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Es ging um Kleber in einem Autoschloss. Dafür muss ein Rentner 1200 Euro an eine gemeinnützige Organisation bezahlen, verfügte das Amtsgericht.

Nachbarschaftsstreit wird vor Amtsgericht Eberberg verhandelt - Rentner (74) muss zahlen

Kleber im Türschloss

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Die Geschädigte musste mit zugeklebtem Türschloss nach Polen fahren. Sie sprach von „Ausländermobbing“.

Zorneding – Streit unter Nachbarn, jede Menge Vorwürfe und aufgeregte Akteure vor Gericht. Das kennt man aus Serien wie „Das Jugendgericht“ im Fernsehen. Das gab es jetzt aber auch im Amtsgericht in Ebersberg. Auslöser: Rentner Franz K. (74, Namen von der Redaktion geändert) aus Zorneding soll an einem Sonntag im Juni Kleber in das Schloss des geparkten Autos einer Nachbarin (40) gespritzt haben.

Der Mann erhielt deshalb einen Strafbefehl wegen Sachbeschädigung über 750 Euro, gegen den er sich zur Wehr setzte. Deshalb landete der Fall nun vor Gericht.

Ein Nachbarschaftsstreit in Sachsenkam (Lkr. Bad Tölz) ist am Mittwoch eskaliert. Ein Mann leitete Motorabgase in die Toilette seines Nachbarn.

Die Eigentümerin des Autos hatte laut Anwalt des Rentners keine Anzeige erstattet, wohl aber ihr Freund (38), der auch die Polizei damals verständigt hatte. Der Freund fühlte sich von dem Beschuldigten verfolgt. Der Rentner habe ihm aufgelauert, habe ihn provoziert, erklärte der Zeuge.

Der Beschuldigte schüttelte bei den Vorwürfen gegen ihn immer wieder den Kopf. Der Anwalt des Angeklagten machte aber etwas ganz anders zum Thema. Dabei ging es um den Hund des Zeugen, über den sich der Rentner beschwert habe. Und das sei auch der Anlass, weshalb der Beschuldigte vom Zeugen angezeigt worden sei, so das Argument.

Vor Gericht sagte der 38-Jährige aus, er habe den Rentner an jenem Sonntag am Auto seiner Freundin gesehen. Auch von einem Video war die Rede, das jedoch in der Verhandlung nicht vorgeführt wurde. Richterin Vera Hörauf versuchte, mit Modellautos am Richtertisch die Situation nachzustellen und zusammen mit den Beteiligten den Vorfall zu klären – was aber nicht ganz gelang. Die Betroffene selbst, die derzeit nach ihren Angaben in Polen lebt, erklärte, sie hätte Angst vor dem Rentner. Dieser betriebe „Nachbarmobbing, Ausländermobbing“. Franz K. hätte unter anderem Post aus dem Briefkasten der Familie genommen. „Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht“, so die Frau. Er sei auch der Grund, „warum ich nach Polen gegangen bin“. Ihr sei es peinlich, dass an dem Sonntag die Polizei habe kommen müssen.

Seit dem Vorfall mit dem Kleber hat die Zeugin eigener Auskunft nach nicht mehr versucht, den Schlüssel in das Schloss des Wagens zu stecken. Ihr Freund habe probiert, das Schloss sauber zu machen. Die Rede war aber von einer Zentralverriegelung für das Fahrzeug. Der Rechtsanwalt des Rentners bezweifelte, ob überhaupt eine Sachbeschädigung vorliege. Schließlich sei die Frau mit dem Auto auch nach Polen gefahren.

Letztendlich wurde das Verfahren eingestellt. Der Rentner muss jedoch 1200 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen, was er nach Rücksprache mit seinem Anwalt akzeptierte.

Zu einem kuriosen Streit um einen Parkplatz kam es in der Nähe von Aschaffenburg. Die zwei Nachbarn stritten sich - bewaffnet mit einem Apfel und einem Elektroschocker.

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