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Auf Tuchfühlung ist Bäuerin Anna Schechner mit ihren neugierigen, tiefschwarzen Angusrindern. Derzeit sind die Tiere auf dem „Steindlhof“ noch im Freiluftstall, sobald es wärmer wird, dürfen sie auch raus auf die Weide.

Direktvermarktung als Schlüssel zum Erfolg

Landwirte verkaufen ab Hof: Überleben in der Marktnische

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Immer mehr Landwirte schaffen sich mit einem Hofladen ein zusätzliches Standbein. Das birgt Chancen, aber auch Risiken. Anna Schechner und ihre Familie trauen sich eine große Investition in einen kleinen Betrieb.

Ebersberg – Mit einem leisen Schnauben schiebt das Angusrind seinen tiefschwarzen Kopf durch das Gitter und schnuppert an der ausgestreckten Hand von Anna Schechner. Die zierliche Bäuerin mit Kurzhaarschnitt und wachem Blick streichelt sanft die Schnauze des Tiers. „Das sind unsere Lieferanten“, sagt die 31-Jährige und lächelt. Schechner und ihr Mann Florian (30) bauen derzeit ihren Bauernhof in Sigersdorf bei Ebersberg aus. Der „Steindlhof“ mit rund 80 Rindern ist ein reiner Direktvermarktungsbetrieb – die Kunden kaufen Fleisch und Wurst also direkt vor Ort.

Die Hofstelle um den Mutterkuhstall ist zur Zeit vor allem eine große Baustelle: Arbeiter werkeln am Rohbau des neuen Ladens, in dem Anna Schechner den Direktverkauf, den ihre Schwiegereltern vor gut 15 Jahren angefangen haben, weiterführen will. Das notwendige Fachwissen hat sie sich über eine Qualifizierung des bayerischen Landwirtschaftsministeriums geholt. Dafür hat Schechner mit einem Kurs Direktvermarktungsbetriebe in ganz Bayern besucht und sich Tipps geholt zu Themen wie Marketing, Rechtsthemen oder Qualitätssicherung. Es hat auch ihre Nerven beruhigt, Höfe zu sehen, die sich bei der Direktvermarktung etwas getraut haben – und damit erfolgreich sind. Schließlich ist die Investition in den Hof ein finanzielles Risiko. „Wir haben auch schlaflose Nächte“, gesteht die Bäuerin. Doch sie und ihre Familie glauben an ihren Betrieb. Und wollen sich weiter verbessern. Gestern verlieh Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) Anna Schechner und gut 20 weiteren Kursteilnehmern ihre Qualifizierungsurkunde.

Urkunde hin oder her – reich werden die Schechners mit ihren Angusrindern nicht, sie schlachten nur rund zehn Tiere im Jahr. „Der Hof ist ein Nebenerwerb“, betont die Landwirtin. Darum ist der Laden auch nur zu einzelnen Verkaufstagen am Wochenende geöffnet. Schechner hat eine Teilzeitstelle im Landratsamt, ihr Mann ist Bauplaner. Und da sind noch die Kinder Quirin (4) und Antonia (2). Damit die Arbeit nicht zuviel wird, helfen die Schwiegereltern, wo es geht. „Wir müssen zusammenhalten, damit das hinhaut“, sagt Schechner.

Den bequemen Weg gehen und die Landwirtschaft einfach bleiben lassen, das kommt für die Schechners aber nicht in Frage. „Die Arbeit mit den Tieren bedeutet uns viel“, sagt Anna Schechner ernst. „Wir wollen, dass der Hof weiterläuft.“ Sie steht nun im Rohbau des Hofladens, vor ihrem inneren Auge sieht sie schon die Regale und Theken. Im September ist die Eröffnung geplant. „Da kommt die Kühlanlage hin“, erklärt sie mit einem Fingerzeig. An den Laden wird ein Zerlegeraum angrenzen – geschlachtet wird bei einem Metzger in der Region.

Draußen auf dem Hof picken und scharren gut zwei Dutzend Hühner in einem Freilaufgehege. Ihre Eier wird es auch in dem Hofladen geben. Damit das Angebot nicht zu spartanisch ausfällt, holen sich die Schechners außerdem andere Landwirte aus der Region als Zulieferer beispielsweise für Kartoffeln oder Öle mit ins Boot. Die Hofläden wollen keine Konkurrenz untereinander, „lieber zusammenhelfen“, betont Schechner. „Jeder muss sich seine Nische suchen, dann funktioniert es.“ Auf dem Steindlhof hoffen sie, ihre Nische mit den Angusrindern über den neuen Hofladen ausbauen zu können. Inzwischen können die Kunden das Fleisch auch stückgenau im Internet vorbestellen. Als Anna und Florian Schechner den Hof vor zwei Jahren übernahmen, war ihnen klar: Angesichts des Wandels in der Landwirtschaft ist Stillstand keine Option.

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