Wachhäusl vor dem Grafinger Rathaus, das coronabedingt vor den Eingangsbereich gezimmert wurde. Wer die Verwaltung besuchen möchte, kommt auch ohne Anmeldung hinein – anders als in anderen Kommunen, wo die Bürger auf die Gnade der Rathaus-Sachbearbeiter angewiesen sind.
+
Wachhäusl vor dem Grafinger Rathaus, das coronabedingt vor den Eingangsbereich gezimmert wurde. Wer die Verwaltung besuchen möchte, kommt auch ohne Anmeldung hinein – anders als in anderen Kommunen, wo die Bürger auf die Gnade der Rathaus-Sachbearbeiter angewiesen sind.

Zutrittsbeschränkungen für Behördengänge

Mein Rathaus, meine Burg - Corona sei Dank: Der Bürger darf meist nur mit Termin herein

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
    schließen

Endlich Ruhe: Die meisten Rathäuser im Landkreis Ebersberg lassen Bürger nur mit Termin ins Haus. Wegen der Corona-Regeln ist, wer ein Anliegen hat, beim Einlass auf die Gnade seines Sachbearbeiters angewiesen.

Landkreis – Wie ein Grenzhäusl aus längst verflossenen Zeiten steht an der Hintertür des Grafinger Rathauses ein schmaler Holzverschlag. Der Bürger, der im Amt seinen Ausweis abholen oder seinen Bauantrag besprechen will, muss sich dort namentlich anmelden, bevor er hineindarf. Eine Hürde, deren Überwindung der Bürger immerhin selbst in der Hand hat.

Anders als in den meisten Behörden im Landkreis Ebersberg. Seit Beginn der Pandemie ist mancher Rathauschef zum Burgherrn mutiert. Hinter den Mauern und Zinnen der Verwaltung darf sein Anliegen nur vortragen, wem die metaphorische Zugbrücke herabgesenkt wird: „Ohne Termin werden Sie nicht in das Gebäude eingelassen“, heißt es etwa auf der Homepage von Markt Schwaben, wo der erhaltene Flügel des alten Schlosses als Teil des Rathauses an feudale Zeiten erinnert.

Corona-Regeln im Rathaus: „Vorsprache nur nach Anmeldung per Telefon oder E-Mail“ heißt es auf den Homepages

„Vorsprache nur nach Anmeldung per Telefon oder E-Mail“ – diese Formulierung findet sich so oder so ähnlich auf den Homepages der Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (VG) sowie der des Landratsamts. Wer Einlass begehrt, ist auf die Gnade seines Sachbearbeiters angewiesen. Die Argumentationen gleichen sich ebenfalls: Bürger und Behördenmitarbeiter sollen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden. Im Rathaus sei es für Warteschlangen oder Einbahn-Regelungen zu eng. Viele Dinge lassen sich auch online oder telefonisch erledigen. Und überhaupt seien die meisten zufrieden mit der Regelung.

Endlich Ruhe: „Click & Meet“ gibt es in keinem Ladengeschäft mehr, aber in 8 von 14 Rathäusern

Die Erinnerung an den März drängt sich auf, als Ladengeschäfte unangemeldeten Gästen den Zutritt verweigern mussten – und sich fragten, wie sie so noch Geld verdienen sollten. „Click & Meet“ hieß dieser längst abgeschaffte Notnagel. In fast allen Rathäusern im Landkreis ist er bis heute das Mittel der Wahl. Als wäre es für Dienstleister, denen auch ohne Zubedienstleistende nicht die Pleite droht, der bequemere Weg. Endlich Ruhe.

Ohne Anmeldung zugänglich sind ganze 6 von 14 Rathäusern (selten geöffnete Gemeindekanzleien von VG-Mitgliedskommunen nicht eingerechnet): Pliening, Poing, Hohenlinden, Kirchseeon und die Städte Ebersberg und Grafing, letzteres mit seinem Wachhäusl. Die beiden Städte raten zwar dazu, sich vorher einen Termin geben zu lassen. Doch wer spontan während der Öffnungszeiten auftaucht, wird nicht abgewiesen. „Das finde ich auch nicht richtig“, sagt Grafings Bürgermeister Christian Bauer (CSU). „Wir sind ein offenes Haus.“ Mit der aktuellen Regelung habe man gute Erfahrungen gemacht und werde sie beibehalten. Auch wenn mal drei, vier Leute warten müssten.

Unverständnis in Grafing und Ebersberg: „Eine Zugangsbeschränkung braucht es nicht.“

Ähnlich argumentiert sein benachbarter Amtskollege Ulrich Proske (parteifrei) aus Ebersberg. Trotz damals noch knapper Impfung und der Erkenntnis, dass sich vieles telefonisch und digital erledigen lasse, habe er Ende Mai schon das Haus wieder für unangemeldete Bürger geöffnet – mit Masken- und Abstandsregelungen sowie Plexiglas-Wänden. Wenn es im Bürgerbüro mal voller werde, bilde sich halt draußen eine Schlange. „Die Ebersberger wissen, wie sie sich verhalten sollen“, sagt Proske. „Eine Zugangsbeschränkung braucht es nicht.“ Das hätten auch seine Mitarbeiter in einer spontanen Umfrage bestätigt, für die die Anfrage der Ebersberger Zeitung der Anlass gewesen sei: „Die fühlen sich sicher.“

Einlass ins Rathaus nur mit Termin: „Die haben richtig Panik vor dem Bürger!“

„Die haben richtig Panik vor dem Bürger“, schildert dagegen eine Bürgerin aus einer anderen Landkreis-Gemeinde einen Eindruck aus ihrem Rathaus. Die strikte Anmelderegel für jedes Formular sei gerade auf dem Land, wo die Menschen öfters Fahrten miteinander verknüpften, lästig ohne Ende und treibe einen Keil zwischen das Amt und die Leute, für die es da sein sollte.

Zwei Behörden mit besonderer Online-Anmeldung

Erwähnenswert ist eine Lösung, die sich das Glonner VG-Rathaus überlegt hat, und die es so ähnlich in der Kfz-Zulassungsstelle Ebersberg schon länger gibt: Bürger können sich dort per Online-Formular einen Termin für eine Gewerbeanmeldung oder das Ausstellen einer Meldebescheinigung vormerken, ohne diesen von einem Sachbearbeiter abnicken lassen zu müssen – einfach, wenn um die Zeit noch etwas frei ist. Wer damit technisch nicht zurechtkommt, muss anrufen. „Wir wollten es so angenehm und effizient wie möglich gestalten“, sagt Bürgermeister Josef Oswald (CSU). „Das entlastet auch die Verwaltung.“ Und um die Briefwahlunterlagen oder den Gelben Sack abzuholen dürfe der Bürger auch mal ohne Termin anklopfen.

Alle Entwicklungen und Ergebnisse aus dem Landkreis Ebersberg zur anstehenden Bundestagswahl und Nachrichten und Geschichten darüber hinaus gibt‘s in unserem regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare