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Die Eingangshalle des Sparkassengebäudes in Ebersberg, das der Landkreis gekauft hat, um darin einen Teil der Kreisverwaltung unterzubringen. Die Kostenexplosion bei der Sanierung des Gebäudes erhitzt die Gemüter. 

Nach öffentlicher Kritik

Jetzt will Landrat Niedergesäß Sparkassengebäude am liebsten verkaufen

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Die öffentliche Debatte um die Kostenexplosion beim Ebersberger Sparkassen-Deal hat Landrat Robert Niedergesäß am Freitag zu einer persönlichen Erklärung veranlasst. „Wenn ich den Aufwand zur Ertüchtigung des Gebäudes am Anfang hätte absehen können, hätte ich dem Kreistag niemals den Kauf empfohlen“, sagte Niedergesäß.

Ebersberg – Der Landkreis hatte die Immobilie 2017 von der Kreissparkasse für 12,1 Millionen Euro erworben, um Teile der Verwaltung dorthin auszulagern. Der anfangs angegebene Aufwand für Umbau und Sanierung wurde mit 3,3 Millionen Euro angegeben. Mittlerweile ist von über elf Millionen Euro die Rede, was in weiten Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis und Zorn stößt. Begründet wird der erhöhte Sanierungsaufwand auch damit, dass künstliche Mineralfaserdämmung in Decken und Wänden gefunden worden sei, die nun entfernt werden müsse. Zudem habe die Kreissparkasse Teile des Gebäudes abweichend zur Baugenehmigung errichtet, was nun große Investitionen in den Brandschutz erfordere.

Besonders sauer ist der Landrat eigenen Angaben zufolge auf die externe Voruntersuchung zur Umnutzung des Gebäudes aus dem Juli 2016, die Entscheidungsgrundlage für den Erwerb der Immobile gewesen sei. Darin wurde von einem kurzfristigen Kostenrahmen von 3.32 Millionen Euro gesprochen und einem mittelfristigen Bedarf von 2.6 Millionen, also insgesamt rund rund sechs Millionen Euro – „ein eher niedriger Betrag im Vergleich zu dem, was wir heute wissen“, so der Landrat. Dem Gebäude wurde darin ein insgesamt guter Zustand attestiert. Es habe keinerlei Warnzeichen gegeben, die die jetzt bekannte Entwicklung auch nur im Ansatz angedeutet hätten. „Als politischer Entscheidungsträger muss man sich auf Sachverständige verlassen können, insbesondere, wenn sie bereits in der Vergangenheit gut mit den Fachleuten in der Verwaltung zusammengearbeitet haben.“

In der Aufarbeitung der Vorgänge ist für den Landrat Transparenz das oberste Gebot, heißt es aus der Kreisbehörde. „Wir werden alle Fragen ausführlich, in Ruhe und sachlich beantworten und die offenen Punkte in alle Richtungen intensiv prüfen. Dass der Bund der Steuerzahler sich hier zu Wort meldet, ist aufgrund der öffentlichen Diskussion nachvollziehbar.“

Im Moment seien alle Optionen offen und würden geprüft: Von der Weiterführung der geplanten Sanierung, einem Abriss mit Neubau, der Rückabwicklung des Kaufvertrags bis hin zum Verkauf der Immobilie auf dem freien Markt, bei dem der Landkreis angesichts des Grundstückswertes sogar einen ordentlichen Gewinn erwirtschaften könnte. „Persönlich bevorzuge ich aktuell sogar die letztere Variante. Ob es allerdings langfristig sinnvoll ist, ein Grundstück in dieser Lage zu verkaufen und wie wir dann den dringend nötigen Raumbedarf für unsere Mitarbeiter zeitnah lösen können, diese Fragen müssen wir auch in der Gesamtabwägung prüfen. Eines bleibt aber auch festzuhalten: Der Kauf der Immobile war zu diesem günstigen Preis jedenfalls wirtschaftlich sinnvoll“, erklärt Landrat Niedergesäß.

Die SPD hat unterdessen eine „vollständige Aufklärung des Sachverhalts“ und „komplette Akteneinsicht für die Fraktionen“ gefordert. Zudem pocht Albert Hingerl, Sprecher der Kreisstagsfraktion, auf Gespräche mit dem Vorstand der Kreissparkasse über „eine Beteiligung an den Mehrkosten oder eine Rückabwicklung des Kaufes. „Nach Aussage des Landratsamts hätten die notwendigen Untersuchungen erst nach dem Kauf und Übergabe des Gebäudes stattfinden können. Somit hätte man auch die jetzt bekannten Schäden auch erst jetzt definieren können. Eine in jeder Hinsicht unzureichende Antwort, wie wir meinen, zumal ausführliche Unterlagen aus der Bauzeit vorhanden sein müssen“, sagt Hingerl, der fordert, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen.

Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg ist nach Angaben von Vorstand Peter Waßmann nicht bereit, sich an den Sanierungskosten zu beteiligen. „Nach unserer Auffassung haben wir keine sanierungsbedürftige Immobilie verkauft, insofern gibt es dazu keine Notwendigkeit“, sagte der Banker am Freitag zur EZ. Die kritisierte Mineralfaserdämmung sei zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes Stand der Technik gewesen“. Zu den angeblich nicht genehmigten Umbauten im Gebäude, führt Waßmann aus: „Wir gehen Stand heute davon aus, dass die Immobilie gemäß der Baugenehmigung errichtet worden ist. Im Laufe der Nutzung hat es kleinere Änderungen gegeben, die nicht der ursprünglichen Genehmigung entsprechen bzw. sind notwendige Kennzeichnungen von Materialien eventuell nicht vorhanden, an denen man eine Baugenehmigungs-Konformität unmittelbar erkennen könnte. Eine zeitnahe Sachverhaltsklärung mit dem Landratsamt zum Faktenabgleich ist geplant.“

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