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Dauerbaustelle Kreisklinik Ebersberg; Hier ein aktueller Blick in den Bauabschnitt 9, in dem die neuen Möbel kurzerhand wieder hinaus flogen, weil die Farbe nicht gefiel

Neue Möbel werden wieder rausgerissen

In der Kreisklinik Ebersberg fliegen 63 000 Euro zum Fenster raus

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Neue Möbel sind nicht immer ein Anlass der reinen Freude. Dass das im privaten wie auch im öffentlichen Raum gleichermaßen gilt, zeigt ein Beispiel aus der Kreisklinik Ebersberg. Dort führten Geschmacksfragen jetzt zu Mehrkosten von 63 000 Euro.

Ebersberg – Bereits eingebaute Patientenzimmer und Wandverkleidungen im aktuellen Bauabschnitt der Kreisklinik Ebersberg wurden schon vor deren Bezug wieder herausgerissen, Steuergeld fliegt zum Fenster raus.

Klinik-Geschäftsführer Stefan Huber (li.) und Ärztlicher Direktor Peter Kreissl auf der Baustelle.

Klinik-Geschäftsführer Huber hatte die Beseitigung der nagelneuen Einbauten selbst veranlasst, weil „die Patientenzimmer optisch eher einer Aussegnungshalle entsprachen. Das ist bei einem Neubau nicht zu akzeptieren.“

Eigenartig nur, dass sich vor der überraschenden Kehrtwende alle einig waren: „Das Baugremium, Architekt, Planer, Vertreter mehrerer Abteilungs- und Projektleiter“, so Huber, hatten sich für diese Ausführung entschieden, die er selbst dann per „Auftragserteilung“ für eine andere Farbvariante stoppte.

Statt Nussbaumdekor kam Mirabelldekor. Wirkt freundlicher. Betroffen waren „ein paar wenige Zimmer“ in denen „die Verkleidungen bereits angebracht“ waren, bemüht sich der Geschäftsführer um öffentliche Schadensbegrenzung. Sie seien wieder „abmontiert und zurückgegeben“ worden. Darüber hinaus habe in ein „paar Zimmern“ der Einbau durch das Fachunternehmen den Vorgaben des Architekten nicht entsprochen, „sodass die Firma auch Mängelbeseitigungen vorgenommen und deswegen auch Verkleidungen entfernt hat.“

Dieser Vorgang, so meinte Landrat Robert Niedergesäß auf Nachfrage unserer Zeitung, sei keine Angelegenheit des Aufsichtsrates gewesen, dessen Vorsitzender er ist. Er selbst sei in die Entscheidung „nicht eingebunden“ gewesen und hätte auch nicht eingebunden werden müssen, wehrte er in einer ersten Stellungnahme ab, um auf nochmaliges Nachfragen hinzuzufügen: Neben den Ersatzverkleidungen seien „auch noch andere, zusätzliche Verkleidungen sowie Rammschutzelemente enthalten, die beim Erstauftrag gar nicht enthalten waren“.

Nicht unüblich ist bei solchen Auftragsvergaben die Anfertigung eines Musterzimmers, damit die Entscheider eine bessere Vorstellung davon bekommen, was sie eigentlich beschließen. Bei einem Kostenbudget für dieses Gewerk in Höhe von 650 000 Euro eine verständliche Vorgehensweise, auf die laut Huber aber in diesem Fall „verzichtet“ wurde.

Der Geschäftsführer der Kreisklinik begründet das so: „Die Anfertigung eines Musterzimmers hätte uns nach Planerschätzung cirka fünf Monate Bauzeit gekostet. Das hätte auch den sehr ambitionierten Bauzeitenplan zerschossen.“ Auf eine dreidimensionale Raumplanung wurde ebenfalls verzichtet, für die, so Huber, „aufgrund des mehr als 25 Jahre alten Architektenvertrags und auch nach der aktuellen Honorarordnung für Architekten und Ingenieure keine Verpflichtung“ bestanden habe. Entschieden wurde anhand einer sogenannten Bemusterung, die dann jedoch offensichtlich zu einer falschen Einschätzung führte.

Eile war in diesem Fall ein schlechter und teurer Ratgeber, obwohl Huber darauf verweist, dass man sich trotz der durch den farblichen Kursschwenk entstandenen Mehrkosten immerhin noch um 70 000 Euro unter dem ursprünglichen Ansatz von 650 000 Euro für dieses Gewerk befinde. Und obwohl so die 63 000 Euro sinnlosen Zusatzkosten entstanden sind, beläuft sich der finanzielle Gesamtaufwand für Um- und Neubau der Kreisklinik laut Kostenbudget auf 23,15 Millionen Euro und ist damit weitestgehend im Plan. „Gemäß heutiger Prognose landen wir aktuell bei 23,155 Millionen Euro, also eine Punktlandung“, informierte Huber am Dienstag.

Nicht bestätigen wollte der Geschäftsführer hingegen den Hinweis von Beteiligten, dass bei einer wegen der Änderung anberaumten Besprechung der Satz gefallen sein soll, „dass man das Geld dafür schon bekommen werde und immer noch bekommen habe“. „Offensichtlich will hier jemand Sand ins Getriebe bringen oder bewusst jemanden schädigen“, vermutet Huber.

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