachte Straftaten gegen Polizeibeamte im Ansatz zu beenden“, resümiert der Polizeipräsident.

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