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Unbürokratische Hilfe für Senioren verspricht Jochen Specht.

Altersarmut

„Wir sind keine Moralinstanz“

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Wieso Unternehmen im Landkreis Ebersberg auf ihre Weihnachtsfeier verzichten und was das mit direkter Hilfe für Senioren zu tun hat.

Eberbserg – Unbürokratisch will das Landratsamt Ebersberg sein – zumindest wenn es um das Thema Senioren geht. Deshalb gibt es ein Spendenprojekt, dass ältere, hilfsbedürftige Bürger unkompliziert, unbürokratisch und schnell helfen soll.

Jochen Specht, 31, ist Leiter des Teams Demografie im Landratsamt. Er beschäftigt sich mit der Bevölkerungsstruktur und wie es älteren Bürgern besser gehen könnte. Specht sagt, dass der Lebensstandard im Landkreis zwar hoch sei. Dennoch können Senioren in „eine finanzielle Notlage geraten“, wenn die Einkünfte gering und die Mieten hoch seien. Unerwartete Ausgaben können so für viele Probleme sorgen. Es gebe, wie überall, Senioren, die das Glück haben, auf der Sonnenseite zu leben und andere, denen es weniger gut gehe. Specht will aufräumen mit dem Thema Bürokratie: „In solchen Situationen möchte ich für diese Menschen Lösungen finden.“ Und das direkt und ohne große Anträge.

In den Topf für Senioren wandern KEINE Steuergelder

Deshalb hat das Amt einen besondern Spendentopf, der bei vielen Bürgern als „Seniorenfonds“ bekannt ist. Bereits seit Jahren gibt es einen ähnlichen Topf aus dem Spendenprojekt „Fördern und Helfen“ für Familien. Weil eben auch Altersarmut in der Region eine Rolle spielt, „haben wir das Projekt auf Senioren ausgeweitet“. Generationenübergreifende Solidarität, sagt Landrat Robert Niedergesäß, sei sehr wichtig. Mit dem Spendentopf bietet der Landkreis eine freiwillige Leistung an, die keinesfalls verpflichtend ist. In den Topf wandert „nur Geld aus Spenden, also keine Steuergelder“, betont Specht. Deshalb habe auch niemand einen rechtlichen Anspruch, etwas zu bekommen. Von Februar bis Oktober sind 5600 Euro aus dem Topf an hilfsbedürftige Senioren geflossen.

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Wer etwas von den Spenden bekommt, könne so nicht pauschal gesagt werden. Senioren (über 65 Jahre) die Unterstützung brauchen, könnten sich direkt im Landratsamt melden. Sie müssen aus dem Landkreis stammen, ihre Situation schildern und einen Einkommensnachweis vorzeigen. Der dürfe eine bestimmte Höhe nicht überschreiten. „Wir entscheiden individuell, ob wir Spenden weitergeben und wofür.“ Das Geld wird dann sofort überwiesen oder in bar ausbezahlt. Es handelt sich um Beträge zwischen ein paar wenigen Euro und einigen hundert Euro – für eine neue Waschmaschine zum Beispiel. Das sei Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir sind keine Moralinstanz“, sagt Specht. Warum jemand arm ist und wenig Rente hat, bewerten Specht und seine Kollegen nicht. Einen Nachweis, wofür der Spendenempfänger das Geld ausgegeben hat, braucht es schon.

Firmen verzichten auf die Weihnachtsfeier

Auch der zentrale Sozialdienst im Landratsamt kann auf einen Fall aufmerksam machen. Zum Beispiel, wenn jemand zu wenig Geld habe und dringende Medikamente bezahlen oder auch beim Essen sehr sparsam sein müsse. „Wir sind dankbar für jeden konkreten Hinweis, denn viele Menschen sind so bescheiden oder haben Scham, sich selber zu melden“, sagt Specht. Tatsächlich geht es bei einigen älteren Menschen auch um Essen. Wenn die Rente sehr klein ist, verzichten einige darauf, um ihre anderen Rechnungen zu bezahlen. Diese Not bleibt oft im Verborgenen. Auffällig sei, sagt Christian Salberg, Leiter der Abteilung Jugend, Familie und Demografie, dass sich diese Menschen häufig zurückziehen. Es fehle an Geld für soziale Aktivitäten. Wenige bekämen davon mit. „Das wollen wir verhindern.“

Denen, die in den Topf spenden, sei wichtig, dass Bürger aus der Region, in der Heimat sozusagen, unterstützt werden. Die Bürger helfen sich gegenseitig. Es gebe einige, die wünschen sich zum Geburtstag nichts außer Spenden für „Fördern und Helfen für Senioren“, sagt Specht. Firmen verzichten auf die Weihnachtsfeier, auf Glühwein und Menüs, und spenden das Geld lieber für Mitbürger. 

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