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Jetzt fehlt nur noch der Schnee! Ein Ebersberger Kind hat die Ski geschultert und blickt wehmütig den Hang am Waldsportpark hinauf, an dem – wie ander swo im Landkreis – die weiße Pracht gänzlich fehlt.

Lift geölt, Loipenspurgerät gewartet, Schneekanone geladen

Vom langen Warten auf den Schnee

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Landkreis – Lift geölt, Loipenspurgerät gewartet und startklar, Schneekanone geladen: Jetzt braucht es eigentlich nur mehr ausgiebig zu schneien. Aber der Schnee kommt immer später. Was machen die drei Liftbetreiber im Landkreis Ebersberg, wenn er in den kommenden Jahren ganz ausbleiben sollte? Wie reagiert die Sektion des Alpenvereins auf die sich ändernden Verhältnisse?

Im Gegensatz zu den professionellen Liftunternehmen in den nahen Alpen ist damit Gott sei Dank keine Existenzfrage verbunden. „Wir müssen nicht davon leben. Wir machen das eher aus Spaß an der Freude“, sagt Johanna Schneider. Sie und ihr Mann Josef betreiben in Ursprung bei Glonn den Weigllift – inclusive Schneekanone. „Aber wenn es tagsüber immer wieder Plusgrade hat, fangen wir nicht mit der Beschneiung an“, meint die Familie.

„Wir haben uns das mit dem Kunstschnee auch überlegt“, sagt Sebastian Pöschl vom Förderverein Waldsportpark. „Aber da muss man viel Umweltauflagen erfüllen“, hat er sich informiert. Den Gedanken habe man deshalb wieder fallen gelassen. Jetzt müssen die Kinder am Lift im Ebersberger Waldsportpark auf die Ankunft der natürlichen weißen Pracht warten.

„Das war schon eine große Investition“, sagt Johanna Schneider und meint damit die Schneekanone, die alleine den Winter auch nicht herzaubern kann. „Ich bin mir auch nicht sicher, ob das angenommen würde, wenn rechts und links alles grün ist“, sagt sie zu der theoretischen Möglichkeit, eine künstliche Piste zu schaffen.

Ein Schneetelefon mit aktuellen Ansagen hat der Skiclub Falkenberg auf seiner Internetseite für den Skilift am Tranzlberg eingestellt. Eine künstliche Beschneiung kommt hier ohnehin nicht in Frage, weil der Lift im Außenbereich in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Harry Zehetmair ist dort seit 25 Jahren Liftwart und weiß aus seinen Beobachtungen: „Bis etwa zum Jahr 2000 hatten wir 20 bis 30 Tage pro Saison, an denen bei uns Ski gefahren werden konnte. Jetzt sind es im Durchschnitt noch zwölf bis 13 Tage.“ Eine künstliche Beschneiung komme auch aus einem weiteren Grund nicht in Frage: „Wir haben keine eigene Quelle.“ Ohne ganz viel ehrenamtliches Engagement geht es in Moosach ohnehin nicht, „sonst wäre der Lift schon lange verkauft. In unserer Region wird es immer schlechter.“

Keinesfalls verkaufen will der Förderverein Waldsportpark in Ebersberg sein Loipenspurgerät, bekräftigt Pöschl. Zeitenweise konnten aber pro Saison nur insgesamt acht Tage Langlauf in Ebersberg damit ermöglicht werden, wie zum Beispiel im vergangenen Februar. „Wir bleiben aber optimistisch“, sagt Pöschl.

„Früher sind wir immer mit den Langlaufskiern zum Gasthaus Ramsl in Steinhöring gefahren, das Loipenspurgerät ist hergerichtet, aber es geht nix“, bedauert Georg Haas, der Vorsitzende der Sektion Ebersberg-Grafing des Alpenvereins. Er betreibt in den Tuxer Alpen das Meißner Haus und spürt auch dort den Klimawandel. „Heuer war das erste Mal über Weihnachten zu, weil es keine Anmeldungen gab“, bedauert Haas und denkt schon über alternative Angebote nach.

„Aber geführte Bergwanderungen zu dieser Zeit sind auch nicht gerade der Trend.“ Dazu komme, dass zwar der Schnee fehle, die Bergwege aber doch oft vereist seien. „Touren konnten wir heuer leider noch gar keine durchführen“, so der Alpenvereinsvorsitzende. „Da muss man sich überlegen, was man künftig macht.“ Sein Tipp: „Trainieren in der Grafinger Kletterhalle.“ Dient der Fitness, wenn er dann endlich doch kommt, der Schnee.

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