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Flugpionier der ersten Stunde: Vom Ebersberger Schmied zum Piloten

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Bestaunter Pionier: August Birkmaier in einem Eindecker der Firma Hammer-Krollmann von 1912. Das Foto entstand in Hannover – in derselben Woche, in der der Ebersberger tödlich verunglückte. Die vielen Zuschauer auf dem Bild sind nichts Ungewöhnliches. Flugveranstaltungen zogen damals regelmäßig Tausende Schaulustige an.
Bestaunter Pionier: August Birkmaier in einem Eindecker der Firma Hammer-Krollmann von 1912. Das Foto entstand in Hannover – in derselben Woche, in der der Ebersberger tödlich verunglückte. Die vielen Zuschauer auf dem Bild sind nichts Ungewöhnliches. Flugveranstaltungen zogen damals regelmäßig Tausende Schaulustige an. © privat

Der Ebersberger August Birkmaier war ein Flugpionier der ersten Stunde. Nach einer Ausbildung zum Schmied arbeitete er als Chauffeur und Mechaniker, bis er schließlich seiner großen Leidenschaft folgen konnte.

Ebersberg – August Birkmaier war einer von den „Alten Adlern“, wie man die ersten Flugpioniere noch heute nennt. Und er bezahlte seine Leidenschaft mit dem Leben. Am 20. September ist es auf den Tag genau 111 Jahre her, dass der Ebersberger Schmied und Mechaniker seine Fluglizenz erwarb.

Am 7. August 1887 kommt August Birkmaier als Sohn des „Simmerschmieds“ in Ebersberg zur Welt. Droben in der heutigen Eichthalstraße 2, wo jetzt die Redaktion der Ebersberger Zeitung steht. Er wächst mit acht Geschwistern auf: drei Schwestern und fünf Brüdern. Die Buben werden zu Mechanikern, Kraftfahrzeugmeistern und Fahrlehrern. Einer sattelt nach dem 1. Weltkrieg zum Elektrohandwerk um. Und August wird zum Flugpionier.

Von Ebersberg nach Berlin: August Birkmaier folgte seiner Leidenschaft

1903 ist Gustl 16 Jahre alt und erlernt wie seine Brüder auch beim Vater in Ebersberg das Schmiedehandwerk, als ihn – wie auch den Rest der Welt – eine Nachricht elektrisiert: Am 17. Dezember heben die Brüder Wright mit dem Wright Flyer zum ersten gesteuerten Motorflug ab. Das Fliegen begeistert den jungen Schmied, auch als er später als Chauffeur und Kraftfahrzeugmechaniker arbeitet: Als die Pioniere der Luftfahrt ihre ersten Flugobjekte bauen, können sie nur die Bauteile von Autos übernehmen oder alles individuell nach eigener Vorstellung selbst anfertigen. Das interessiert Birkmaier besonders.

Flugzeugführerschein Nr. 117 im Deutschen Reich gehörte Gustl Birkmaier.
Flugzeugführerschein Nr. 117 im Deutschen Reich gehörte Gustl Birkmaier. © privat

1909 eröffnet in Berlin der erste unternehmerisch geführte Flugplatz Deutschlands in Johannisthal: Wer fliegen lernen will, muss nach Johannisthal. Und dort geht Gustl auch hin. Ein Jahr später wird im Mai 1910 das Flugfeld Puchheim als erster Flugplatz Bayerns eröffnet.

Nach bestandener Prüfung: Birkmaier wird Testpilot

Jetzt wird Gustl berühmt, obwohl er noch keinen Flugschein hat. Der Ebersberger Anzeiger schreibt am 15. August 1911: „August Birkmaier ist vom Flugfeld Johannisthal bei Berlin zur Militärfliegerschule Oberwiesenfeld bei München übergesiedelt“. Als Sensation wertet man, dass Birkmaier mit einem Bleriot-Flugapparat in Höhe von 200 Metern einen 19-minütigen Rundflug ausgeführt hat. Am Sonntag, 13. August 1911, stieg Birkmaier dann auf 400 Meter auf. Allerdings streikte der Motor wegen Heißlaufens und der Pilot musste im Gleitflug nach unten gehen und konnte unversehrt landen.

In diesem Anwesen wuchs Birkmaier auf – wo heute die EZ ihre Adresse hat.
In diesem Anwesen wuchs Birkmaier auf – wo heute die EZ ihre Adresse hat. © privat

Am 20. September 1911 macht Birkmaier schließlich seinen Flugzeugführerschein – als 117. Mensch überhaupt im deutschen Reich. Nach bestandener Prüfung arbeitet er als Testpilot bei einer Flugzeugfirma. Dort findet er aber keine günstigen Verhältnisse vor: Vor allem scheint ihm die Maschine, die er erproben soll, nicht gerade vertrauenserweckend. Später wird Birkmaier in Sorau eingesetzt: Im März 1912 fliegt er dort mit einem Eindecker der Flugzeugwerke „Föhn“ bei starkem Wind in 1000 Metern Höhe. Danach in einem einstündigen Überlandflug von Sorau nach Sagan. Und im Mai rast er bei der Teilnahme am Wettfliegen der „Schlesischen Landeskrone“ in Görlitz bei der Landung in eine Strauchgruppe und bricht sich den rechten Oberschenkel. Birkmaier muss deshalb für längere Zeit ins Krankenhaus. Dieses Mal hatte er noch Glück: Denn damals bezahlte jeder zehnte Flieger seine Leidenschaft mit dem Leben.

Birkmaiers letzter Wunsch: Ein Begräbnis in der Heimat

Inzwischen waren im Deutschen Reich schon 18 Piloten tödlich abgestürzt. Am Freitag, 4. Oktober 1912, wird Gustl Birkmaier das 19. Todesopfer: Plötzlich setzt über der Vahrenwalder Heide bei Hannover sein Motor aus und der Pilot ist gezwungen im Gleitflug runterzugehen. Dabei bemerkt er, dass sich ausgerechnet in seiner Auslaufrichtung viele Personen befinden. Um ein größeres Unglück zu verhindern, reißt Birkmaier das Steuer zur Seite, wodurch das Flugzeug aber über die linke Tragfläche steil abkippt. Mit dem Mut der Verzweiflung springt der Pilot in über 15 Meter Höhe aus dem Flugzeug und bleibt mit tödlichen Verletzungen am Boden liegen. Eine halbe Stunde nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus erliegt der Ebersberger Flugpionier seinen schweren Verletzungen. Somit opferte Birkmaier sein Leben für das Leben seiner Mitmenschen.

Der Flugzeugführerschein von August Birkmaier.
Der Flugzeugführerschein von August Birkmaier. © privat

In einem von ihm hinterlassenen Brief bat er seine Angehörigen, im Falle seines Todes nicht um ihn zu trauern, da er dem Tod jederzeit ohne Angst entgegensehe. Er äußerte dabei nur den einen Wunsch, in seiner Heimat bestattet zu werden. Nach der Überführung seiner Leiche fand am Dienstag, 8. Oktober 1912, die Beerdigung auf dem Ebersberger Friedhof im Familiengrab statt.

August Birkmaier ging in die Geschichte der Luftfahrt als einer ihrer Bahnbrecher ein. In Ebersberg erinnert heute der „August-Birkmaier-Weg“ an ihn. von Thomas Warg (Kreisheimatpfleger im Landkreis Ebersberg)

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