Dieser historische Bauernhof wurde in Reitgesing abgetragen und in Kalteneck wieder aufgebaut.
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Dieser historische Bauernhof wurde in Reitgesing abgetragen und in Kalteneck wieder aufgebaut.

Jetzt wurde Richtfest gefeiert

Schwieriges Projekt: Ein Ebersberger Bauernhof zieht um

Ein Bauernhof zieht um: Vor Jahren stand der Huberhof aus dem 16. Jahrhundert in Reitgesing. Dort wurde er abgebaut und in Kalteneck wieder aufgebaut. Ein langwieriges Projekt.

Ebersberg – Noch vor Jahren stand im Ebersberger Ortsteil Reitgesing – ein Weiler etwa zwei Kilometer südwestlich der Kreisstadt – ein alter Bauernhof. Seit Jahren war er leer und dem Verfall preisgegeben. Die Eigentümer hatten das Geld nicht, den unter Denkmalschutz stehenden Einfirsthof zu sanieren. Da kommt Katrin Gläser ins Spiel. Sie und ihr damaliger Mann fassten vor etwa 20 Jahren den Plan, das Baudenkmal zu kaufen und zu versetzen.

Neuer Bauplatz im Außenbereich

Weit sollte der Huberhof nicht transportiert werden. In unmittelbarer Nähe des eigenen Domizils, im Ebersberger Ortsteil Kalteneck, wollte das Paar ihn wieder aufbauen. Doch es gab eine Schwierigkeit: der neue Bauplatz liegt im Außenbereich, wo nicht ohne weiteres gebaut werden darf. Das Denkmalamt, die Baubehörden, der Landrat wurden eingeschalten. Es dauerte.

Zwei Jahre Warten auf die Baugenehmigung

Wir schreiben das Jahr 2007. Endlich ist sie da, die Baugenehmigung – nach zweijähriger Wartezeit. Das Haus kann also abgetragen und in Kalteneck wieder aufgebaut werden. Doch es sollten noch Jahre vergehen, ehe dieses Vorhaben tatsächlich Realität wurde.

Im Sommer 2018 ging es endlich los

Mehrfach wurde die Baugenehmigung verlängert. Im Sommer 2018 schließlich ging es los, kurz vor Ablauf der Bewilligung. Der Wohnbereich des Huberhofes, der komplett aus Holz besteht, wurde abgetragen. Jeden Balken, jeden Zapfen, jeden Holzdübel hat die ausführende Firma Aringer aus Kerschdorf fein säuberlich nummeriert, sodass man das historische Kleinod später wieder so zusammensetzen konnte wie es einst über Jahrhunderte in der Landschaft stand, nur ein paar Kilometer weiter. Vier Wochen dauerte der Abbau. Nach der Reinigung aller Holzteile brauchte es weitere acht Wochen, bis der Hof am neuen Platz wieder aufgebaut war. Jetzt wurde in Kalteneck Richtfest gefeiert. Die Bauherren, der Architekt Udo Rieger und Baumeister Franz Aringer zeigten durchaus ihren Stolz. Nun steht in Kalteneck allerdings nicht der komplette alte Huberof. Versetzt wurden nur die Teile, die aus Holz bestehen. Das ist der einstige Wohnbereich. Alles andere war aus Stein und wurde in Kalteneck in „moderat moderner Interpretation“, wie sich Architekt Rieger ausdrückte, in Anlehnung an das Original rekonstruiert.

Das Bundwerk an der Südseite des Wirtschaftsteils beispielsweise musste wegen statischer Nachweise „geringfügig größer dimensioniert“ werden, heißt, der Holzquerschnitt ist circa 20 bis 30 Prozent stärker. Der Wohnteil allerdings ist historisch. Im Obergeschoss findet sich sogar eine Jahreszahl auf einem Balken: 1778. Das Erdgeschoss dagegen ist deutlich älter, wie Rieger weiß. Mittels Dendrochronologie, auch Baumringdatierung genannt, konnte man an den Abständen der Jahresringe das Alter bestimmen: das Erdgeschoss ist barock und stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Dank an verstorbenen Kreisheimatpfleger

Katrin Gläsers Bruder Ekkehart erzählt, dass man dem einstigen und inzwischen verstorbenem Kreisheimatpfleger Markus Krammer viel zu verdanken habe, hatte der sich doch für das Vorhaben sehr eingesetzt. „Es war ein intensiver und langer Weg, aber es hat sich gelohnt. Die Versetzung ist hervorragend gelungen. Der Huberhof wäre sonst verfallen.“ Über die Kosten will Gläser eigentlich nicht reden, lässt dann aber doch eine Zahl verlauten, die sich in der Größenordnung von zwei Millionen Euro bewegt.

Im einstigen Wirtschaftsteil des Hauses, der noch seniorengerecht ausgebaut werden wird, sollen die derzeit in Baldham lebenden Eltern einziehen. Das historische Wohnhaus hingegen will man vermieten. Zum Richtfest ließ nganz in alter Tradition Baumeister Franz Aringer sein Sprüchlein verlauten und zerschlug sein Glas am neuen-alten Huberhof.

pke

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