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„So voll war’s noch nie!“, meinten einige Besucher der proppenvollen Podiumsdiskussion im Alten Speicher

Kommunalwahl 2020

So lief die Podiumsdiskussion in Ebersberg

Kommunalwahl 2020 Ebersberg: Auf Einladung der Ebersberger Kolpingfamilie sind die fünf Ebersberger Bürgermeisterkandidaten aufeinander getroffen. Der Alte Speicher platze aus allen Nähten.

Ebersberg – Was macht einen guten Bürgermeister eigentlich aus? Was muss er mitbringen? Zählt Beharrlichkeit oder Offenheit? Wiegen gute Kontakte mehr oder braucht es vor allem Rhetorik und Charisma? Die Bewerber ums höchste Amt der Stadt haben den Ebersbergern in der von der Kolpingfamilie organisierten Podiumsdiskussion sehr unterschiedliche Angebote gemacht.

Die fünf Kandidaten

Alexander Gressierer (CSU), Ulrich Proske (SPD), Toni Ried (FW), Bernhard Spötzl (FDP) und Josef Peis („Pro Ebersberg“) wollen in große Fußstapfen treten. 24 Jahre lang hat Walter Brilmayer (CSU) die Kreisstadt gelenkt. Für viele Ebersberger ist der Sympathieträger der einzige Bürgermeister, den sie je erlebt haben. An seinen unverwechselbaren jovial-verbindlichen Stil sind die Kreisstädter gewohnt. Wer kann darauf folgen?

Toni Ried

Da wäre Brilmayers Stellvertreter Ried, der Älteste in der Runde mit jahrzehntelanger Erfahrung als Stadt- und Kreisrat. Der Ortsvorsitzende der Freien Wähler positioniert sich als Bewahrer der traditionellen Atmosphäre der Kleinstadt und einziger erklärter Gegner von Windenergie auf dem Podium: „Solange wir die Solarenergie nicht ausgeschöpft haben, bin ich gegen Windräder im Forst.“ Unmissverständlich führt er seine Erfahrung als seine Stärke an. Er kenne die Facetten des Bürgermeistergeschäfts durch seine Stellvertreterposition und bringe Verhandlungsbereitschaft und Hartnäckigkeit mit.

Alexander Gressierer

Da wäre der junge Parteigenosse und amtierende Stadtrat Gressierer, der in der Podiumsdiskussion bisherige Erfolge betont und sich gerne auf seine CSU-Familie beruft. Er macht deutlich, dass er am liebsten nahtlos an den Glanz Brilmayers anknüpfen möchte. Der Ortsvorstand rühmt sein CSU-Netzwerk „von der kommunalen bis zur europäischen Ebene“: „Manches Problem ist für mich ein Anruf, und dann läuft die Sache“. Diese etwas unglückliche Formulierung beantwortet das Publikum mit Häme. Ansonsten sind die überaus zahlreichen Zuhörer – weit über hundert Ebersberger waren gar nicht mehr in den hoffnungslos überfüllten Alten Speicher gelassen worden, Hunderte verfolgten die Diskussion per Live-Stream online – guter Stimmung. 

Bernhard Spötzl

Mit Kritik sind sie in der dreistündigen Veranstaltung recht sparsam, umso großzügiger mit Applaus. Wie zu erwarten stellt der Autoverkehr das Hauptthema des Abends. Als Einziger vom Podium kann sich Spötzl keinen Tunnel durch Ebersberg vorstellen und pocht auf die FDP-Umfahrung im Osten: „Ein Tunnel, so schön er sein mag, ist einfach nicht realistisch.“ Spötzl, der in der laufenden Legislaturperiode der einzige FDP-Stadtrat ist, bezeichnet sich selbst als Teamplayer.

Josef Peis

Der wohl Unbekannteste in der Runde ist Peis, der seinen Auftritt aber gut zu nutzen weiß. Der Gründer der neu aus der Taufe gehobenen Wählergemeinschaft „Pro Ebersberg“ besticht als gekonnter Redner, wenngleich sein Hintergrundwissen zu manchen Themen, etwa den städtischen Haushalt, naturgemäß noch recht dünn ist, was er aber ehrlich und unumwunden zugibt. Er verwendet sich für den Fokus auf ein soziales Miteinander und pocht auf den frischen und Wind, den er und seine Mitstreiter ins Rathaus bringen wollen. Diesen allerdings stellt Moderator Manfred Ruopp bissig in Frage, als er den Frauenanteil der neuen Liste mit nur 33 Prozent entlarvt: „Ich hab gedacht, ihr wollt eine andere Politik machen. Das kommt mir aber ziemlich gleich vor.“ Allerdings, so informiert Ruopp: Zwar stehen bei der CSU (37 Prozent) mehr Frauen auf der Stadtratsliste, aber bei FDP und Freien Wählern ist deren Anteil geradezu verschwindend gering. Einzig die SPD hat ein 50/50-Verhältnnis geschafft.

Uli Proske

Deren Kandidat Proske gibt in der Podiumsdiskussion ein weiteres Mal den Typ „Anpacker“. Kurz, knackig und schlagwortreich kommt er auf den Punkt und verbraucht dadurch am Ende weniger Redezeit als die anderen. Ausführlicher wird er nur bei den Themen Wohnungsbau (Mehrgenerationenhäuser) und Verkehr (Einbahnstraßen und Radwege). Ein Bürgermeister müsse in seinen Augen „auf die Leute zugehen können, ihnen zuhören und sie zusammenbringen können“ – alles das, wofür er selbst stehe.

Ruopp lässt am Ende diejenigen im Saal aufstehen, die auch nach der Veranstaltung noch unentschlossen sind, wo sie am 15. März ihr Kreuzchen machen. Es sind deutlich weniger als vor der Diskussion. Der Moderator ist zufrieden und sagt: „Na, da hat sich ja bisschen was bewegt.“

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

Service

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Ebersberg, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Ebersberg.

Uta Künkler

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