Nigerianer (48) vor Gericht

Kiloweise Marihuana für Asylbewerber im Landkreis 

Ein gewisser „Tony“ (48), der eigentlich Kelechi E. heißt, in Kerpen zu Hause ist und aus Nigeria stammt, sitzt in Landshut auf der Anklagebank: Er soll unter besagtem Spitznamen insgesamt über 15 Kilo Gras nach Ebersberg, Kirchseeon und Landshut geliefert haben.

Mit ihm angeklagt sind wegen Beihilfe ein 21-jähriger Malier aus Kirchseeon, der zeitweise als „Bunkerhalter“ und Dealer tätig gewesen sein soll, sowie eine 44-jährige Kölnerin, die als Kurierin den Stoff nach Oberbayern gebracht hatte. Da der „Bunkerhalter“ zur Tatzeit noch Heranwachsender war, findet der Prozess vor der Jugendkammer statt.

Laut Anklage betrieb der Nigerianer zumindest seit Mitte 2015 seinen schwunghaften illegalen Handel mit Marihuana. Schwerpunkt der Lieferungen waren Unterkünfte in Ebersberg und Kirchseeon. So lieferte die 44-jährige Kölnerin am 19. Januar 2016 in einem Koffer versteckt insgesamt drei Kilogramm Marihuana in einer Ebersberger Asylbewerber-Unterkunft ab und wurde dort für ihren Kurierdienst mit 500 Euro belohnt. Bereits am 26. Februar war die Kurierin dann wieder unterwegs, diesmal mit zwei Kilogramm zum Bunkerhalter nach Kirchseeon. Zwei andere Kuriere brachten dann am 17. März eine weitere Großlieferung – diesmal vier Kilogramm – nach Kirchseeon.

Der schwunghafte Handel wurde dann am 21. April 2016 jäh gestoppt: Die Kurierin war mit knapp drei Kilo Gras wieder in Richtung Kirchseeon unterwegs, diesmal im Zug. Am Hauptbahnhof in München sollte das Marihuana an den 21-jährigen Malier übergeben werden, doch bei der Übergabe klickten die Handschellen.

Vor der Jugendkammer hüllte sich Kelechi E. alias „Tony“ in Schweigen, während der Malier einräumte, als „Bunkerhalter“ fungiert zu haben. Den Nigerianer habe er während einer gemeinsamen Zeit in einem Asylbewerberheim kennen gelernt. Er habe das Gras für ihn nicht nur gebunkert, sondern von dem Kerpener auch einmal 150 Gramm und einmal 100 Gramm Marihuana zum Weiterverkauf bekommen.

Die Kölner Kurierin berichtete, dass sie den Nigerianer zufällig kennen gelernt habe. Sie habe ihm von ihrer miesen finanziellen Situation erzählt. „Er hat mir ein paar Mal mit zehn Euro ausgeholfen“, so die 44-Jährige. Schließlich habe er ihr einen „Zuverdienst“ angeboten, jeweils 500 Euro pro Fahrt nach Bayern, wobei sie natürlich gewusst habe, dass sie Marihuana transportiere. Die Menge allerdings sei ihr nicht bekannt gewesen: „Ich habe nie in die Koffer geschaut.“

Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage angesetzt.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa

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