Solar-Pionier Robert Stemmer aus Weiding (Ebersberg) vor seiner 20 Jahre alten PV-Anlage.
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Solar-Pionier Robert Stemmer aus Weiding (Ebersberg) vor seiner 20 Jahre alten PV-Anlage.

Viele müssen nun handeln

Schreck-Nachricht für Solaranlagen-Pioniere: Wer jetzt um die Photovoltaik-Förderung bangen muss

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Besitzer von Solaranlagen im Landkreis Ebersberg bekommen momentan unangenehme Post: Ab einem bestimmten Alter gibt es für die Photovoltaik-Dächer keine Förderung mehr. Wer seine Anlage nicht verschrotten oder draufzahlen will, muss sich umtun.

Landkreis – Rosi Stemmer erinnert sich gern daran, als eine Mutter mit Kind an ihrem Haus vorbeispazierte, das Kind plötzlich aufgeregt nach oben deutete und rief: „Mama, ich dachte, Dächer sind rot!“ Damals, vor der Jahrtausendwende, als bläulich schimmernde Solaranlagen eine Rarität und die Stemmers Pioniere waren. 1996 hat sich das Ehepaar aus Weiding bei Ebersberg eine Photovoltaikanlage aufs Dach geschraubt, mit 20 kW. Noch im selben Jahr machte die Rechtschreibreform eine Fotovoltaikanlage daraus.

Ob mit F oder Ph – Solarstrom rentiert sich in unseren Breitengraden vor allem dank der Einspeisevergütung. Auf dieses Geld müssen die Stemmers künftig offenbar verzichten: Das Bayernwerk kündigte ihnen zum Jahresende sämtliche Verträge. Begründung: Die Förderung ihrer Solaranlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz laufe aus. „Mit Ablauf der Förderung dürfen wir den von Ihrer Anlage erzeugten Strom nicht mehr vergüten“, heißt es in dem Kündigungsschreiben.

„Die momentane Situation ist ärgerlich.“

Anna Neumeier Photovoltaik-Spezialistin bei der Energieagentur.

Wie den Stemmers ergeht es vielen Photovoltaik-Pionieren im Landkreis Ebersberg. Anna Neumeier von der Energieagentur Ebersberg-München sagt: „Die momentane Situation ist ärgerlich.“ Die EEG-Förderung, die es in ihrer aktuellen Form seit der Jahrtausendwende gebe, sei auf 20 Jahre plus das Jahr des Anlagen-Einbaus begrenzt. Nun fallen also die ersten aus der Förderung – auch solche wie die der Stemmers, die aus vorangegangenen Förderprogrammen ins EEG übernommen wurden. Bayernweit trifft das laut den Daten des „Solarenergie-Förderverein Deutschland“ 5597 Anlagen.

Besitzer älterer Photovoltaik-Anlagen müssen selbst tätig werden

Für die Besitzer heißt das: Sie müssen sich umtun. Auf Eigenversorgung umstellen, das rät das Bayernwerk den Stemmers. Und am besten noch einen Batteriespeicher kaufen. „Das rentiert sich für uns nicht mehr“, sagt Rosi Stemmer. „Wir wissen, dass wir nicht dasselbe wie bisher bekommen.“ Aber ganz aus der Förderung fliegen – das findet sie ungerecht. Würde die Familie ihre Anlage verschrotten und sich eine neue anschaffen, würden die 20 Jahre EEG-Einspeiseförderung von vorn beginnen – mit unter zehn Cent pro Kilowattstunde Einspeisevergütung. Bisher verdienten Energiepioniere aus der Anfangszeit des EEG um die 50 Cent pro Kilowattstunde. Die Energieberaterin und Solarspezialistin Neumeier sagt: „Die alten Anlagen sind bei weitem in der Gewinnzone und abbezahlt.“ Aber zu schade zum Wegwerfen. Attraktive Alternativen seien derzeit rar.

Riesige Photovoltaikanlage im Ebersberger Osten: Antrag wird zurückgezogen

Solarpioniere, die aus der EEG-Förderung fallen und ihren selbst erzeugten Sonnenstrom trotzdem weiter ins Netz einspeisen wollen, müssen laut Neumeier nach derzeitigem Stand auf eigene Faust nach einem Zwischenhändler suchen. Dafür werde bei Kleinanlagen meist eine Umrüstung fällig, die an die 1000 Euro koste. Um sich dann dem freien Strommarkt auszuliefern. Der jetzige Marktpreis laut der Spezialistin von der Energieagentur: Vier bis fünf Cent. „Die Wirtschaftlichkeit ist dadurch nicht gegeben“, sagt sie. Zumal das Angebot an Abnehmern für Kleinanlagen noch sehr überschaubar sei.

Solarstrom-Pioniere: Hoffen auf eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)

Auch Rosi Stemmer sagt: „Da muss ich betteln, dass die den Strom nehmen.“ Ein Hoffnungsschimmer laut Bayernwerk und Energieagentur: Die noch für den Herbst geplante Novellierung des EEG. Die könnte auch eine Regelung enthalten, die den Pionieranlagen das Einspeisen leichter macht. „Das EU-Recht gäbe es her“, sagt Energieberaterin Neumeier. Das Gesetzesvorhaben verzögert sich allerdings momentan.

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Und die Vergütung, falls es noch eine gibt, wird weit weniger als jene über die Altverträge ausmachen. „Es ist sinnvoll, sich für die Eigenversorgung einzurichten“, sagt Neumeier.

Für weitere Informationen

zum Betrieb älterer Solaranlagen empfiehlt die Energieagentur das Beratungsprojekt „PVLOTSE“ der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie – zu finden im Netz auf dgs.de/service/pvlotse oder per Telefon-Hotline unter der Nummer (030) 23 32 62 10.

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