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Das Museum Wald und Umwelt in Ebersberg: Seit Jahren wird über eine Photovoltaikanlage für das Haus diskutiert.

Photovoltaik am Waldmuseum Ebersberg

„Bonbon“ des Landrats

Unergiebig und teuer: So sähe eine denkmalkonforme Photovoltaikanlage für das Ebersberger Museum „Wald und Umwelt“ aus. Geht das nicht billiger?, haben die Stadträte gefragt. Die Antwort: Ja, wenn man den Denkmalschutz außer Acht lässt.

Ebersberg – Die Stadt Ebersberg stellt kurzerhand einen Bauantrag gegen die Bestimmungen der Denkmalpflege. Und hofft, damit durchzukommen. Die Verantwortlichen wissen den Landrat hinter sich.

Vor einem halben Jahr hatten die Stadträte noch gejubelt, weil sie endlich eine regenerative Energiequelle für die denkmalgeschützte Umweltbildungsstätte gefunden hatten. Jahrelang hatten sie zuvor vergeblich nach einer Lösung gesucht. Der Denkmalschutz ließ keine große Fläche an Solarzellen auf dem Dach zu, Pläne für ein kleines Windrad oder eine Photovoltaikanlage am Boden scheiterten am Landschaftsschutz. Dann kam ein Flyer mit Spezialanlagen für historische Gebäude ins Rathaus der Kreisstadt geflattert. Und plötzlich wurde möglich, was zuvor undenkbar erschienen war. In die Freude über die Lösung mischten sich jedoch Sorgen über die Finanzierung. Mit geschätzten Netto-Baukosten von gut 40 000 Euro und einem Stromertrag von gerade einmal knapp 5500 Kilowattstunden pro Jahr würde sich die optisch dezente und vom Landratsamt bewilligte Anlage in 40 Jahren noch nicht amortisiert haben.

Deutlich günstiger käme eine große Anlage auf dem Südwest-Dach des Neubaus im Gebäude-Ensemble. Für diese wären keine 35 000 Euro Netto-Baukosten nötig, während der Stromertrag mit gut 13 000 Kilowattstunden pro Jahr mehr als doppelt so hoch wäre. Dadurch hätte sich die Anlage spätestens in 20 Jahren vollständig amortisiert. Allein, diese Lösung überschreitet die Bestimmungen des Denkmalschutzes klar. Sie ist rechtlich eigentlich nicht realisierbar. Dennoch will die Stadt nun für letztere Variante beim Landratsamt einen Bauantrag stellen. Bürgermeister Walter Brilmayer hat sich in der Frage bereits im Vorfeld an Landrat Robert Niedergesäß (beide CSU) gewandt. Dessen Antwort nun erstaunte die Stadträte. „Der Landrat würde es darauf ankommen lassen“, informierte Brilmayer über dieses, wie er sagte, „Bonbon der Lokalpolitik“. Parteifreund Niedergesäß selbst hat dem Ebersberger Rathauschef seine Unterschrift auf der Baugenehmigung versprochen, da die Hausjuristin im Landratsamt das Papier nicht unterschreiben wird.

Sollte das Ebersberger Amt für Denkmalpflege mit der Sache zur Oberen Denkmalschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern gehen, kann sich der Landrat eine Rechtsaufsichtsbeschwerde einhandeln. 

Uta Künkler

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