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Jung und grün: Thomas von Sarn owski (30). Der Ebersberger will für Bündnis 90/ Die Grünen in den Landtag und sich dem Thema Nachhaltigkeit in der Region widmen, Windkraft und Solaranlagen im Landkreis forcieren. 

Landtagskandidat Thomas von Sarnowski aus Ebersberg

Grün – und offen für Rot und Schwarz

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Am Sonntag, 14. Oktober, wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Im Stimmkreis Ebersberg bewerben sich etliche Kandidaten für das Direktmandat, das derzeit Thomas Huber von der CSU inne hat. In einer losen Folge stellen wir einige Kandidaten vor. Heute: Bündnis 90/Die Grünen.

Ebersberg – Thomas von Sarnowski düst mit seinem umgebauten Rennrad, von dem einst der Rahmen gebrochen war, von Ebersberg in Richtung Grafing über die Brücke der B 304. Auch an diesem kühlen und regnerischen Vormittag im August. Mit dem Zug pendelt er von dort nach München zur Arbeit. Bei jeder dieser Radtouren zum Bahnhof blutet sein Herz. Er denkt an früher, an seine Kindheit, an Bäume, Felder und an die Südumfahrung, die Straße, die er viel zu oft überqueren müsse und die seine Heimat zerschnitten habe, wie er sagt, fast melancholisch, auf jeden Fall nachdenklich.

Sarnowski, 30, blaue Windjacke, graue Stoffhose, rote Turnschuhe, seine dunkelblonden Haare sind vom Fahrtwind durchwurschtelt, seine rahmenlose Brille dagegen sitzt perfekt. Er lächelt meistens, so als sei es im ins Gesicht gemalt. Müsste er sich selbst beschreiben, würde er sich Optimist nennen. Und, dass alles gut werde. Und sich alles ergebe, irgendwie. Vielleicht auch ein Sitz im Landtag. Die Chancen, dass ein Grüner aus dem Landkreis Ebersberg, von dem er Spitzenkandidat ist, ins Parlament kommt, sei noch nie so hoch gewesen, sagt er, vielleicht bei 30 Prozent.

Mit der CSU, ja, warum nicht? 

Sein Ziel: Die Grünen in Regierungsverantwortung. Wunschkoalition? „Mit der SPD haben wir die meiste Schnittmenge“, sagt er. Doch auch mit der CSU könne es sich Sarnowski vorstellen. Söder als Ministerpräsidenten zu wählen dagegen eher nicht. Ob er die Spitze in Bayern und damit die Zukunft der CSU bleibe, also Söder, sieht der 30-Jährige eh kritisch. Schafft es Sarnowski in den Landtag, will er sich Anzüge und auf jeden Fall eine richtige in Bayern genähte Lederhose kaufen. Die fehle ihm noch, genauso wie die bayerischen Sprache, obwohl er in Ebersberg geboren wurde.

Er steht auf einem Feldweg kurz vor Wiesam, schaut sich um, sagt: „Eben hier habe ich meine Kindheit verbracht.“ Die Südumgehung, ein „Beton- und Asphaltstreifen“, wie er die Straße nennt, habe damals sein Leben verändert. Auf der Brücke über die Bundesstraße stand er 2005 mit Jürgen Trittin, damals Bundesumweltminister, und demonstrierte gegen die Bausünde.

Als er 15 war, also vor 15 Jahren, ist er deshalb, wegen der Straße, wegen gerodeter Wiesen und Bäume Mitglied der Grünen Jugend im Landkreis geworden, später der Partei.

Thomas von Sarnowski will viel, er ist jung, motiviert, kennt die Politik nicht nur vom Studium in Konstanz. Seit 2016 ist er Geschäftsführer des Bezirksverbandes der Grünen in Oberbayern. War bis Ende 2017 Büroleiter von Ulrike Gote, Landtagsvizepräsidentin, und ist seit Anfang des Jahres wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek in München.

Gegen Flächenfraß, für Bahnstrecken und Radwege

Den Flächenfraß in Ebersberg will Sarnowski reduzieren, nach dem Motto Grün statt Beton – auch wenn es dringend bezahlbare Wohnungen in der Region bräuchte. Mehr Rechte und Wege für Radler will er durchsetzen. Und einen besseren Nahverkehr: Die Bahnstrecke zwischen Ebersberg und Grafing-Bahnhof müsse zweigleisig, die bis Markt Schwaben viergleisig werden. Und er will Windräder im Ebersberger Forst, „wenn das Gutachten keine Bedenken findet“, sagt er. Gegenwind dürfte ihm da sicher sein, wenn es um die Sache, um eine umweltfreundliche Energieversorgung geht, nehme er das aber in Kauf, wahrscheinlich.

Es sind kommunale Dinge, zum Beispiel, dass viel mehr Solaranlagen auf die Häuser im Landkreis sollten.

Thomas von Sarnowski will viel. Seine Ideen sind nicht unrealistisch, nicht abgehoben, nicht bevormundend. Oft werde den Grünen das unterstellt, bevormunden, vieles verbieten zu wollen.

Sarnowski will, dass jeder selber entscheidet, was er isst, nicht auf Biegen und Brechen Fleischkonsum einschränken, auch wenn das Klima darunter leide. „Das entscheidet bitte noch jeder selber, was er auf dem Teller hat“, sagt er. Sarnowski isst gerne Fleisch, wenn auch nicht jeden Tag und nur aus guter Tierhaltung. Der Geruch eines guten Schweinebratens erinnere ihn „unglaublich an seine Kindheit“. Wie vieles im Leben des 30-Jährigen.

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