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Scheidungsverfahren verzögern sich

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Von: Michael Acker

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Markus Nikol, Amtsrichter
Markus Nikol, Amtsrichter © SRO

Auch das Amtsgericht Ebersberg ist von der Corona-Pandemie betroffen, vor allem im Bereich der Familiensachen. Scheidungsverfahren verzögern sich.

Ebersberg – Die Corona-Pandemie hat dramatische Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben, aber auch der private Bereich vieler Menschen wird gehörig durcheinander gewirbelt. Wer sich gerade von seinem Ehepartner scheiden lassen möchte, musste in jüngster Vergangenheit die leidliche Erfahrung machen, dass sich sein Verfahren in die Länge zieht.

Das liegt nicht daran, dass das Amtsgericht Ebersberg auf Mitarbeiter verzichten muss, die sich mit Covid-19 angesteckt haben. Der Grund ist hauptsächlich darin zu suchen, dass andere Vorgänge der Rechtspflege Vorrang haben, in Zeiten von Corona erst Recht, wie Markus Nikol, Sprecher des Gerichts, gegenüber der Ebersberger Zeitung erläutert. „Kindeswohlgefährdungen zum Beispiel.“ Da könne es schon sein, dass Scheidungsverfahren länger liegen blieben, als sonst üblich.

Amtsgericht Ebersberg: Zwei Richter waren ausgefallen

Erschwerend kam in den vergangenen Monaten hinzu, dass das Amtsgericht auf zwei Richter verzichten musste. Einer fiel krankheitsbedingt aus, eine Richterin wurde schwanger und durfte laut Nikol als werdende Mutter während der Pandemie nicht beschäftigt werden. Jetzt erhält das Amtsgericht für vier Monate Unterstützung von „zwei Teilzeitdamen“, die von anderen Gerichten kommen.

Nikol selbst ist auch nur noch wenige Tage da. Der 53-Jährige wechselt zum 15. Dezember zum Amtsgericht Erding, wo er schon einmal tätig war. Der Freisinger, der seit November 2012 in Ebersberg als Richter, stellvertretender Direktor und Pressesprecher arbeitete, hat einen beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen. Vor seiner Ebersberger Zeit war er sieben Jahre lang Staatsanwalt am Landgericht Landshut, wo er mit sexuellem Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung oder Kinderpornographie konfrontiert war. Zuvor arbeitete er sechs Jahre am Amtsgericht Erding. Am Landgericht München I war der Jurist mit organisierter Kriminalität und Betäubungsmitteldelikten betraut. Bereits mit 26 Jahren wurde Nikol Richter am Amtsgericht in seiner Heimatstadt Freising.

Richter Markus Nikol: Kürzerer Weg zur Arbeit und mehr Gehalt

Er freue sich auf seine neue Aufgabe in Erding, wo er zwar in der Hierarchie nicht aufsteige, wo er aber mehr verdiene, weil das Amtsgericht Erding etwa doppelt so groß sei wie das in Ebersberg. „Außerdem wird mein Fahrweg kürzer“, sagt Nikol.

Auch sein Chef, Amtsgerichtsdirektor Christian Berg, wird nicht mehr lange in der Kreisstadt wirken. Er geht im April in Ruhestand, sagt Nikol. Bergs Nachfolge sei noch nicht geregelt.

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