Amtsgericht Ebersberg
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Der Psychokrieg zweier Frauen hat ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Ebersberg

Der Psychokrieg zweier Frauen hat ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Ebersberg

Ein lesbisches Paar in der Hölle der Liebe

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Sie hatten sich im Internet kennengelernt. Aber der anfänglichen Liebe zwischen zwei Frauen folgten eine Psychohölle, Handgreiflichkeiten, ein Polizeieinsatz und schließlich eine Verhandlung vor dem Schöffengericht wegen sexuellen Übergriffs und sexueller Nötigung unter Gewaltanwendung.

Ebersberg - Angeklagt ist eine 29-jährige Frau aus dem nördlichen Landkreis, die zu Beginn der Sitzung die Möglichkeit bekam, über eine halbe Stunde lang ausführlichst ihre Sicht der Dinge vorzutragen. Die las sie aus einer mehrseitigen Stellungnahme vor und war dabei voller Vorwürfe gegen ihre ehemalige Partnerin. Der Prozess wurde schließlich vertagt, da eine wichtige Zeugin fehlte.

Zuvor hatte die Staatsanwältin ihr die Vorwürfe dargelegt, die gegen sie erhoben werden. Demnach sei es im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung Anfang 2019 zu Streitigkeiten gekommen, in deren Verlauf die 29-Jährige die Zeugin aufs Bett geschubst habe, ihr gegen ihren Willen das T-Shirt hoch- und die Hosen samt Schlüpfer heruntergezogen und sie mit den Worten „du willst das doch“ massiv sexuell bedrängt habe. Ein Resultat davon war ein Hämatom am Oberschenkel, wurde in den Ermittlungsakten festgehalten.

Angeklagte über vermeintliches Opfer: Voller seelischer Grausamkeit

In ihrer Stellungnahme freilich machte die Angeklagte die Geschädigte für alles verantwortlich. Sie sei voller seelischer Grausamkeit gewesen und habe ihr eine „abgrundtief hässliche Seite“ gezeigt. „Sie drohte mir täglich und trat auf meinen Gefühlen rum“, bat die 29-Jährige um Verständnis. Sie habe sich gefühlt „wie ein erbärmlicher Waschlappen auf dem Tiefpunkt meines Lebens“.

In der Tiefgarage eskaliert der Streit

Die Streitigkeiten hätten schließlich zu einer Eskalation geführt. Die Angeklagte habe sich aus der gemeinsamen Wohnung entfernt und sei zu ihrem Auto in die Tiefgarage gegangen. Dort habe sie übernachten wollen. Die Zeugin habe sie aber nach einem kurzen Austausch von Whatsapp-Nachrichten am Bein aus dem Wagen gezogen, sie brutal quer durch die ganze Tiefgarage in den Aufzug geschleift und mit Gewalt wieder in die Wohnung verfrachtet. Der Drohung der Angeklagten, sie werde jetzt vom Balkon springen, folgte schließlich ein Polizeieinsatz und danach eine vorübergehende Einweisung in die Psychiatrie.

Schöffengericht hat Zweifel an Darstellung der Angeklagten

Obwohl aufgrund der Verhandlungsaussetzung bislang nur die Angeklagte die Möglichkeit hatte, ihre Sicht der Dinge darzulegen, tauchten an ihrer Version vor dem Schöffengericht doch Zweifel auf. So zitierte Vorsitzender Richter Markus Nikol aus einem Chat-Protokoll zwischen den beiden Frauen, aus dem hervorging, dass die Geschädigte nicht das geschilderte, gefühlskalte Monster sein konnte, sondern auch in der Auseinandersetzung noch fürsorgliche Gedanken für ihre derangierte Partnerin hatte. Dass die beiden Frauen trotz Trennung weiter in der gleichen Wohnung lebten, machte die Sache aber nicht einfacher und sorgte vor Gericht für Stirnrunzeln. Den Grund dafür nannte die Angeklagte freilich selbst: „Ich hatte Angst, allein zu sein“.

Die Gutachterin hatte mit der Version der 29-Jährigen ebenfalls erkennbare Probleme, zumindest was die Episode in der Tiefgarage betraf. Die Gutachterin verwies darauf, dass die Geschädigte nur 55 Kilogramm wiege, gehbehindert und fast blind sei, die Angeklagte hingegen bei einer Größe von 1,76 Metern ein Gewicht von 75 Kilogramm aufweise.

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