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So kennen ihn die Patienten der Kreisklinik Ebersberg: Der Krankenhausseelsorger Josef Graml (76) tritt künftig etwas kürzer, hört aber nicht ganz auf. 

Beliebter Seelsorger: Josef Graml tritt kürzer

Springer im Dienst des Herren

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Ebersberg – Wer in den vergangenen Jahren den Ebersberger Krankenhauspfarrer Josef Graml einmal gefragt hat, wie lange er denn eigentlich noch weiterarbeiten will, hat von dem heute 76-Jährigen vielleicht folgende Antwort bekommen: „Kardinal Ratzinger ist auch mit 78 Papst geworden.“ Aber irgendwann muss doch einmal Schluss sein, und das ist jetzt. Aber nicht ganz. Graml geht nämlich nur in den Ruhestand „light“.

Seine bei den Patienten beliebten Krankenhausrunden wird der Seelsorger, der seit 37 Jahren in Ebersberg ist, jedoch gänzlich in die Hände eines Nachfolgers legen. Vertretungsgottesdienste wird er weiter halten, unter anderem „in Steinhöring, Tulling, St. Christoph und auch in Ebersberg“, zählt Graml einige Orte auf. „Immer, wenn ich gebraucht werde.“ Er ist jetzt in der Pfarrei Ebersberg sozusagen Springer im Dienste des Herren.

Aus dem Dienst als Krankenhausseelsorger scheidet der beliebte Pfarrer Ende Januar aus. In einer kleinen Feier soll er deshalb am Freitag, 27. Januar, verabschiedet werden. „Das genaue Programm kenne ich noch gar nicht“, sagt Graml zu diesem Tag. „Ich lasse mich überraschen.“

Stadtpfarrer Josef Riedl teilt dazu mit, dass in der Kapelle der Kreisklinik eine „Vesper mit anschließendem Stehempfang im Speisesaal stattfinden“ wird. Beginn ist um 17 Uhr, und das wird nicht nur die Krankenhauspatienten interessieren, denen und deren Angehörigen Graml in schwierigen Lebenssituationen schon Beistand geleistet hat. „Man hat oft mit Sterbenden zu tun“, beschreibt er belastende Situationen. „Aber es kommen auch viele Kinder zur Welt.“ Und so kommt es, dass er sich an die eine oder andere Taufe gerne erinnert, die er in seiner 34-jährigen Zeit als Klinikseelsorger erlebt hat.

Interessieren wird der Abschied des Krankenhauspfarrers aber auch andere Gläubige. Die sonntäglichen Gottesdienste in der Kapelle der Kreisklinik waren sehr gefragt – „besonders bei den Hausfrauen, weil die danach noch kochen können und die Männer können zum Stammtisch gehen“, vertraute der Pfarrer der Ebersberger Zeitung bereits vor sechs Jahren in einem Interview an. Dass er in einem Alter von weit über 70 Jahren noch als Priester arbeiten würde, konnte er sich vor zehn Jahren selbst noch nicht vorstellen, wie er damals sagte. Jetzt ist es doch so gekommen.

„Der Umgang mit den Menschen ist das, was mir Spaß macht“, meint der Pfarrer in der Rückschau. Freut er sich, dass er jetzt ein bisschen kürzer treten kann? „Ein bisschen schon“, sagt der Seelsorger, der gerne in die „Verlängerung“ gegangen ist.

Zu seinem wöchentlichen Pensum gehörten regelmäßige Krankenbesuche in jedem Zimmer der Kreisklinik. Das Wichtigste daran? „Dass der Mensch zum Menschen kommt.“

Als lebenskluger Pfarrer hat Graml den Gläubigen mehr zu sagen als „fromme Bibelsprüche“ mit denen er die Leute „nicht traktiert“, wie er früher schon einmal bekannte.

Gramls „Laufbahn“ als Mann der Kirche begann ganz klassisch – als Ministrant. Es folgten nach der Priesterweihe im Jahr 1968 Stationen unter anderem in Tittmoning, in Garmisch und als Jugendpfarrer im Landkreis Miesbach. Und weil die Aufgabe als Krankenhausseelsorger oft mit dem Thema Tod und Sterben verknüpft ist, engagierte sich Graml als einer der ersten und Mitbegründer des Christophorus Hospiz-Vereines im Landkreis Ebersberg.

Gramls Nachfolger steht bereits fest. Es ist Christoph Diehl (52), der zuletzt als Seelsorger im Team der Rosenheimer „Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung“ tätig war. Als Pastoralreferent war er darüber hinaus in Kliniken in Bad Aibling und in Bad Feilnbach der Leiter der dortigen Krankenhausseelsorge.

„Das ist ein sehr erfahrener Mann“, berichtet Bettina Göbner vom Erzbischöflichen Ordinariat.

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