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Bügermeister Walter Brilmayer bedankte sich bei Rosemarie Will für die Zusammenarbeit im Stadtrat. 

Rosemarie Will zieht nach Berchtesgaden

Nach 39 Jahren: Grünen-Stadträtin verlässt Ebersberg

Mit Feuereifer hat Rosemarie Will als Ebersberger Grünen-Stadträtin in den vergangenen Jahren für mehr Wohnraum für die Jungen gekämpft. Jetzt macht sie selber Platz und verkauft ihr großes Haus an eine junge Familie. Nach 39 Jahren kehrt sie Ebersberg den Rücken und geht mit ihrem Mann an ihren Geburtsort Berchtesgaden zurück. Damit enden 18 Jahre als Stadträtin.

Ebersberg – „Wir verkleinern uns, ziehen in eine Wohnung“, erzählt die Mutter dreier erwachsener Söhne. „Wir machen das natürlich nicht nur aus sozialem Engagement heraus“, schiebt sie hinterher, „aber es ist grundsätzlich absolut nicht sinnvoll, dass ältere Leute in ihren großen, leeren Häusern sitzen bleiben und wir auf der anderen Seite in Baugebieten wie Friedenseiche VIII möglichst eng bauen, damit viele Platz finden.“

Die 66-Jährige hatte in den Stadtratssitzungen immer wieder deutliche Worte für den sozialen Auftrag beim Schaffen von Wohnraum in Ebersberg gefunden. Mindestens genauso deutlich, aber stets sachlich, vertrat sie über die Jahre ihre Positionen für den Schutz der Umwelt. Vehement rang sie um die Abkehr von Glyphosat in der Landwirtschaft, setzte sich für das Waldmuseum ein und hob immer wieder den mahnenden Zeigefinger gegen große Flächenversiegelung.

„Typisch grün“, sagt sie selbst über sich und lacht. Will ist eine Grüne der ersten Stunde. Parteimitglied ist sie seit 1989, die Grünen in Ebersberg hat sie mitbegründet. Im Februar 1994 war sie das erste Mal in den Stadtrat gewählt worden, dem sie in der folgenden Zeit mit Unterbrechung insgesamt 18 Jahre angehörte – bis vergangenen Dienstag. Da hat Will ein letztes Mal ihre Stimme als Stadträtin erhoben: „Sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine lieben Kolleginnen und Kollegen – ich muss das auskosten, ich sag’s zum letzten Mal.“ Schweren Herzens habe sie sich entschlossen, ihren letzten Lebensabschnitt in der alten Heimat Berchtesgaden zu verbringen, nahe der Berge, die sie und ihr Mann so sehr lieben. Aus Ebersberg nimmt sie viele gute Erinnerungen mit. „Es ist toll, mit Kindern hier zu leben“, sagt sie und lobt die Infrastruktur, die Größe und das Miteinander. Klar habe es in den vielen Jahren im Stadtrat auch anstrengende Phasen gegeben. „Wenn ich zum Beispiel daran denke, wie lange wir Grünen an der Südumfahrung herumgedoktert haben“, erzählt Will, die Mitglied im Umwelt-, Sozial- und Kulturausschuss, Finanz- und Verwaltungsausschuss und Rechnungsprüfungsausschuss war. Aber insgesamt seien die Sitzungen im Ebersberger Rathaus von Harmonie geprägt gewesen: „Es gab nicht wahnsinnig viele Kontroversen. Das Klima mit den anderen Fraktionen war angenehm. Das ist jetzt keine Phrase, das meine ich wirklich so. Ich habe mich sehr wohlgefühlt!“

Wie sich Politik in Berchtesgaden anfühlt, wird sie bald ebenfalls wissen. Sie hat bereits angekündigt, an ihrem neuen Wohnort ihre politische Arbeit fortzuführen. In Ebersberg hat Petra Behounek als Listennachfolgerin Wills Amt als Grünen-Stadträtin übernommen. Die 52-jährige ist Inhaberin der Spielwarenhandlung „Drachenstube“.

Uta Künkler

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