Aus dem Gerichtssaal

Kinderpornos per WhatsApp verschickt: Bewährungsstrafe 

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Pornografische Bilder und Videos von Kindern und Jugendlichen: Auf dem Smartphone eines 28-Jährigen fand sich äußerst unschönes Material. Dafür wurde er verurteilt und muss in Therapie. 

Ebersberg – Es sind widerliche Bilder und Videos, die ein 28-Jähriger aus dem westlichen Landkreis in den vergangenen zwei Jahren auf seinem Handy hatte und über den Kurznachrichtendienst WhatsApp weiterverbreitete: Darstellungen nackter Kinder und Jugendlicher, in äußerst obszönen Positionen mit Gegenständen und zum Teil schmerzverzerrtem Gesicht. Und Videos, die die jugendlichen Mädchen beim Geschlechtsakt mit Männern zeigen. Dafür musste der 28-Jährige, der bereits seit Jahren wegen psychischer Probleme und Aggressionen in Behandlung ist, auf die Anklagebank des Ebersberger Amtsgerichts. Und genau wegen dieser Probleme wollte er in der Verhandlung nichts sagen, begründete sein Anwalt.

Dieser verlas eine Stellungnahme: Der 28-Jährige bereue die Tat, er distanziere sich von sexueller Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen, Gespräche mit Psychiatern führe er bereits und eine Therapie wolle er ebenfalls machen. Einige der Bilder, um die es ging, zeigte Richterin Vera Hörauf während der Verhandlung. Der 28-Jährige blickte weg, starrte aus einem der Fenster im Gerichtssaal, ohne Mimik, ohne Reaktion. Dann: „Es tut mir leid“, sagte er. Und: „Ich will das aufarbeiten.“

Die Staatsanwaltschaft sagte, dass die Einsicht gut sei, dass aber weder diese noch die psychischen Probleme des 28-Jährigen die Tat relativierten. Seit 2002 wohne er in einer betreuten Einrichtung, über die er auch arbeite. Eine abgeschlossene Berufsausbildung habe er jedoch nicht.

Wegen Besitzes und Verbreitung von kinder- und jugendpornografischer Schriften wurde er zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt. „Ich nehme es ihm ab, dass es ihm leid tut und er sich schämt, heute hier zu sitzen“, sagte Richterin Hörauf. Aber: Entsprechend der Schwere der Tat sei eine Geldstrafe „nicht angemessen“. Außerdem muss der 28-Jährige eine Therapie in einer psychologischen Einrichtung für Sexualstraftäter in München ableisten. Sein Smartphone mit dem gesamten Bild-und Videomaterial ist er los, das hat das Gericht einbehalten.

Rubriklistenbild: © dpa

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