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Praxis weist kranken Säugling ab

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„Man könnte der Praxis fast unterlassene Hilfeleistung vorwerfen“: Maike Martens mit ihrer kleinen Tochter Malia Zoe (vier Monate).
„Man könnte der Praxis fast unterlassene Hilfeleistung vorwerfen“: Maike M. mit ihrer kleinen Tochter Malia Zoe (vier Monate). © Stefan Roßmann

Kirchseeon - Unfassbar: Eine Mutter ist mit ihrem kranken Säugling von einer Kirchseeoner Arztpraxis abgewiesen worden. Grund: Die 24-Jährige ist "nur" gesetzlich versichert.

Die kleine Malia Zoe ist noch kein halbes Jahr alt. Gerade beutelt sie eine schwere Erkältung. Starker Husten, Schnupfen, Fieber. Dem vier Monate alten Mädchen geht es nicht gut. Es verweigerte das Stillen, es wollte keinen Tee mehr trinken. Am Donnerstag hustete es so stark, dass es sich ständig erbrach, erklärt seine Mutter Maike M. aus Moosach. „Da ich die Gefahr des schnellen Austrocknens bei solch kleinen Kindern kenne, rief ich die Praxis Dr. L. in Kirchseeon an und schilderte die Situation“, sagt die zweifache Mutter. Am Telefon erlebte die 24-Jährige eine böse Überraschung. Sie beschrieb ihre Notlage, wollte sofort in der Praxis vorbeikommen – und wurde abgewiesen.

Die Sprechstundenhilfe wollte von M. zuerst wissen, wie sie denn eigentlich versichert sei. „Gesetzlich bei der Krankenkasse“, antwortete sie. Es war die falsche Antwort. „Wir nehmen nur noch privat versicherte Patienten, da müssen Sie sich woanders hinwenden“, erwiderte die Sprechstundenhilfe. Die Mutter ließ nicht locker. Sie erklärte, dass ihr Lebensgefährte und Malias Vater als Polizeibeamter privat versichert sei. „Meiner Tochter geht es wirklich schlecht. Können wir die Behandlung nicht irgendwie über ihn machen?“ Die Sprechstundenhilfe ließ sich nicht erweichen. „Das ist nicht möglich“, soll sie geantwortet haben.

Auf Nachfrage erklärte der Allgemeinmediziner L., dass er „Notfälle selbstverständlich betreut“. Es gebe zwar einen generellen Aufnahmestopp in seiner Praxis, keine neuen Patienten mehr, aber die Mutter hätte nicht abgewiesen werden dürfen. „Das wurde von uns falsch formuliert. Die Damen werde ich mir zur Brust nehmen“, sagte er mit Blick auf seine Sprechstundenhilfe. Der Mutter hilft die späte Reue wenig. Sie fühlt sich als Patientin zweiter Klasse. „Ich war schockiert. Es kann doch nicht sein, dass man eine Mutter mit einem kranken, vier Monate altem Baby einfach so abweist. Man könnte der Praxis fast unterlassene Hilfeleistung vorwerfen.“

Skurril: Die Kirchseeoner Praxis wurde ihr von Freunden als besonders vertrauenswürdig empfohlen. „Aber offenbar haben wir im Gesundheitswesen mittlerweile ein Zweiklassen-System“, sagt die Mutter.

M. ist verärgert, dennoch hat sie den Glauben an die Ärzte nicht ganz verloren. „Glücklicherweise gibt es auch andere Ärzte, wie die Praxis Dr. Macke/ Dr. Strobelt in Brückmühl, die meine Tochter trotz Überfüllung sofort drannahm.“ Malia Zoe geht es inzwischen übrigens wieder besser. Sie isst wieder, sagt die Mutter.

Von Stefan Sessler

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