Zahlreiche Bilder auf Computer gefunden

Hunderte Kinderpornos: 57-Jähriger kommt ins Gefängnis

  • Raffael Scherer
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Weil er zahlreiche kinderpornografische Dateien gespeichert und in Umlauf gebracht hat, muss ein Landkreisbürger nun ins Gefängnis.

Über 800 Bilder fand die Polizei auf seinen Festplatten. (Symbolbild)

Ebersberg – Er sagt, er sei kein Pädophiler, doch das Gericht glaubt ihm nicht. Der 57-jährige Arbeitslose aus dem nördlichen Landkreis stand vor dem Amtsgericht Ebersberg. Die Anklage: Seit dem Jahr 2014 habe er 216 Bilder von Kindern und 612 Bilder von Jugendlichen sowie ein Video auf Computer, Laptop und USB-Stick gesammelt. Außerdem habe er mehrere Bilder versendet sowie ein Nacktfoto eines kleinen Mädchens auf eine Amateurporno-Website hochgeladen.

Der Angeklagte räumte über seinen Rechtsanwalt alle Anschuldigungen ein – bei der Beweislage durch die konfiszierten Festplatten auch keine Überraschung. Falls das Gericht eine Therapie wünsche, werde der Angeklagte eine solche in Anspruch nehmen. Aber, das behauptete der 57-Jährige wiederholt: Er habe keine pädophilen Neigungen. „Ich war nur neugierig!“

Extreme Missbrauchs- und Gewaltfantasien über Kleinkinder

Davon ließ der Mann auch nicht ab, als Richterin Vera Hörauf Ausschnitte seiner Chatverläufe mit anderen Personen vorlas. Darin äußerte er extreme Missbrauchs- und Gewaltfantasien – mit Blick auf einen vier Monate alten Säugling sowie eine Sechsjährige, die jeweiligen Kinder des Chatpartners.

Einsicht zeigte der 57-Jährige weiterhin nicht und probierte, sich herauszuwinden: Er sei nur auf den Chatpartner eingegangen und habe in der Realität an solchen Fantasien keinerlei Interesse. Richterin Hörauf stellte klar: „Ich glaube Ihnen kein Wort.“ Er wolle nicht einsehen, dass er ein Problem habe.

Angeklagter will psychisches Problem nicht einsehen

Wegen der gespeicherten Bilder versuchte sich der Angeklagte weiter herauszureden, er habe diese „für Beweiszwecke“ abgespeichert und dann vergessen. „Das tut weh beim Zuhören“, kommentierte das der Staatsanwalt. „Sie sind doch ein intelligenter Mann, warum verstricken Sie sich selbst so in Widersprüche?“

Den fehlenden Willen zur Therapie erklärte der Verteidiger so, dass der Angeklagte keine Zeit für Einsicht geschweige denn Recherche zu Therapiemöglichkeiten gehabt habe. Das ließ die Richterin nicht gelten: „Das sind ein paar Sekunden auf Google“, stellte sie klar. Der Angeklagte, der nach eigenen Angaben viel Zeit online verbringt, habe schlichtweg sein Problem nicht einsehen wollen.

Richterin fällt abschreckendes Urteil

In dem ihm zustehenden letzten Wort wiederholte der Angeklagte bemüht die Sätze seines Rechtsanwaltes: „Mir ist klar, dass hinter jedem dieser Bilder schreckliche Schicksale stehen und ich habe keine Neigung zur Pädophilie. Es tut mir außerdem leid.“

Richterin Hörauf verurteilte den Mann zu anderthalb Jahren Gefängnis ohne Bewährung. Die Strafe begründete die Richterin mit dem Verhalten des Angeklagten. Die fehlende Einsicht habe sie sehr gestört. „Das Motiv Neugierde ist völlig unglaubhaft und beißt sich völlig mit den Nachrichten im Chat“, sagte sie. Sowohl die Menge an Bildern als auch deren professionelle Machart überrasche sogar sie, die schon viele vergleichbare Prozesse verhandelt habe. Die Richterin hoffe, dass das Urteil abschreckend wirkt – und im Idealfall weitere Taten verhindert.

Rubriklistenbild: © PantherMedia / Feng Yu

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