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Sie haben Blutzucker und Ernährung genau im Blick (v.l): Ulrike Schopf, Daniel Plecity, Agnes Mittermeier.

Interview mit Experten der Kreisklinik Ebersberg

Diabetes-Patienten immer jünger

Vor 25 Jahren begannen in der Kreisklinik die ersten Beratungen von Patienten mit Diabetes. Heute ist die Diabetologie fest in der Inneren Medizin verankert. Wir sprachen mit den Fachärztinnen Ulrike Schopf und Agnes Mittermeier sowie Oberarzt Daniel Plecity, über die Notwendigkeit einer klinischen Diabetiker-Betreuung.

Dr. Schopf, wie entsteht Diabetes?

Schopf:Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die meist schon im frühen Kindesalter auftritt. Der Körper bildet kein eigenes Insulin mehr, ein blutzuckersenkendes Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, es muss künstlich zugeführt werden. An dieser Form leiden aber nur wenige Diabetiker. Etwa 80 Prozent sind an Typ 2 erkrankt, auch bekannt als Altersdiabetes. Betroffen sind jedoch immer mehr junge Menschen. Die Ursachen sind manchmal eine genetische Anlage, meistens ist der Diabetes aber die Folge eines ungesunden Lebensstils: Stress, Übergewicht und wenig Bewegung.

Wie wird Diabetes Typ 2 behandelt?

Schopf: Die Bandbreite ist groß und reicht von einer medikamentösen Therapie, die den Blutzuckergehalt absenkt und die Bauchspeicheldrüse entlastet, über die Beeinflussung des Lebensstils bis zur regelmäßigen Versorgung des Patienten mit Insulin.

Plecity:Der erste Schritt ist jedoch immer eine Ernährungsberatung. Mit der richtigen Ernährung kann Blutzuckerspitzen vorgebeugt werden. In der Kreisklinik Ebersberg haben wir vor vier Jahren ein Ernährungsteam etabliert, das aus Ärzten, Pflegekräften, Diätassistenten, dem Küchenchef sowie der Diabetologie besteht. Das Team berät aber nicht nur Diabetespatienten, sondern hat zum Ziel, bei besonders gefährdeten Patienten einer Unterversorgung an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen vorzubeugen.

Hat Diabetes Auswirkungen auf den Erfolg der Therapie anderer Erkrankungen?

Mittermeier:Ja. Die Zuckerkrankheit führt zu Nervenschädigungen und Durchblutungsstörungen bis hin zu Gefäßverschlüssen, Wunden heilen schlecht und das Immunsystem funktioniert nicht mehr so gut, das bedeutet, es besteht eine höhere Anfälligkeit für Infekte. Für jeden Diabetes-Patienten ergibt sich somit ein erhöhtes Risiko für Operationen. Unsere Aufgabe ist es, beim Patienten eine optimale Blutzuckereinstellung zu erreichen und den Arzt zu beraten, wann eine OP möglichst gefahrlos durchgeführt werden kann.

Mit welchen Fachrichtungen der Klinik arbeiten Sie zusammen?

Schopf: Mit fast allen. Sogar auf der Palliativstation betreuen wir Diabetes-Patienten. Oft sind sie nicht mehr in der Lage, ihre Therapie selbst zu organisieren, dann beziehen wir die Angehörigen mit ein und schulen sie. Aus genannten Gründen sind wir außerdem oft im operativen Bereich tätig, sei es in der Orthopädie oder Allgemein- und Gefäßchirurgie. In der Gynäkologie gibt es werdende Mütter, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, in der Urologie sind häufig Patienten, die aufgrund ihrer Zuckerkrankheit wegen Harnwegsinfekten behandelt werden müssen. Manche entwickeln auch Diabetes erst aufgrund einer bestimmten Therapie.

Plecity:Die Entfernung der Bauspeicheldrüse wegen eines Tumors zum Beispiel hat immer Diabetes zur Folge. Um einen Tumor oder eine chronische Entzündung als Ursache für den Diabetes auszuschließen, wird bei jedem neu erkrankten Patienten eine Endosonografie, also eine Ultraschalluntersuchung der Bauchspeicheldrüse vorgenommen. Auch Kortisongaben bei Gelenkentzündungen oder anderen Erkrankungen können manchmal zu Diabetes führen.

Werden auch Patienten, die ‚nur’ an Diabetes leiden, stationär aufgenommen?

Mittermeier: Ja, das sind dann meist Neuerkrankungen oder Notfälle, zum Beispiel ein sogenanntes Zuckerkoma, was gegebenenfalls auf der Intensivstation behandelt werden muss. Bei ihnen ist der Blutzuckerwert so weit erhöht, dass sie unter starker Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes leiden. Oder sie leiden an einer Unterzuckerung, die bis zur Bewusstlosigkeit gehen kann.

Welche praktische Bedeutung hat die besonders enge Zusammenarbeit zwischen Klinik und Facharztpraxis für Patienten?

Schopf: Bundesweit haben ca. 32 Prozent aller Klinik-Patienten Diabetes nur als Nebendiagnose. Das heißt, sie werden mit anderen Erkrankungen stationär aufgenommen und dann stellt sich heraus, dass sie auch zuckerkrank sind. In diesem Fall braucht es kompetentes Fachpersonal, das nicht nur den Arzt berät, sondern auch den Patienten schult, wie er mit seiner Diabeteserkrankung umzugehen hat. Üblicherweise erhält er in einer Klinik nur die notwendige Erstversorgung und wird nach seiner Entlassung in eine Facharztpraxis geschickt. In Ebersberg können meine Kollegin Frau Dr. Mittermeier und ich als Fachärztinnen für Innere Medizin und Diabetologie den Patienten von Anfang an eine optimale Therapie ermöglichen. Während des gesamten Klinik-Aufenthaltes werden sie von unseren zwei Diabetes-Beraterinnen geschult und bei Bedarf anschließend in unserer Praxis weiter betreut. Die Patienten haben also immer den gleichen Ansprechpartner – das ist für die Beurteilung des Krankheitsverlaufs und für die Unterstützung von klinischen Behandlungen von unschätzbarem Wert.

Das Gespräch führte
Sybille Föll

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