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Enkeltrick-Variante: Ex-Bankerin fällt auf falschen Sohn rein

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Von: Raffael Scherer

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Whatsapp ist der beliebteste Messenger auf der Welt
Der Enkeltrick kommt auch über Whatsapp (Symbolbild) . © Zacharie Scheurer/dpa

Nicht nur Rentner werden durch Smartphone-Maschen ausgetrickst: Frau (56) überweist 3000 Euro an Betrüger.

Landkreis – Wie kann man nur so blöd sein, dachte sich Tanja Müller (Name geändert) aus dem südlichen Landkreis die vergangenen beiden Tage. Die 56-jährige, ehemalige Bankerin war am vergangenen Mittwoch auf eine Variante des Enkeltrick-Betrugs hereingefallen – und hatte Unbekannten über 3000 Euro überwiesen.

„Es war sowieso schon alles ein chaotischer Tag“, erinnert sie sich. Ihre Mutter am Coronavirus erkrankt, sie selbst gerade beim Arzttermin und dann schreibt auch noch ihr Sohn mit einer neuen Nummer, dass sein Smartphone kaputt sei. „Hallo Mama, mein Touchscreen reagiert nirgends mehr, ich benutze jetzt mein altes Handy“, so die Nachricht einer ihr unbekannten 0157-Handynummer. Bei jenem sei jedoch das Mikrofon kaputt, deswegen seien Anrufe nicht möglich, bis er das reparierte Handy am Montag mit der alten Nummer zurückbekäme.

Angeblicher Sohn bittet um gleich zwei Überweisungen für Bestellungen

Doch der vermeintliche Sohn hatte noch eine weitere Bitte: „Ich müsste heute eigentlich zwei Zahlungen überweisen, aber, weil mein Handy jetzt kaputt ist, kann ich nicht in meine Apps. Könntest du das für mich überweisen, dann bekommst du das am Montag gleich wieder zurück.“ Ob er es nicht am Abend am PC selbst überweisen könne, habe Müller noch nachgefragt, zurück kam nur ein „Nein“. „Ich hatte wohl ein Brettl vorm Hirn, ich weiß im Nachhinein auch nicht mehr, was mich da geritten hat“, lautet ihre Einsicht am Tag darauf.

Gesagt, getan. An zwei private Kontoverbindungen überwies sie wie vom vermeintlichen Sohn gefordert insgesamt „ungefähr 3200 Euro“ via „Echtzeit-Überweisung“, angeblich für Sachen, die der Sohn bestellt habe. Später seien ihr bei den Kontodaten ebenfalls mehrere Unstimmigkeiten aufgefallen, wie etwa der Rechtschreibfehler „Bedrag“ vor der Summe. „Ich bin so blöd, ich könnte mir echt in den Hintern beißen“, kommentiert Müller ihr Handeln im Nachhinein.

Erst am Tag danach klärt sich Betrugsmasche auf

Tags darauf rief ihr 30-jähriger Sohn sie mit seiner alten Nummer an. Überrascht fragte sie, ob sein Handy nun doch schon schneller repariert wurde. „Der dachte ich bin nicht mehr ganz richtig im Kopf“, erinnert sie sich kopfschüttelnd an das Telefonat. Wenn seine Mama weiter so einen Unsinn rede, würde er gleich auflegen, sagte er.

Nach und nach dämmerte es Frau Müller: „Oh, dann hab ich jetzt ein Problem“, so ihr Fazit nach ein paar Sekunden Bedenkzeit. Parallel bekam sie von der anderen Nummer ein „Guten Morgen“ und, „das allerdreisteste“, ein großes, rotes Herz zugesandt – gefolgt von der Bitte um eine weitere Überweisung.

Nicht nur Rentner werden von Betrügern ausgetrickst

Sofort rief sie bei ihrer Bank an und meldete den Vorfall der Polizei. Die Aussichten das Geld wieder zu bekommen seien jedoch gering, so das ernüchternde Feedback. „Man hört immer wieder von Enkeltrickbetrügereien wo du denkst ,wie blöd kann man sein’, aber jetzt weiß ich wie schnell so etwas passieren kann“, resümiert die 56-Jährige und fügt hinzu: „Wenn mir schon sowas passiert, wundert es mich nicht, dass 80-Jährige noch gutgläubiger sind und noch schneller hereinfallen“.

Gelernt hat sie aus dem Vorfall definitiv: „In Zukunft werde ich nichts mehr für andere überweisen, ohne vorherige telefonische Rückfrage.“ So ärgerlich der Vorfall sei, trotzdem gebe es Schlimmeres: „Mein Mann ist letztes Jahr verstorben, das war wesentlich schlimmer, das hier ist nur ein materieller Schaden.“ Ärgerlich bleibt es trotzdem.

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