Nina Hanser (rechts) und Georg Maggari demonstrieren für Lehrerin Daniela Pinzka, wie eine Magensonde gelegt werden muss, worauf dabei zu achten ist und wie sie den korrekten Sitz prüfen.
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Nina Hanser (rechts) und Georg Maggari demonstrieren für Lehrerin Daniela Pinzka, wie eine Magensonde gelegt werden muss, worauf dabei zu achten ist und wie sie den korrekten Sitz prüfen.

Zwei Schüler und ihre Lehrerin über die Ausbildung und Corona

Ebersberger Pflegenachwuchs im Covid-Einsatz

In der Hochphase der Corona-Pandemie in Ebersberg haben sich Pflegeschüler der Kreisklinik freiwillig für den Dienst in der Covid-Station gemeldet. Ende August haben sie Prüfungen.

Ebersberg – Während anderswo schon lange Ferien sind, haben in der Krankenpflegeschule an der Kreisklinik Ebersberg die Examen begonnen. Erst Ende August werden die Schülerinnen der Klasse 46 nach den praktischen sowie den mündlichen Prüfungen wissen, ob sie mit Hilfe der in Windeseile geschaffenen E-Learning-Konzepte ihr Ausbildungsziel trotz Corona geschafft haben. Eines jedoch ist jetzt schon sicher: Die Bewährungsprobe Corona-Epidemie haben alle Schüler der drei Jahrgangsklassen mit Bravour bestanden.

„Alle sind in diesen Monaten in einem Maße gereift, welches mich mit größtem Stolz erfüllt“, sagt Daniela Pinzka, die seit sieben Jahren an der Schule unterrichtet, sichtlich bewegt. „Jeder hat uneingeschränkt seine Aufgabe in der Krankenpflege angenommen und etliche waren gekommen und haben vorgeschlagen, sie auf den Stationen mit Covid-Patienten einzusetzen, von der Corona-Aufnahmestation bis hin zur Intensiv- und Palliativstation.“

Zwei Beispiele für viele

Zwei von ihnen sind Nina Hanser und Georg Maggari aus dem mittleren Ausbildungskurs. Beide wohnen im Landkreis Ebersberg und hatten sich für die Kreisklinik Ebersberg entschieden, weil sie hier durch die zahlreichen Fachrichtungen direkt vor Ort vieles lernen können. Und weil sie wussten, dass sie die besonders intensive Betreuung durch freigestellte Praxisanleiter bekommen würden – das wäre nicht selbstverständlich. Als die Infektionslage kritisch wurde, wussten sie wie alle zwar nicht, was letztlich auf sie zukommen würde, waren aber vorbereitet genug, im Vertrauen auf die bereits erworbene Kompetenz und auf das Gesamtteam ihren Anteil zu leisten.

Kein Zögern in der Ausnahmesituation

„Wir können ja inzwischen, ganz anders als am Ausbildungsanfang, schon sehr selbständig eine Situation beurteilen, einschätzen, was nötig ist und ob wir dies allein oder mit Unterstützung tun können“, berichtet die 20-jährige Nina, die sich vor der Ausbildung in der Medienbranche ausprobiert hatte, schließlich aber mit Menschen arbeiten wollte. Im März absolvierte sie gerade ihren Praxiseinsatz in der Endoskopie und folgte ihrer dortigen Bereichsleiterin ohne Zögern, als diese die spezielle Aufnahmestation aufbaute.

Hochbetrieb in der Unfallchirurgie

Ihr Mitschüler erlebte den Coronaausbruch auf der unfallchirurgischen Station 5B. Dort waren eigentlich keine Covid-Patienten untergebracht. „Aber als der Lockdown kam, wollten sich alle sportlich betätigen, Rad fahren, laufen – so bekamen wir stoßweise viel mehr Unfallpatienten als normal. Manchmal konnte ich das Lehrbuch aufschlagen und etwas nachlesen, aber oft genug haben wir mehrere Stunden durchgearbeitet und sogar das Trinken vergessen.“ Bei manchen der Unfallpatienten wurde zusätzlich noch eine Corona-Infektion festgestellt, sie mussten wegen der Verletzungsschwere aber isoliert auf Station bleiben. Deshalb war es gut, dass es eine spezielle Hygieneschulung gegeben hatte, bevor er in ein Isolierzimmer durfte.

Beide Schüler wissen auch, wie es sich anfühlt, als Kontaktperson in Quarantäne zu müssen und waren froh, als die Tests negativ waren. Diese Situation hätte sie viel Neues gelehrt und weiter gestärkt, so Georg Maggari. Nicht zuletzt in der Sicherheit, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Auf die Frage, ob sich ihre Erwartungen an die Ausbildung erfüllt haben, antwortet der 18-Jährige spontan: „Schwer übertroffen“.

Sie hätten von den externen und hausinternen Dozenten in der Theorie viel mehr gelernt, als sie am Anfang der Ausbildung gedacht haben. Sie dürften eigene Lernthemen und -methoden einbringen, wie Rollenspiele oder Präsentationsgestaltungen und hätten von den vielen Fachexkursionen und Einsätzen in anderen Kliniken sehr profitiert. Nina nickt: „Wir können durch unsere Ausbildung so viel für die Menschen tun“. Sie würden unglaublich viel medizinisches Wissen lernen und dieses sehr gut mit dem speziellen Pflegewissen kombinieren können, wie es beispielsweise in der Wundbehandlung geschieht.

Hoffen auf ein anderes Bild der Pflege

Gemeinsam mit ihrer Lehrerin hoffen sie, dass die im September in Kraft tretende Ausbildungsreform, für die in den vergangenen Monaten alle Lehrpläne zu überarbeiten und neue Praxis-Kooperationen zu organisieren waren, beitragen wird, das Bild der Pflege auch draußen zu verändern. Dass, wenn künftig Krankenpfleger, Kinder- und Altenpfleger nach einheitlichen Standards unterrichtet werden, mehr Menschen das spannende fachliche Entwicklungspotential und die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten erkennen.

Pflegepädagogin Daniela Pinzka sieht hier neue Chancen, nicht zuletzt wegen der europäischen Angleichung. Aber unabhängig von Lehrplänen sei ihr wichtig, in den Schülerinnen und Schülern ein Wertegefühl zu entwickeln: für den Beruf und sich selbst sowie für die Menschen, die sie in schwierigen Lebensphasen betreuen – dies alles stünde in Wechselwirkung.

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