Zeuge: 2400 Euro Geldstrafe aus Faulheit akzeptiert

Nazi-Parolen auf Feier: Danach will es keiner gewesen sein

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Landkreis – „Heil Hitler“ und „Sieg Heil“ - mit diesen Parolen soll eine Gruppe junger Männer auf der „Laufstall-Party“ in Pastetten negativ aufgefallen sein. Es folgte ein Prozess - mit einem Freispruch und einem besonders faulen Zeugen. 

Alkohol löst die Zunge. Manchmal so sehr, dass es interessant für den Staatsanwalt wird. „Heil Hitler“- und „Sieg Heil“-Rufe auf einer öffentlichen Feier, das ist so ein Fall. Weil das auf der „Laufstall-Party“ im November 2015 in Pastetten (Kreis Erding) passierte, so berichteten es mehrere Zeugen, musste ein 22-Jähriger aus Anzing in Ebersberg vors Amtsgericht.

Für den Handwerker endete der Prozess mit einem Freispruch. Aber nicht, weil Richter Dieter Kaltbeitzer von seiner Unschuld überzeugt war. „Ihnen konnte man es nicht nachweisen“, so Kaltbeitzer in seiner Urteilsbegründung. Denn die Zeugen konnten die Rufe keiner Person eindeutig zuordnen. Sie versicherten nur, dass das verbotene Gegröle von einem Trio gekommen war, zu dem auch der Angeklagte gehört hatte. Dieser konnte bei der Rekonstruktion des Vorfalls wenig behilflich sein – bei ihm hatte die Polizei mehr als zwei Promille Blutalkohol gemessen.

Ein anderer akzeptiert 2400 Euro Geldstrafe - angeblich aus Faulheit

Bemerkenswert war dagegen der Zeugenauftritt eines seiner Saufkumpane, der in der gleichen Sache Post vom Amtsgericht Erding erhalten hatte. Der 23-Jährige, ebenfalls aus Anzing, gab zwar wie der Angeklagte an, keine Nazi-Parolen gerufen zu haben. Gegen einen diesbezüglichen Strafbefehl über 2400 Euro hatte der Handwerker jedoch keinen Einspruch eingelegt.

„Weil ich zu faul war“, lautete die Begründung, weshalb er lieber das Geld überwiesen habe. Außerdem habe er nicht gewollt, dass seine Eltern von der Sache erfahren. „Sie kennen mich ja“, sagte der junge Mann in Richtung des Richters – als stünde er nicht zum ersten Mal vor ihm.

Kaltbeitzer gab sich nach dem Freispruch für den Angeklagten gelassen. „Für mich steht fest, dass diese Parolen gerufen worden sind.“, erklärte er, mutmaßte aber mit Blick auf den einspruchsfaulen Zeugen: „Möglicherweise hat es den Richtigen erwischt.“

Eine 38-Jährige ist in Aschheim von einer Gruppe Jugendlicher geschlagen und getreten worden. Ein Polizeibeamter (48), der privat in der Nähe war, verhinderte Schlimmeres. Er musste die Waffe ziehen.

Rubriklistenbild: © dpa

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