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Am Ebersberger Amtsgericht wurde der handfeste Streit um 100 Euro und eine Wimpernzange verhandelt.

Schräger Zeugen-Auftritt eines Zahnarzts

Zickenkrieg um 100 Euro und eine Wimpernzange

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Poing/Ebersberg - Zwei junge Frauen streiten um eine Wimpernzange und 100 Euro. Der Zwist mündet in Handgreiflichkeiten, landet so vor dem Amtsgericht Ebersberg. Dort hat ein Münchner Zahnarzt einen denkwürdigen Zeugenauftritt.

Es ist die Geschichte einer zerbrochenen Freundschaft, die an diesem Tag vor dem Ebersberger Jugendgericht verhandelt wird: Eine Poinger Schülerin (18) ist mit ihrer Freundin, einer 19-jährigen Zahnarzthelferin aus München, frisch zerstritten. Der schuldet die Schülerin noch 100 Euro und eine Wimpernzange, die sie sich geliehen hat.

Niemand liebt seine Gläubiger, so geht es auch der Poingerin. Weil ihre ehemalige Freundin irgendwann bei ihrer Mutter anruft, um die Sachen wiederzubekommen, gerät die junge Frau in Rage. Sie steigt gemeinsam mit ihrem Freund (18) und einer Freundin (19), beide aus Poing, in die S-Bahn nach München.

Tritte vors Schienbein und üble Beleidigungen

In der Innenstadt trifft das Trio auf die Zahnarzthelferin, als diese bei Feierabend die Praxis verlässt. Es entspinnt sich ein Streit, in dessen Verlauf die beiden körperlich deutlich überlegenen Freundinnen die junge Frau gegen eine Hauswand stoßen, sie vors Schienbein treten und aufs Übelste beleidigen.

Zufällig kommt der Chef des Opfers, ein 53-jähriger Zahnarzt, dazu. Er verscheucht die Aggressoren, nimmt seine weinende, völlig aufgelöste und lädierte Mitarbeiterin in Schutz und rät ihr, zur Polizei zu gehen. So kommt es zur Anzeige gegen die beiden jungen Frauen, die handgreiflich wurden.

Soweit die gute Tat des Mediziners.

Der Chef über das Opfer: „Die Hellste ist sie nicht, aber sie funktioniert“

Für entgeisterte Blicke im Zuschauerraum und Verwunderung bei den Prozessbeteiligten sorgt aber die Zeugenaussage des Zahnarztes. Obwohl dieser die Situation wohl entschärft hatte, sammelt der Mediziner vor Gericht wenig Sympathiepunkte. Unter anderem wegen der Art, auf die er sich über das Opfer, seine Angestellte, äußert: „Sie ist ganz brauchbar erzogen“, lautete seine Charakteranalyse der 19-Jährigen, die der Chef als „meine Kleine“ bezeichnet. „Die Hellste ist sie nicht, aber sie funktioniert.“

„Ich haue nicht auf die Zähne, ich weiß ja, was Zähne kosten“

Sein Auftritt erinnert an einen Charakter aus einer Fernseh-Gerichtsshow: Unter den glatt nach hinten gekämmten, langen Haaren und der edlen Hornbrille sprudelt es aus dem Mund des Mediziners nur so hervor. Die Beine, die in hochglanzpolierten Schuhen enden, schlägt er dabei über Kreuz. „Ich habe ihm gesagt, ich haue ihm die Nase ein“, schildert er markig gestikulierend, wie er den Freund der Angeklagten, der sehr aggressiv gewirkt habe, aus dem Praxiseingang verscheuchte. „Ich haue nur auf die Nase, nicht auf die Zähne, ich weiß ja, was Zähne kosten“, bringt der Zahnarzt dabei seine berufliche Fachkenntnis ein.

Als er mit Verweis auf die kostbare Zeit, die ihn die Verhandlung gekostet habe, aus dem Gerichtssaal rauscht, gerät der Zahnarzt noch mit einem Verwandten der Angeklagten aneinander. Giftige Worte und Blicke wechseln den Besitzer. Der Gerichtsfrieden bleibt aber gewahrt.

Sozialstunden für die Täterinnen

In dem Prozess gibt es am Ende zwar kein Urteil, aber eine Strafe: 40 Sozialstunden müssen die beiden jungen Täterinnen aus Poing jeweils ableisten. Dafür stellt Richter Dieter Kaltbeitzer das Verfahren ein, da das Opfer nur leichte Blessuren an Schienbein und Hand davontrug.

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