+
Das Windrad in der Gemeinde Bruck ist bisher das einzige im Landkreis Ebersberg. Im Forst sollen weitere Anlangen entstehen, was in Teilen der Bevölkerung auf heftigen Widerstand stößt.

Toni Ried positioniert sich klar

Landrat-Vize: Nein zu neuen Windrädern im Landkreis Ebersberg

  • schließen

„Um die Natur zu retten, zerstören wir die Natur.“ Das findet der derzeit amtierende Bürgermeister von Ebersberg und stellvertretende Landrat Toni Ried (FW) widersinnig. Er bezeichnet sich selbst als Windenergieskeptiker und positioniert sich klar gegen einen Eingriff in den Ebersberger Forst, um dort Windräder aufzustellen.

Toni Ried

Ebersberg –  Nach einer Veröffentlichung in der Ebersberger Zeitung zu den vom Landkreis geplanten fünf Großwindanlagen am westlichen Waldrand hat eine breite öffentliche Diskussion eingesetzt, an der sich jetzt auch Ried beteiligt. Er war früher Vorsitzende des Ebersberger Ortsverschönerungsvereins. „Warum kommen denn die Leute gerne nach Oberbayern?“ fragt Ried und gibt selbst auch gleich die Antwort: „Um die Attraktivität der Landschaft zu erleben.“ Dazu würden keine Windräder passen, im Forst nicht und auch sonst nirgends im Landkreis Ebersberg.

Ried hat seine Stellungnahme eigener Auskunft nach nicht mit den Freien Wählern abgestimmt, aber das Thema liege ihm am Herzen. „Ich spreche als stellvertretender Bürgermeister und stellvertretender Landrat“, sagt er und erinnert an frühere Versuche, die riesige, etwa 90 Quadratkilometer große Fläche anderen Zwecken zuzuführen als dem Waldbau. „Damals waren die Argumente ähnlich“, erinnert sich Ried. Es sei immer nur von Teilflächen die Rede gewesen. Aber wenn aus dem Teilchenbeschleuniger, den die bayerische Staatsregierung hier als internationales Vorzeigeprojekt gerne installiert hätte, Wirklichkeit geworden wäre, „wäre das die Zerstörung des Forstes in seiner Gesamtheit“ gewesen, ist sich der stellvertretende Landrat sicher. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sah das damals auch so. „Das war eine der ersten großen Protestbewegungen“, erinnert sich Ried.

Dass es jetzt im Landkreis Überlegungen gibt, mit Gutachten zur Naturverträglichkeit den Schutzstatus des Waldes auszuhebeln, kritisiert der Ebersberger besonders hart. „Dann brauchen wir überhaupt nichts mehr unter Schutz zu stellen, wenn wir das dann mit Sonderregelungen wieder aushebeln.“

Ohne genaue technische Details zu kennen, stellt der Vize-Bürgermeister „die Effektivität von Windrädern in Oberbayern überhaupt in Frage“. Für viel vernünftiger „aber auch am schwierigsten“ hält er, dass jeder Bürger durch sein „persönliches Energieverhalten“ einen größeren Beitrag leisten könne, als das die Windräder tun würden – Stichwort Einsparpotential. Ried weiß aber auch: „Wir können auf Industriebasis nicht viel einsparen.“ Er bringt dabei die Wasserkraft ins Spiel. Da die Fließgewässer im Landkreis Ebersberg jedoch keinen nennenswerten Beitrag leisten können, müsste der „Wasserstrom“ von auswärts zu uns hertransportiert werden. Das widerspricht wiederum dem Gedanken der neu gegründeten Eberwerke, die über ihre eigenen Netze am liebsten regional erzeugten Strom vertreiben würden. Das fände auch Ried gut. „Ich bin ein Freund der Regionalität“.

Von einem Gutachten zum Thema „Windenergie im Ebersberger Forst“ erwartet Ried, dass es ergebnisoffen ausfällt und alle Aspekte berücksichtigt. Auch den Aspekt beispielsweise, dass nicht nur für die Fundamente der in der Diskussion stehenden fünf Windräder Bäume fallen müssten, sondern auch für die Zufahrtswege in der Bauphase und später zur Wartung der Anlagen. Er glaubt, dass der Flächenbedarf dazu viel höher sei, als derzeit eingeräumt werde. „Ich bin gegen die Windräder im Forst, dass sage ich ganz klar“, meint Ried und bedauert gleichzeitig, dass an den Stammtischen im Landkreis Ebersberg dieses Thema zwar heftig diskutiert werde, sich von den verantwortlichen Politikern aber „keiner mehr traut, etwas zu sagen“. Er traue sich schon, seine Meinung zu sagen, auch wenn er einräumt: „Ich hoffe, dass ich nicht niedergebolzt werde.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auch wenn Kosten steigen:  Kreispolitiker und Schulleitung sehr zufrieden über Anbau-Plan am Gymnasium Vaterstetten
Bildung ist teuer. Der Landkreis investiert in diesem Bereich erheblich. Eines der Projekte ist das Gymnasium Vaterstetten. Dort sollen die Übergangs-Container nun …
Auch wenn Kosten steigen:  Kreispolitiker und Schulleitung sehr zufrieden über Anbau-Plan am Gymnasium Vaterstetten
Aßling: Wasser günstiger, Abwasser teurer
Gute und schlechte Nachricht für die Aßlinger: Zum Jahreswechsel werden die Gebühren für Wasser nochmals günstiger, das Abwasser aber teurer. 
Aßling: Wasser günstiger, Abwasser teurer
Weil nichts weitergeht: Ebersberger Stadträte stocksauer auf Kirche
Gut Ding will Weile haben, heißt es. Wer geduldig ist, wird also mit der Aussicht auf eine optimale Lösung belohnt. Dumm nur, wenn Geduld gefragt ist und das Ergebnis …
Weil nichts weitergeht: Ebersberger Stadträte stocksauer auf Kirche
Poinger Wollmäuse: Stricken für behindertengerechtes Auto
Die schwerbehinderte Theresa Kreutz aus Poing hätte gerne ein behindertengerechtes Auto. Dazu aber fehlt ihr das Geld. Die Poinger Wollmäuse wollen helfen. 
Poinger Wollmäuse: Stricken für behindertengerechtes Auto

Kommentare