Frau zapft Bier.
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Unsicherheit und Verwirrung in den Kneipen: Wir wollten wissen, wie genau es die Wirte im Landkreis mit Impfzertifikats- und Ausweiskontrolle nehmen.

EZ-Mitarbeiter machen die Probe aufs Exempel

Corona-Regeln: Ebersberger Kneipen im Test

  • Raffael Scherer
    VonRaffael Scherer
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  • Helena Grillenberger
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Die Vorgaben für Restaurants und Bars werden pandemiebedingt immer strenger. Doch wie ernst nehmen es die Lokale? Zwei EZ-Mitarbeiter wollten es genau wissen und haben an einem Abend mehrere Kneipen im Landkreis getestet.

Landkreis – Eigentlich müsste beim Betreten eines Lokals sofort am Eingang der Nachweis mithilfe eines Scans mit dem Smartphone kontrolliert und Name und Alter mit Lichtbildausweis überprüft werden. Eigentlich.

Wir haben am Freitagabend, 12. November, acht Lokale im Landkreis besucht. Fazit: Bei vielen Betreibern herrscht Unsicherheit über die geltenden Vorgaben. In fünf Bars hat es gereicht, lediglich den Impfnachweis hochzuhalten: „Schaut gut aus“, heißt es dann gleich, oder „Ich glaube Ihnen jetzt einfach, dass Sie der Herr Scherer sind“. Scan oder Lichtbildausweis? Fehlanzeige.

Polizei und Landratsamt haben die Kontrollen hochgefahren

Dabei haben Polizei und Landratsamt die Kontrollen auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen in den Gaststätten hochgefahren. Bei mangelhafter Einhaltung drohen den Gastronomen empfindliche Strafen – von hohen Bußgeldern bis hin zur Schließung.

Wie vorschriftsmäßig die Gaststätten kontrollieren, scheint aber auch von der Auslastung abzuhängen: Bei einem Restaurant in Grafing kommt das Personal mit dem Besucheransturm nicht hinterher, und fragt gar nicht erst nach einem Nachweis. Als Kunde mit Handy in der Hand, direkt am Tresen: Nichts, außer Getränke und die Rechnung.

Andernorts hat sich der Wirt extra um einen Türsteher bemüht, der breitbeinig den Einlass überwacht. Kritischen Blickes fragt er nach dem Nachweis, beäugt kurz den QR-Code und schon haben wir unser Einlassbändchen. Hohe Auslastung oder Überforderung wären hier keine Ausrede für eine mustergültige Kontrolle.

Unsicherheit bei den Wirten, ob sie den Ausweis verlangen dürfen

Bei mehreren Wirten herrscht die fälschliche Überzeugung, sie dürften gar nicht nach einem Lichtbildausweis fragen. Sie befürchten einen Verstoß gegen Datenschutz und Persönlichkeitsrecht. Jedoch gilt: Fragen dürfen sie. Wollen Kunden den Ausweis aber nicht zeigen, muss sie der Wirt eben des Hauses verweisen. Wie etwa bei 15-Jährigen, die ein Bier trinken wollen.

Besonders auffällig: Gerade kleinere Kneipen mit nur einer Bedienung geben sich viel Mühe. So wird etwa in Markt Schwaben ganz vorschriftsgemäß gescannt und der Personalausweis verlangt. In der Gemeinde Poing entfällt zwar der Scan, aber auch hier wird zumindest der Name überprüft. Denn laut Barkeeperin könnten die Kunden die Vorschriften zu leicht umgehen, wenn sie nur den QR-Code zeigen müssten.

„Verwirrung herrscht auf beiden Seiten“, sagt ein Gastronom

Bei einer Kontrolle vergangenen Donnerstag wurden von Landratsamt und Polizei 18 Gaststätten hauptsächlich im Landkreissüden kontrolliert, informiert die Kreisbehörde. „Die Bilanz (...) fiel weitgehend positiv aus“, heißt es. Aber: „In einigen Gaststätten wurden die vorgelegten Impfnachweise nicht exakt geprüft oder zumindest nicht mit einem Ausweisdokument abgeglichen. In diesen Fällen wurden die Betriebsinhaber belehrt“, so das Landratsamt.

Auch uns fällt auf: Die Wirte wollen eigentlich schon alles richtig machen. Ein Pärchen vor uns muss nach Hause gehen, weil der Mann seinen Impfausweis daheim vergessen habe: „Wir können da leider keine Ausnahme machen, denn das ginge gar nicht, wenn eine Kontrolle kommt.“ Trotzdem belässt es die Bar dann bei uns bei einem Blick auf den QR-Code.

Verwirrung herrscht aber auf beiden Seiten. So klagt einer der Betreiber: „Die Leute kennen sich nicht mehr aus mit den Regeln.“ Sein Lokal habe bereits die Hälfte der Kundschaft verloren und niemand wisse mehr genau, was gerade eigentlich gelte.

Fazit: Positiv

„Ist echt lustig momentan. Es macht richtig Spaß“, fasst ein anderer Gastronom augenrollend die Lage zusammen. Während in Köln groß gefeiert werde, müsse hier auf Masken, Abstand und richtige Kontrollen geachtet werden. Beinahe schon eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, so ein Betreiber.

Bei unserer Kneipentour ebenfalls deutlich spürbar: Ein gewisses Misstrauen auf Seiten der Wirte gegenüber unbekannten Gästen. Etwa bei der Frage, ob beim Toilettengang eine Maske nötig sei, antwortet ein Wirt mit der Gegenfrage: „Wo arbeitet ihr?“ Denn er sei bereits zweimal von der Polizei überprüft worden.

Fazit: Die Angst vor Kontrollen scheint bei den Wirten angekommen zu sein. In sieben von acht Kneipen sind wir überprüft worden. Jetzt noch überall Scannen und Ausweiskontrollen, dann steht dem sicheren Genuss nichts mehr im Weg.

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