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400 PS und 28 Tonnen hinter sich: Franz Weiherer ist mit Leidenschaft Straßenwärter im Landkreis. Zurzeit kann sein Arbeitstag mit dem ganzen Schnee schon mal zwölf Stunden ausmachen. Wochenenden gibt es nicht.

Straßenwärter im Einsatz

Er ist ein Held der Straße

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Franz Weiherer (25) steht auf, wenn andere ins Bett gehen. Ab 1.30 Uhr nachts räumt er Schnee, damit die Menschen im Landkreis am Morgen freie Straßen haben. Wir haben ihn begleitet. 

Der Wecker von Franz Weiherer (25) ist sein Handy. Wenn das nachts um ein oder zwei Uhr klingelt, weiß er, er muss raus aus dem Bett, weg von seiner Freundin und raus in die Kälte. So wie Donnerstagnacht. Es schneit und schneit, der Landkreis versinkt im Schnee, die Straßen verwandeln sich in gefährliche Eisbahnen. 

Das Handy von Franz Weiherer bimmelt wie wild, er werde dringend gebraucht, sagt ihm eine Stimme. Der 25-Jährige wäscht sich, springt in seine Winterklamotten und fährt von Steinhöring nach Ebersberg zum Stützpunkt der Straßenmeisterei. 

Im Hof finden die großen orangefarbenen Unimogs, Laster und Truppenfahrzeuge locker Platz, fünf große Hallen, eine Lagerhalle, in die 1000 Tonnen Streugut passen, 6000 Tonnen könnten es diesen Winter werden, die gebraucht werden.

28 Tonnen, 400 PS

Franz Weiherer kommt an, es ist 1.15 Uhr: Lagebesprechung mit dem Einsatzleiter für den Winterdienst, Fahrzeugcheck. Weiherers Kollegen laden einige Tonnen von dem groben Streusalz auf den Buckel seines Ungetüms, ein 28 Tonnen schwerer und 400 PS starker Schneeräumlaster.

Der Schneepflug vorne ist 3,6 Meter breit. Drei Stufen muss der Straßenwärter hochklettern, um in das hoch technisierte Fahrerhaus zu kommen. Bildschirme, Joystick. Frühstück gibt’s keines für Franz Weiherer, „brauch’ ich nicht“, sagt er. Weil er keinen Kaffee mag, hat er sich ein Spezi geschnappt, das er mit auf den Einsatz nimmt. Um 1.30 Uhr ist er durch den Forst in Richtung Norden unterwegs und schubst unzählige Tonnen Schnee von der Staatsstraße. Salz soll verhindern, dass sie eine Rutschbahn bleibt.

Moderne Ausstattung im Führerhaus.

Wenn er die Strecke fertig hat, in ein paar Stunden, wird sie vielleicht wieder eingeschneit sein. Also von vorne, wenn es sein muss. Ja, die Belastung sei hoch, wird er nach dem Einsatz sagen. Vor allem, wenn es so viel schneit wie heuer und man mit dem Räumen nicht hinterherkommt. „Aber mein Job macht mir richtig Spaß“, sagt der 25-Jährige.

Überstunden und kein Wochenende

Nicht lustig, sondern ärgerlich findet er, wie sich so manche Bürger verhalten. Die, die Weiherer und seinen Kollegen unterstellen, sie würden nicht fleißig räumen. Oder Autofahrer, die hupen, weil das Fahrzeug zu viel Platz braucht und sie warten müssen. Viele wüssten nicht, welches Pensum Weiherer und seine Kollege leisten. Dass sie unzählige Überstunden machen und viele der Mitarbeiter der Straßenmeisterei zurzeit keinen einzigen freien Tag – auch kein Wochenende – haben. 

Und dass es nun mal feste Räumrouten gibt. Das Herz von Franz Weiherer hängt an seiner Arbeit. Das sieht jeder, der ihn begleitet. Der 25-Jährige mit den roten Backen lacht nachts genauso wie nach seiner Schicht. „Wenn ich sehe, dass die Straße nicht mehr weiß, sondern wieder schwarz ist, dann freut mich das“, erzählt er. Ja, stolz sei er. „Ich tue etwas für die Menschen.“

Einige schimpfen, wenn Weiherer mit seinem Pflug Schneeberge so hoch wie Autos auf den Gehsteig oder vor die Einfahrt schippt. „Aber es geht oft nicht anders“, entschuldigt er sich. „Wir können den Schnee einfach nicht wegzaubern.“ Hin und wieder steigt er sogar aus und beruhigt schimpfende Bürger, erklärt ihnen alles. „Viele verstehen das dann auch.“

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Hüter der sicheren Straßen

Zum Lachen ist ihm dennoch nicht immer zumute. Freitagfrüh, 7.15 Uhr. Nachts hat es so gut wie nicht geschneit. Dennoch ist Franz Weiherer im Einsatz. Seit 3 Uhr. Die Straßenmeisterei Ebersberg ist dem staatlichen Bauamt Rosenheim und dem Landkreis untergeordnet. 

Dass Bundes-, Staats- und Kreisstraßen befahrbar sind, das ist die Aufgabe der Behörde: Tödliche Unfälle so gut es geht dadurch verhindern. Franz Weiherer steht für 33 Mitarbeiter der Straßenmeisterei in Ebersberg, die dafür sorgen, dass der Landkreis funktioniert. „Man kann stolz sein auf die Truppe“, sagt der Dienststellenleiter Johannes Bachmaier an diesem Morgen.

Im Salzlager: weißes Gold.

Es ist noch dunkel. Weiherer hat die erste Schicht hinter sich. Doch die Straßen an diesem Tag könnten gefährlich glatt werden, geschmolzener Schnee überzieht die Staatsstraße 2086 in Richtung Hohenlinden. Ausrücken! Franz Weiherer muss erneut nachsalzen. Das 28-Tonnen-Monster brummt im Hof der Straßenmeisterei in der Wasserburgerstraße. Ein Radlader kippt zwei Fuhren Salz, jede eine Tonne schwer, in das Räumfahrzeug. Sechs Tonnen passen in den Behälter.

Als ein Auto auf der B 304 einen Kollegen erwischt...

Dann geht es los. „Die Leute sollten nicht böse sein, wenn nicht alles sofort geräumt ist“, sagt Weiherer. Den strengen Winter sieht der 25-Jährige gelassen; obwohl es „schon echt viel Schnee ist“. Er steuert sein Ungetüm durch die Kreisstadt, durch den Berufsverkehr, Zentimeterarbeit, vorbei an parkenden Autos, an der engen Rathauskurve und in Richtung Forst. Immer wieder lässt er den Pflug ab, um hartnäckige Eisplatten weg zu sprengen. 

Das Salz sprudelt munter auf den Asphalt. Dass sein Job gefährlich ist, wisse der 25-Jährige. 2009 hat er seine Ausbildung begonnen, 2012 abgeschlossen. Ein Kollege von ihm sei vergangenes Jahr auf der B 304 von einem Auto erwischt worden, als er dort eine überschwemmten Straßenabschnitt abgesperrt hat. Ein Hubschrauber brachte ihn weg, eineinhalb Jahre war er krank. „Meine Mama und meine Freundin sagen immer, dass ich wieder gesund nach Hause kommen soll“, sagt Franz Weiherer. Passieren könne immer etwas, man werde vorsichtiger.

Alles dafür, dass die Menschen frühs in ihr Auto steigen und über – so gut es geht – freie, sichere Straßen fahren können.

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