Aus dem Gerichtssaal 

Wegen dieser Volksverhetzung wird ein Rentner aus dem Landkreis verurteilt

Ein 67-Jähriger flippt im Gerichtssaal aus. Er zitiert aus dem Koran und schmeißt das Buch auf einen Tisch. Angeklagt ist der Rentner, weil er auf der Facebookseite der AfD hetzt. 

Für Joseph H. ist der Koran ein Hexenwerk. „Tötet sie, wo ihr sie trefft“, zitiert er daraus und knallt das Buch auf den Tisch. H. sitzt im Ebersberger Amtsgericht auf der Anklagebank: graue Haare, kariertes Hemd, Brille, 67 Jahre. Der Rentner aus Vaterstetten ist wütend, schreit Richterin Vera Hörauf und die Staatsanwältin an: „Lesen Sie den Koran!“ 

Der Islam sei keine Religion, sondern eine Ideologie, macht er weiter. In Syrien schneiden sich die Menschen die Kehle auf und bei uns schächten sie Tiere. „Das ist bestialisch.“ Eine Wutrede, die im Gerichtssaal so selten vorkommt.

„Moslems sind Bestien“

„Es ist unglaublich, was Sie hier abliefern“, entgegnet die Staatsanwältin. Denn das habe nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun. Angeklagt ist H. wegen Volksverhetzung. Im Januar hat er unter einen Artikel der AfD mit dem Titel „Familiennachzug stoppen“ bei Facebook geschrieben: „Moslems sind Bestien, vom Schlimmsten, weil sie weder menschliches noch tierisches Leben achten.“

Mehr zur AfD aus der Region: „Keine Freunde der Demokratie“

Ja, er habe das geschrieben, gibt er vor Gericht zu. Als Volksverhetzer sieht er sich jedoch keinesfalls. Der Vorwurf sei „absoluter Blödsinn“. Für ihn ist der Post freie Meinung. Deshalb fordert auch sein Anwalt Achim Gaub Freispruch, sagt, dass man durch den Koran veranlasst würde, so etwas zu schreiben. „Wenn hier jemand kriminalisiert wird, weil er die Steilpässe (Anm. d. R. aus dem Koran) aufnimmt, habe ich wenig Verständnis.“

Anwalt vertritt AfD 

Der Strafverteidiger spricht von „Machokultur“, die mit dem Koran gefördert werde. „Da ist es verständlich, dass einem die Galle hochgeht.“ Achim Gaub vertrat im Frühjahr die Münchner AfD bei einer Klage gegen die Stadt.

Hörauf sieht es anders: Mit freier Meinungsäußerung habe der Post von H. nichts zu tun. Man könne den Koran kritisch beurteilen, aber nicht so verallgemeinert. Sie verurteilte H. zu einer Geldstrafe von 4950 Euro. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wäre H. vorbestraft.

Dieser sieht sich selbst als unschuldiges Opfer. Seinen Fall wolle er „an die richtige Presse geben“, nicht an die „Lügenpresse“, wie er sagt und hämisch zu den Journalisten im Gerichtssaal schaut.

Richtige Presse sei für ihn die „Junge Freiheit“ – die als rechtes Sprachrohr gilt.  

Von Max Wochinger und Christoph Hollender 

Rubriklistenbild: © dpa 

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