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Nach dem Wasserschaden im Jugendstadion

TSV Ebersberg sieht schon die Abrissbirne

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Was macht ein Sportverein ohne Trainingsstätte? Er schaut mit dem Ofenrohr ins Gebirge. In dieser Situation befindet sich der TSV Ebersberg, seit vor einigen Tagen der Umkleidetrakt unter der alten Holztribüne am Jugendstadion „abgesoffen“ und der Platz seitdem gesperrt ist.

TSV-Vorsitzender und CSU-Stadtrat Martin Schedo berichtete im Technischen Ausschuss am Dienstagabend von der dramatischen Situation des Vereins, nachdem er die Vorkommnisse geschildert hatte. Wohl wegen eines defekten Drückers an einem Pissoir hatten sich etwa 430 Kubikmeter Wasser in den Gebäudetrakt ergossen und die Umkleidekabinen geflutet. Schadenhöhe allein am „beweglichen Inventar“ laut Schedo: stolze 26 000 Euro.

Am Mittwoch fand dann ein Ortstermin des Bauamts mit dem Grafinger Statiker Thomas Westphal statt. Es galt die Frage zu klären, wie es nach dem Wasserschaden um die Standfestigkeit des gesamten Gebäudes bestellt ist. Das müsse in Ruhe geprüft werden und werde einige Zeit in Anspruch nehmen, hatte Bürgermeister Walter Brilmayer in der Sitzung am Abend zuvor die Marschrichtung vorgegeben und somit gleichzeitig schnellen Entscheidungen eine Absage erteilt. Doch für den Verein muss eine Lösung her.

„Bestenfalls Betonsteine“

Nach dem Ortstermin sagte Statiker Westphal der Ebersberger Zeitung bis Ende nächster Woche könne er erste Ergebnisse der Untersuchung des rund 60 Jahren alten Gebäudes liefern, nachdem am Mittwoch Probebohrungen unternommen worden waren, um die Substanz zu untersuchen. „Bestenfalls Betonsteine“ seien hier einst verbaut worden, von Stahlbeton keine Spur, so der Experte.

TSV-Chef Martin Schedo, sagte nach dem Termin ernüchtert: „Ohne der Expertise vorausgreifen zu wollen, gehen wir vom Schlimmsten, nämlich vom Abriss des Gebäudes aus.“ Das Gebäude werde niemals so trocken gelegt werden können, dass es aus hygienischen Gesichtspunkten verantwortbar wäre, Kinder dort umziehen oder duschen zu lassen. „Wir brauchen auf jeden Fall die Hilfe der Stadt. Punkt.“

Pachtvertrag läuft noch bis 2019

Wie eine Lösung für den TSV Ebersberg aussehen könnte, darüber diskutierte der Technische Ausschuss nur kurz. Es zeichnete sich aber ab, dass die Stadt kaum bereit sein wird, in einen eventuell notwendig werdenden Neubau zu investieren. Der Grund liegt auf der Hand. Die Kommune ist nicht Eigentümer des Grundstücks, das ist die Ebersberger Besitzgemeinschaft Otter/Beffa. Der aktuelle Pachtvertrag läuft bis zum Jahr 2019 und verlängert sich danach jeweils um ein Jahr. Um dem Verein schnelle Hilfe angedeihen zu lassen, wurde eine Containerlösung vorgeschlagen, damit man den Jugendmannschaften möglichst schnell provisorische Umkleidekabinen zur Verfügung stellen kann.

„Einen Teil der Kosten können wir durch sehr viel ehrenamtliche Arbeit abrechnen“, sagte Schedo am Mittwoch. Sowohl bei den Abrisskosten als auch bei der Anschaffung der Containereinheiten „schauen wir, dass wir die Kosten sehr niedrig halten. Bei einem normalen, gebrauchten Container muss man aber mindestens mit 2000 Euro rechnen, bei einer Sanitäreinheit mit zwei, drei Duschen mit noch mehr.“

Seit Jahren auf der Suche

Elisabeth Platzer (SPD) mahnte in der Ausschusssitzung an, die derzeitige Misere zum Anlass zu nehmen, trotz aller anderer Aufgaben der Stadt das Projekt Waldsportpark endlich anzupacken und hier zusätzliche Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. „Es muss ja nicht gleich der ganz große Umbau sein“, meinte sie.

Seit Jahren ist die Stadt auf der Suche nach Trainingsfeldern für die Fußballjugend des TSV Ebersberg. Vor Jahren hatte sie Standortgutachten in Auftrag gegeben und deren Ergebnisse im Stadtrat stundenlang behandelt. Ergebnis: null. Die Verhandlungen scheiterten an den jeweiligen Grundstückseigentümern.

Platzer schlug dem TSV Ebersberg zudem vor, über Spendenaktionen nachzudenken, um dem Verein aus der auch wirtschaftlich prekären Lage zu helfen. „Ich denke schon, dass viele Eltern, deren Kinder hier Fußball spielen, bereit wären, einen Beitrag zu leisten“, sagte sie

Mitarbeit: Julian Betzl

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