Zwei Stunden lang ununterbrochen gefragt: Liam Klages (20), Leiter des Impfzentrums Ebersberg, am EZ-Lesertelefon.
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Zwei Stunden lang ununterbrochen gefragt: Liam Klages (20), Leiter des Impfzentrums Ebersberg, am EZ-Lesertelefon.

Wer wann drankommt

Lesertelefon: Der kurze Draht ins Impfzentrum - Alle Fragen, alle Antworten zur Corona-Impfung

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Wann bin ich mit der Corona-Impfung an der Reihe? Diese Frage hat die Anrufer am Lesertelefon der Ebersberger Zeitung am meisten bewegt. Impfzentrums-Chef Liam Klages konnte nicht nur da für mehr Klarheit sorgen.

Ebersberg – Komplizierte Anmeldung, langes Warten auf einen Termin, Sorge wegen der Wirksamkeit: Es sind viele Fragen offen, was die Impfkampagne gegen das Coronavirus angeht – auch im Landkreis Ebersberg. Enorm war daher die Resonanz auf das Lesertelefon der Ebersberger Zeitung mit dem Chef des Impfzentrums, Liam Klages - 1861 Anrufe zählte das Telefonsystem der Redaktion am Mittwochnachmittag. Für viele hat dieser Andrang bedeutet, dass sie nicht durchgekommen sind. Darum, und für alle anderen interessierten Leser, haben wir die häufigsten Fragen und Antworten hier zusammengefasst.

Registrierung im bayerischen Impfportal: Funktioniert das mit der automatischen Einladung überhaupt?

- Ich bin seit Wochen beim Impfportal registriert und habe seitdem nichts mehr gehört. Komme ich überhaupt noch dran?

Wenn Sie sich über das Online-Portal www.impfzentren.bayern oder die Telefonhotline (0 80 92) 86 31 40 angemeldet haben, kontaktieren wir Sie. Im ersten Fall per E-Mail und SMS, im zweiten Fall per Telefon. Falls ein Angehöriger Sie angemeldet hat, wird dieser informiert, sobald Termine zur Auswahl stehen.

- Und das funktioniert? Ich habe Angst, dass mich das System vergisst.

Die Vergabe funktioniert mittlerweile gut und fair. Alle Anrufer, die angegeben haben, registriert zu sein, konnten in der Impfdatenbank auch gefunden werden. Die Registrierung hatte also bei allen, die wir überprüfen konnten, funktioniert. Wer sich unsicher ist, kann seinen Registrierungsstatus über das Online-Portal einsehen oder an der Hotline erfragen. Nach einer erfolgreichen Anmeldung ist kein weiteres Nachhaken mehr nötig. Wir kontaktieren Sie, sobald Termine verfügbar sind, versprochen.

- Was passiert, wenn ich die Impf-Einladung verpasst habe oder aus medizinischen Gründen nicht annehmen kann, beispielsweise wegen einer akuten Antibiotika-Behandlung? Ich mache mir Sorgen, dass ich dann ganz am Ende der Liste lande.

Keine Sorge. Sobald Sie eingeladen sind, haben Sie jederzeit die Möglichkeit, einen Termin auszumachen. Diese Einladung verfällt nicht. Bewahren Sie die E-Mail einfach auf, bis Sie einen Termin vereinbaren können. Diejenigen, die sich telefonisch angemeldet haben, kontaktieren wir mehrfach. Sie können also beruhigt auch mal außer Haus gehen.

- Was ist, wenn ich an dem mir zugeteilten Termin keine Zeit habe?

Sie bekommen immer mehrere Termine zur Auswahl. Und die Einladung verfällt nicht.

Alter, Vorerkrankungen, Risikofaktoren: Wann bin ich mit der Corona-Impfung dran?

- Ich bin über 80 Jahre alt und kenne viele, die schon geimpft sind. Wann bin ich dran?

Kurze Antwort: spätestens Ende März! – Lange Antwort: Das Problem ist leider immer noch der knappe Impfstoff. Bisher konnten wir rund 5000 Menschen aus dem Landkreis Ebersberg impfen, die zur 1. Prioritätsstufe gehören. Es gibt rund 10.000 Über-80-Jährige im Landkreis Ebersberg. Wir rechnen damit, dass jeder aus dieser Gruppe kommenden Monat ein Impfangebot bekommt.

- Ich bin über 80 und habe deswegen ein Schreiben aus dem Landratsamt bekommen. Habe ich damit einen Impftermin?

Nein, das Info-Schreiben aus dem Landratsamt ist keine Terminbestätigung! Sie müssen sich registrieren. Das geht per Telefon oder online, auch ein Angehöriger oder Bekannter kann das für Sie übernehmen – auf einer E-Mail-Adresse können bis zu fünf Menschen angemeldet werden. Und wir legen demnächst Postkarten aus, beispielsweise in Apotheken oder Arztpraxen. Wenn Sie die einschicken, rufen wir Sie wegen eines Termins an.

- Ich bin weit unter 80. Bringt es in meine Alter überhaupt was, wenn ich mich jetzt schon anmelde?

Sie sollten sich auf jeden Fall schnellstmöglich registrieren, egal wie alt Sie sind! Manchmal ändern sich die Verhältnisse oder Regeln kurzfristig. Beispielsweise, wenn ein neuer Impfstoff zugelassen wird. Wie der von Astrazeneca. Er kann nur an Menschen jünger als 65 Jahre verimpft werden. Entsprechend gibt es auch Termine für Jüngere, die Risikofaktoren nachweisen können.

Lesertelefon der Ebersberger Zeitung mit dem Leiter vom Impfzentrum: Sorgen wegen Astrazeneca-Impfstoff

- Der Astrazeneca-Impfstoff wirkt nur zu 70 Prozent. Was bedeutet das?

Das bedeutet laut den Erfahrungen der Mediziner, dass der Impfstoff Ihr individuelles Risiko um 70 Prozent senkt, dass Sie überhaupt Symptome von Covid-19 entwickeln – im Vergleich zu Ihrem ungeimpften Immunsystem. Als Erkrankung gilt da aber schon ein Husten. Das Risiko, schwerer zu erkranken oder gar zu versterben, ist noch deutlich geringer. Der Impfstoff wirkt also – und die Nebenwirkungen, die vor allem Jüngere spüren, klingen nach unserer Erfahrung nach 24, spätestens nach 48 Stunden alle ab.

- Ich bin älter als 65 Jahre, würde mich den Astrazeneca-Impfstoff aber trotzdem trauen. Geht das?

Den Astrazeneca-Impfstoff dürfen wir Menschen älter als 65 leider nicht verabreichen. Dafür ist er nicht zugelassen.

- Ich bin älter als 70, gehöre also zur 2. Risikogruppe. Wann komme ich dran?

Wir rechnen damit, dass im Landkreis Ebersberg bis Ende April genug Impfstoff da ist, um jedem aus der 2. Risikogruppe ein Impfangebot machen zu können.

Unter 80 Jahre alt? Wer kommt als Nächstes mit der Corona-Impfung an die Reihe?

- Ich habe schwere Vorerkrankungen. Komme ich früher dran?

Entscheidend ist in erster Linie Ihr Alter. Nur schwere Behinderungen oder Krankheiten wie eine akute, behandlungsbedürftige Krebsbehandlung sind ein Grund für eine Höherstufung in die 2. Priorität. Die Impfverordnung ist da sehr hart, damit sind uns leider die Hände gebunden. Innerhalb Ihrer Prioritätsstufe können Sie aber früher einen Termin bekommen, wenn Sie Vorerkrankungen angeben – und diese auch nachweisen können.

- Ich bin über 65, kann also den Astrazeneca nicht bekommen. Aber ich bin auch unter 70 und damit nicht Teil der Prioritätsstufe 2. Wie lange muss ich noch warten?

Leider fallen Sie in eine Gruppe, für die es nach derzeitigem Stand wohl bis Mitte des Jahres dauern wird. Das bedauern wir sehr, aber die Impfverordnung lässt uns da keinen Spielraum.

Terminvergabe per Algorithmus: Wie funktioniert das? Ist das fair?

- Wer entscheidet, wer wann einen Termin bekommt?

Die Computersoftware BayIMCO des Freistaats. Sie berechnet anhand Ihrer Angaben einen „Score“, einen Vergleichswert. Anhand von diesem Wert werden die Einladungen priorisiert – bei gleichem Score entscheidet unserer Kenntnis nach der Zufall. Das Anmeldedatum spielt übrigens dabei keine Rolle – wer sich früher registriert hat, kommt nicht automatisch früher dran.

- Kann ich meinen Score erfahren? Oder auf welchem Platz der Warteliste ich stehe?

Nein, das wissen auch wir nicht, den Score kennt nur der Computer.

- Muss ich mich, wenn ich per Telefon registriert bin, auch online anmelden?

Nein, einmal anmelden reicht.

- Kommen Leute, die sich übers Telefon angemeldet haben, schneller dran?

Wer landet wo auf der Impf-Anmeldeliste? Und wie komme ich früher dran?

Nein. Unsere Callcenter-Mitarbeiter machen nichts anderes als das, was Sie auch online machen können: Sie in die Datenbank von BayIMCO aufzunehmen. Alle Impfwilligen landen auf derselben Liste, in derselben Datenbank, damit die Terminvergabe fair geschieht.

- Ich wäre gerne in der 1. Maiwoche vollständig geimpft. Können Sie da nicht was machen?

Nein. Auf die Einladungen haben wir keinen Einfluss, das entscheidet die Software des Freistaates Bayern.

- Anderswo werden Politiker geimpft.

Bei uns nicht, bevor sie nicht dran sind, dafür sorgen wir. Wenn doch mal Impfstoff übrig bleibt, haben wir eine Nachrückerliste mit Personen der 1. Priorität. Der Landrat steht da nicht drauf.

- Nun sollen Lehrkräfte und Kindergartenpersonal bevorzugt geimpft werden. Müssen die Älteren nun länger warten?

Diese Gruppen können bevorzugt mit dem Astrazeneca-Impfstoff versorgt werden. Den können Personen über 65 ohnehin nicht bekommen, da gibt es also keine „Konkurrenz“.

Astrazeneca oder doch lieber Biontech/Pfizer: Kann ich mir den Corona-Impfstoff aussuchen?

- Kann ich mir den Impfstoff aussuchen?

Nein. Welchen Impfstoff wir verimpfen, hängt davon ab, was gerade lieferbar ist. Alle Impfstoffe sind wirksam und werden insgesamt gut vertragen.

- Wir sind ein Ehepaar. Können wir gemeinsam geimpft werden?

Leider berücksichtigt das die Computersoftware nicht. Sie müssen getrennt einen Termin vereinbaren, auch wenn Sie zur selben Risiko- oder Altersgruppe gehören.

- Brauche ich vor der Impfung einen Coronatest?

Nein, aber es schadet nicht.

- Wo kann ich überall geimpft werden?

Bislang nur im Impfzentrum Ebersberg und über die mobilen Teams, falls Sie zur 1. Priorität zählen und das Haus nicht verlassen können. Wir möchten Anfang April zudem eine Außenstelle in Poing in Betrieb nehmen. Bis die Hausarztpraxen mitimpfen dürfen, wird es leider noch dauern.

Medikamente, Prothesen: Was muss ich beachten?

- Ich habe gehört, dass Herzpatienten, die den Blutverdünner Marcumar nehmen, nicht geimpft werden. Stimmt das?

Nein. In Einzelfällen kann es sein, dass der Arzt im Impfzentrum aber vor der Impfung eine Rücksprache mit dem Hausarzt empfiehlt.

- Ich habe eine Schulterprothese, die weit in den Oberarm reicht. Kann ich geimpft werden?

Ja, sicherheitshalber und nach individueller Entscheidung des Arztes vermutlich in den anderen Arm. Ansonsten kann die Impfung auch in den Oberschenkel oder den Gesäßmuskel gespritzt werden – es findet sich schon eine geeignete Stelle.

So funktioniert der Impf-Nachweis - und so strikt sind die Regeln

- In meinem Impfpass klebt seit der Impfung ein Zettel mit der Aufschrift „Comirnaty“. Was bedeutet das?

„Comirnaty“ ist die Handelsbezeichnung für den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Das bedeutet, dass Sie mit diesem geimpft wurden.

- Ich hatte Corona. Werde ich trotzdem geimpft? Und falls nicht: Wie kann ich nachweisen, dass ich immun bin?

Unsere Vorgabe besagt, dass Sie frühestens ein halbes Jahr nach der Erkrankung geimpft werden sollen. Immun sind Sie – auch wenn Sie keine Symptome hatten – wahrscheinlich sogar sehr viel länger. Eine Untersuchung der Antikörper beim Hausarzt bringt da Klarheit. Dieser Test weist auch nach, dass Sie immun sind.

- Ich habe meine Schwester, Rollstuhlfahrerin, zum Impfzentrum gefahren. Dort stellte sich heraus, dass sie wegen eines Medikaments nicht geimpft werden konnte. Selber bin ich auch fast 80 und habe den Impfstoff schon vor mir auf dem Tisch liegen sehen. Warum hat die Ärztin keine Ausnahme gemacht?

Ich kann Ihren Ärger voll und ganz verstehen, allerdings hat die Ärztin alles richtig gemacht. Wir halten uns streng an die Impfverordnung, damit die Impfung für alle fair abläuft – auch wenn das in einzelnen Fällen manchmal hart erscheint.

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