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K.o.-Tropfen: „Wirklich ein Problem!“ - Silikondeckel sollen helfen

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Von: Helena Grillenberger

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K.o.-Tropfen sind ein immer wiederkehrendes Thema. Die Feuerwehr will für das Thema sensibilisieren.
K.o.-Tropfen sind ein immer wiederkehrendes Thema. Die Feuerwehr will für das Thema sensibilisieren. © jödo

Kreisbrandinspektion und Kreisjugendamt wollen für das Thema K.o.-Tropfen sensibilisieren. Silikondeckel, mit denen man sein Getränk wieder verschließen kann, sollen dabei helfen.

Landkreis – Endlich wieder Volksfest, endlich wieder feiern. Die Festsaison 2022 ist in vollem Gange. Ein Thema, so aktuell wie vor der Pandemie: K.o.-Tropfen.

Um wieder für das Problem zu sensibilisieren, verteilt die Kreisbrandinspektion momentan Silikon-Kronkorken, mit denen man seine Flasche wieder verschließen kann. „Corona hat uns zwei Jahre nicht feiern lassen“, sagt Kreisbrandmeister Mathias Weigl, zuständig für die Jugendarbeit der Feuerwehr im Landkreis. „Jetzt sind wieder Feste ohne Ende.“

K.o.-Tropfen: Selbstschutz ist ein wichtiges Thema

Die Idee der Kronkorken sei nicht aus einem aktuellen Anlass, sondern als „präventive Geschichte“ entstanden, um die Leute darauf aufmerksam zu machen, „einfach ein bissl auf sich aufzupassen, wenn man auf eine Party geht“. Denn der Selbstschutz sei „einfach ein wichtiges Thema“.

Bereits vor drei Jahren verteilte das Kreisjugendamt die wiederverwendbaren Korken. Damals war eine Studentin in Freiburg vergewaltigt worden; später hatte sich herausgestellt, dass sie K.o.-Tropfen verabreicht bekommen hatte. Ingo Pinkofsky, kommunaler Jugendschutzbeauftragter des Landkreis Ebersberg, war von der Sache „persönlich so mitgenommen“, dass er beschloss, „dass man etwas gegen K.o.-Tropfen machen muss“.

Jugendschutzbeauftragter: „Da hab ich in ein Wespennest gestochen!“

Aus dem Entschluss entstanden verschiedene Deckel für Gläser und Flaschen, die das Kreisjugendamt Veranstaltern zur Verfügung stellt. Auch die Silikon-„Cronis“ sind dabei. „Ich hab mich sehr gefreut, dass die Feuerwehr das K.o.-Tropfen-Thema aufgegriffen hat“, sagt Pinkofsky. „Das ist wirklich ein Problem!“

Er habe 2019 sehr viele Rückmeldungen bekommen, von Betroffenen oder deren Bekannten. So viele, dass es ihn doch sehr überrascht habe. „Da hab ich mir gedacht, das ist ja Wahnsinn. Da hab ich ja in ein Wespennest gestochen!“, so der Jugendschutzbeauftragte, der früher als Suchttherapeut bei der Grafinger Caritas gearbeitet hat und dort bereits immer wieder mit K.o.-Tropfen-Verdachtsfällen konfrontiert gewesen war.

K.o.-Tropfen: Polizei weist auf Verhaltensgrundsätze hin

Auch für die Polizei sind die Tropfen ein Thema. Ergibt eine toxikologische Untersuchung von Urin oder Blut nämlich, dass sich der Stoff im Körper befindet, ermitteln die Beamten wegen gefährlicher Körperverletzung. „Es ist ein Thema, das immer präsent ist“, heißt es dazu von der Polizei Ebersberg. Momentan sei es nicht akut, aber es werde immer wieder aktuell.

Um sich zu schützen, weist die Polizei auf allgemeine Verhaltensgrundsätze hin: Keine Getränke von Fremden annehmen, Gläser nicht unbeaufsichtigt abstellen und keine bereits geöffneten Flaschen annehmen.

K.o.-Tropfen: Ein aktueller Verdachtsfall im Landkreis

Der Stoff sei recht einfach zu beschaffen, aber „wahnsinnig schwer nachzuweisen“, so Pinkofsky. Aktuell ist der Jugendschutzbeauftragte mit einem Verdachtsfall beschäftigt: eine 17-Jährige, die etwa sechs Stunden besinnungslos gewesen sein soll. Als sie wieder zu sich kam, sei sie nicht ins Krankenhaus oder zur Polizei gegangen.

„Bis die Leute verstehen, was mit ihnen passiert sein könnte, ist der Stoff meistens nicht mehr nachweisbar“, erklärt Pinkofsky. Mögliche Indikatoren sind: „A) Ich hab weniger Alkohol getrunken, als ich eigentlich vertrage. Und B) Mir ist plötzlich sehr schnell, sehr schlecht geworden, ich musste mich eventuell übergeben oder bin sogar bewusstlos geworden.“

K.o.-Tropfen: „Das Risiko ist auf alle Fälle da.“

Zwar helfen die Silikonkorken nicht hundertprozentig, sich gegen K.o.-Tropfen zu schützen, „aber es wird Tätern erschwert“, erklärt der Jugendschutzbeauftragte. Wichtig sei ihm vor allem, das Thema ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Denn: „Das Risiko, dass man K.o.-Tropfen ins Getränk bekommt, ist auf alle Fälle da.“

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