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Der Landkreis hat gewählt. 

Bundestagswahl 2017

Der Landkreis rückt nach rechts

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  • Sabine Heine
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Krasse Verluste bei der CSU: Obwohl Andreas Lenz (CSU) das Direktmandat im Landkreis Ebersberg holt, hält sich die Feierlaune in Grenzen. SPD-Kollege Ewald Schurer, der noch in den Bundestag einzieht, wird ebenso abgestraft.

Feierlaune sieht anders aus. Sowohl Andreas Lenz (CSU) als auch Ewald Schurer (SPD) machten ernste Mienen, als die ersten Hochrechnungen über den Bildschirm flimmerten. Die beiden Bundestagsabgeordneten, deren Fraktionen bisher der Großen Koalition in Berlin angehörten und die in den nächsten vier Jahren wohl getrennte Wege gehen, zeigten sich enttäuscht über den Ausgang der Wahl. Auch im Landkreis Ebersberg wurden CSU und SPD böse abgewatscht, die rechts-populistische AfD feierte ein für sie traumhaftes Ergebnis.

Mit seinem eigenen Erststimmen-Resultat kann der Frauenneuhartinger Lenz leben. 47,73 Prozent fuhr er im Landkreis ein. Sein engagierter Straßenwahlkampf war nicht umsonst. Die Menschen hatten ihn in den vergangenen vier Jahren als unaufgeregten Kämpfer für seine Heimat erlebt, dem karrieristische Attitüden, die manche seiner Parteifreunde an den Tag legen, fremd sind. Das wurde offensichtlich honoriert.

Dramatische Niederlage im Landkreis 

Gegenüber unserer Zeitung sagte Lenz mit Blick auf das katastrophale Zweitstimmenergebnis seiner Partei, es sei ein langfristiger Prozess der CSU, das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. „Dem stelle ich mich gerne“, kündigte er an und fügte hinzu, dass man sich mit der AfD politisch stärker auseinandersetzen müsse.

Lenz’ Abgeordneten-Kollege Schurer und dessen SPD erlebten eine dramatische Niederlage. Bei den Erststimmen kam der Ebersberger im Landkreis Ebersberg nur auf 16,29 Prozent. Er wird dem nächsten Bundestag dennoch angehören, weil er über die Landesliste seiner Partei erneut ins Parlament einzieht und dort – nach den Ankündigungen seines Parteivorsitzenden Martin Schulz – auf den harten Oppositionsbänken Platz nimmt. Das ist „schon ganz schön ernüchternd“, sagte er. Der Wille des Wählers sei zu respektieren, „auch wenn ich glaube, dass ich für jedes Prozent zehn Mal mehr geleistet habe als die AfD“, so der Ebersberger. Im Wahlkampf habe er alles gegeben, rund 150 Termine absolviert, er sei auch die ganze Wahlperiode präsent gewesen. Es sei ein „schmerzhaft deutliches Votum“.

Die Sieger heißen FDP und AfD. Die Liberalen holten im Landkreis Ebersberg 13,16 Prozent. Ihr Direktkandidat Peter Pernsteiner kam immerhin auf rund sieben Prozent. Er sagte: „Ein tolles Ergebnis für unseren Wahlkreis. Wir haben deutlich mehr als erwartet geholt!“ Pernsteiner freute sich insbesondere über die hohe Wahlbeteiligung zum Beispiel in seiner Heimatgemeinde Zorneding, wo 87 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gingen. Er selbst kam dort auf 13,68 Prozent.

AfD-Kandidatin: „Wir sind die Volkspartei“

Die AfD jubelte am Ende mit ihrer Vaterstettener Spitzenkandidatin Brigitte Fischbacher 10,34 Prozent im Landkreis Ebersberg. „Wahnsinn! Ich bin total überrascht“, sagte Fischbacher. Dass Lenz und Schurer bei den Erststimmen weit vorne liegen, sei zu erwarten gewesen. Sie seien schließlich schon im Bundestag und sie seien bekannt im Wahlkreis. Rückblickend auf den Wahlkampf im Bundeswahlkreis Erding-Ebersberg betont die stellv. Kreisvorsitzende, dass ihre Partei versucht habe, „einen fairen und sachlichen Wahlkampf zu führen“. Der Zuspruch und die Besucherzahlen der AfD-Veranstaltungen haben laut Fischbacher gezeigt: „Wir sind die Volkspartei.“

Und die Grünen? Die schafften im Landkreis rund 12,45 Prozent und steigerten sich damit gegenüber 9,6 Prozent aus dem Jahr 2013. Ihre Direktkandidatin Anna-Maria Lanzinger aus Erding freute sie sich über ein „gutes Ergebnis und dass die Grünen gestärkt und voller Energie“ in die nächste Legislatur starten könnten.

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