Ein Mann und eine Frau in einem Wartehäuschen.
+
Klaus Erika Dietl und Stephanie Müller geben sich diese Woche noch dreimal die Ehre im Wartehäuschen.

Arkadien-Festival

Nächster Halt: Kunst - Musik, Kino und mehr im Buswartehäuschen am Bahnhof Ebersberg

  • Armin Rösl
    VonArmin Rösl
    schließen

Kunst im Buswartehäuschen: Das präsentiert diese Woche in Ebersberg das Duo „Mediendienst Leistungshölle“. Musik, Kino und mehr im Wartehäuschen am S-Bahnhof.

Ebersberg – Vor dem Ebersberger S-Bahnhof steht ein Linienbus. Deren Fahrerin macht gerade Pause und muss schmunzeln, denn an der Bushaltestelle vor ihr haben sich zwei Künstler eingenistet. Ein bebilderter Vorhang verdeckt die Hälfte des Wartehäuschens. Eine Collage ist darauf zu sehen, Gesichter, Skizzen, ein Farbenspiel. Ein paar Kostüme hängen daneben. Dahinter bauen Klaus Erika Dietl und Stephanie Müller aus München, die sich „Mediendienst Leistungshölle“ nennen, ihre Utensilien auf: einen kleinen Verstärker mit Mikrofon, der batteriebetrieben ist, und ein zu einer Art Gitarre umfunktioniertes Skateboard. Dann zieht Klaus Erika Dietl den Vorhang nach hinten. Bühne frei. Was jetzt kommt, ist ausgefallen: Dietl und Müller improvisieren mit Stimme und Skateboard. Dietl schlägt mit dem Griff einer Schere auf die Saiten und lässt sie klingen. Dazu freie Improvisation der Sängerin.

Ebersberg: Wartehäuschen als Bühne

Ob sie der Straßenlärm nicht störe? Im Gegenteil, sagt Stephanie Müller, „genau das interessiert uns. Die Mischung aus Tönen, Klängen und Verkehrslärm ist Konzept. Uns geht es darum, zu zeigen, dass wir Menschen häufig überfordert sind durch die Geschwindigkeit des Lebens.“

Tatsächlich nimmt man den Verkehrslärm durch das Spiel der beiden intensiver wahr, wenn nicht überhaupt erst. Eigentlich stört er. Braucht es erst solch künstlerischen Eingriffe, um derartige Phänomene zu verdeutlichen, ins Bewusstsein zu rücken?

Wir suchen Geschichten des Gelingens für eine Zukunft mit Zukunft.

Das Duo „Mediendienst Leistungshölle“

Klaus Erika Dietl und Stephanie Müller sind teilnehmende Künstler des Arkadien-Festivals in Ebersberg. Das Buswartehäuschen haben sie zu einer Bühne transformiert. Zwei Dinge sind die zentralen Bausteine ihrer Performances: Improvisation und Interaktion. Sie beobachten und wollen mit Passanten ins Gespräch kommen, auch um sich Geschichten erzählen zu lassen. Darauf reagieren sie wiederum künstlerisch. „Wichtig ist uns, sich Zeit zu nehmen,“ sagt Müller.

Schon bei der S-Bahn-Fahrt von München nach Ebersberg hätten sie sich inspirieren lassen, aufgenommen, was um sie herum passierte, und das wiederum aufgegriffen. „Wir suchen Geschichten des Gelingens für eine Zukunft mit Zukunft,“ erklärt das Duo.

Ebersberg: Noch drei Termine im Buswartehäuschen

Nicht jeder nimmt wahr, was hier geschieht. Eine ältere Dame beispielsweise setzt sich einfach neben sie auf das Wartebänkchen, ohne auch nur annähernd Notiz von den beiden zu nehmen. Andere sind neugierig, wie auch die Busfahrerin, die beim Starten ihres Fahrzeuges den beiden lächelnd zuwinkt.

In den Alltag, in das Gewöhnliche eingreifen, um Veränderung anzuregen, ist das Prinzip dieses Festival-Beitrags. Dabei wird die Wartezone nicht nur zu Performance-Bühne, sondern auch zu einer Recherchekabine, einem Miniatur-Gewächshaus oder einer Teestube. „Jeder Tag wird anders sein“, erzählt Müller. „Beim nächsten Mal bringen wir zum Beispiel einen zu einer Harfe umfunktionierten Rasenmäher mit. Ein andermal wird die Bushaltestelle zum Kino, in dem wir verschiedene Kurzfilme zeigen.“ Mit Buttermilch wollen sie dazu die Glasscheiben des Wartebereichs bestreichen. „Das lässt sich wunderbar und ohne Rückstände entfernen.“

Start dieser Performance-Reihe war am Freitag. Zu erleben ist das Duo nochmals am Dienstag, 13. Juli, zwischen 18 und 21 Uhr, am Mittwoch, 14. Juli, von 21 bis 24 Uhr, sowie am Donnerstag, 15. Juli, von 15 bis 18 Uhr – jeweils an der Bushaltestelle am Bahnhof Ebersberg.

Infos zum Arkadien-Festival: www.arkadien.info

pke

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare