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Marco Capobianco möchte, dass die Flüchtlinge in Grafing bleiben.

Kritik an zentralen Unterkünften

Flüchtlingsunterbringung: Helfer sind sauer

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Landkreis - Zuerst gab es große Vorbehalte in Teilen der Bevölkerung gegen die Unterbringung von Asylbewerbern im Landkreis, jetzt will sie niemand mehr „hergeben“.

Die Pläne der Regierung von Oberbayern, die Flüchtlinge aus dezentralen in zentrale Unterkünfte im Landkreis zu verlegen, stoßen deshalb auf Widerstand. Das legt zumindest eine Stellungnahme nahe, die die Ebersberger Landtagsabgeordnete Doris Rauscher (SPD) und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Albert Hingerl, jetzt an den Regierungspräsidenten Christoph Hillenbrand geschickt haben.

Darin stellen die beiden fest: „Nicht nur, dass einzelne Kommunen von einem Tag auf den anderen vor der Herausforderungen stehen, eine große Zahl an Asylbewerberinnen und Asylbewerbern bestmöglich zu versorgen und von dieser Entwicklung überrascht wurden. Diese Pläne sind vor allem äußerst bedenklich dahingehend, dass bestehende Integrationsstrukturen, erfolgreiche Integrationsprojekte und bereits geknüpfte soziale Kontakte zwischen Einheimischen und Zugewanderten in den Orten der dezentralen Unterbringung ohne Not zerschlagen werden.“

Das sieht auch Marco Capobianco so, der in Grafing erfolgreiche und ehrenamtliche Integrationsarbeit leistet, die er so beschreibt: „Die Asylbewerber fühlen sich wohl in Grafing, haben zum Teil schon hier Arbeit gefunden und trainieren zweimal in der Woche mit mir auf dem Fußballplatz.“ Aus dieser Situation würden die Flüchtlinge jetzt „herausgerissen“, wenn sie in die Massenunterkunft nach Pliening verlegt würden. „Bei uns ist das Integration vom Feinsten“, schildert er die Früchte seiner Bemühungen, um die er jetzt fürchtet. „Ich hab auch einen Asylbewerber bei mir in der Firma eingestellt“, sagt er.

Ähnlich Rauscher und Hingerl. Sie sprechen von einem „großen Widerstand“ der sich auf Seiten der Helferkreise im Landkreis gegen das Vorgehen der Regierung bildet, „die zum Großteil nicht ausreichend über die neuen Pläne, die Veränderungen und insbesondere die Auswirkungen auf die Integrationsbemühungen der Helfer informiert werden“.

In Kirchseeon wurde jetzt die Turnhalle des Gymnasiums geräumt und die Flüchtlinge in neue große Unterkünfte im Norden des Landkreises verlegt. Dagegen hatten sich einige Helfer vor Ort gewehrt. Sonja Naumann, Chefin des örtlichen Helferkreises, sieht die Situation differenziert. Dass die Sporthalle geräumt wurde, ist für sie positiv. Da sei die Alternative der neuen Traglufthallen besser. Für die langfristige Integration von Flüchtlingen sieht Naumann aber eine dezentrale Unterbringung durchaus als sinnvoll, vor allem wenn die Flüchtlinge bereits einen Aufenthaltstitel erhalten hätten.

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