+
„Schönste Land der Welt“: Ministerpräsident Markus Söder streckt den Daumen in die Höhe, links Edmund Stoiber. 

Söder und Stoiber in Ebersberg

Stammtisch ohne Widerrede

  • schließen

Die CSU hat am Sonntag, 9. September, die Parteigrößen Markus Söder und Edmund Stoiber zum „Stammtisch“ in Ebersberg empfangen. Ein Besuch im Wahlkampf.

Von Michael Acker

Ebersberg – Zu einem Stammtisch gehört der Disput, die Widerrede. Manchmal wird’s auch hitzig und laut. Insofern war das natürlich kein Stammtisch, was die CSU am Sonntag in Ebersberg anbot, auch wenn sie die Veranstaltung so titulierte und Breznständer auf den Tischen platzierte. Nein, es war eher eine flauschige Plauderrunde, bei der man sich gegenseitig versicherte, wie sehr man sich achtet und dass die Leistungen des Tischnachbarn gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können.

Es ist halt Wahlkampf, da gehören Veranstaltungen wie diese dazu. Und sie kommen an, wenn die Gästeliste stimmt und wenn man die Besucherschar auf der „Ebersberger Alm“ zum Gradmesser nimmt. Rund 250 Interessierte, vornehmlich Parteigänger, waren gekommen, um Ministerpräsident Markus Söder und seinen Vorgänger Edmund Stoiber zu erleben. Der Saal und die Terrasse des Ausflugslokals waren an diesem sonnendurchfluteten Tag zur Freude der Wahlkämpfer um den Grafinger CSU-Landtagsabgeordneten Thomas Huber so voll, dass selbst Landrat Robert Niedergesäß keinen freien Stuhl mehr fand und den Diskurs vom Fensterbankerl aus verfolgte.

Am runden Stammtisch nahmen neben Söder, Stoiber und Huber noch die Europaabgeordnete Angelika Niebler und Bezirkstagskandidatin Susanne Linhart Platz. Die Moderation übernahm die stellv. CSU-Generalsekretärin Daniela Ludwig, deren „Fragen“ eigentlich keine Fragen waren, sondern eigene Redebeiträge. Aber sie sollten auch nur die Stichworte liefern, damit die Stammtischbrüder und -schwestern die Erfolge der CSU lobpreisen konnten.

Und das taten sie. Söder nannte Bayern gleich zu Beginn das schönste „Land auf der Welt“. Seine Menschen seien bei jeder Zukunftsvision dabei und stünden dennoch mit beiden Beinen auf dem Boden. Man solle sich einfach mehr darüber freuen, „dass wir in diesem großartigen Land leben“.

Ja, alles gut: Draußen ein Spätsommertag wie aus dem Bilderbuch, saftige Wiesen vor der Ebersberger Alm, sonntäglicher Frieden in einer Gesellschaft, der es gut geht. Vollbeschäftigung, der Freistaat strotzt vor wirtschaftlicher Kraft. Die CSU, die sich das auf die Fahnen schreibt, müsste dem Wahltag am 14. Oktober eigentlich gelassen entgegen sehen. Tut sie aber nicht. Keine Woche vergeht, in der sie nicht von neuen Horror-Umfragen aus ihrem weiß-blauen Traum der Alleinherrschaft gerissen wird.

Was ist da bloß los? Söder spürt einen „Wind der Veränderung“, der durch ganz Europa wehe und die Volksparteien wegfege. Man müsse den „destruktiven“ Kräften an den politischen Rändern ein starkes Konzept entgegenstellen, so wie das Bayern bei der Frage der Migration getan habe. Der Ministerpräsident sprach hier von „klarer Kante“, dem Aufbau der eigenen Grenzpolizei und der Schaffung des Landesamts für Asyl. Seitdem habe der Zugang nach Bayern nachgelassen, „die Richtigen gehen, die Richtigen bleiben“, fügte er an. Und: „Wir sind die Einzigen, die bei dieser Frage etwas auf den Weg gebracht haben“.

Damit die Volksparteien zu vergangener Stärke zurückfinden, brauchten sie starke Persönlichkeiten, wie Markus Söder eine sei, warf Elder Statesman Edmund Stoiber ein, um das Publikum rhetorisch zu fragen: „Warum, glauben Sie, habe ich meinen Markus so fördert?“ Ein starker Politiker sei nicht nur Kümmerer, sondern ein mutiger Gestalter, der Rückgrat habe.

Und auch wenn „Chemnitz in Bayern nicht möglich wäre“, wie Stoiber unter starkem Beifall sagte, appellierte er leidenschaftlich an die Zuhörer, bei der Landtagswahl nicht „aus irgendeiner Laune“ heraus Protest zu wählen. Niemand habe in der Vergangenheit die Rechtsradikalen so stark bekämpft wie die CSU, seien es die Republikaner oder die NPD gewesen. Die Gefahr durch die AfD sei heute größer als viele glauben.

Wer wie die AfD sagt, sie sei die Strafe Gottes für die CSU, „hat einen Schuss und ist gefährlich“, fügte Söder an, der sichtlich bemüht war, die Gefahr von rechts nicht zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen, sondern stattdessen lieber über seine Erfolge seit Amtsantritt sprach. Schließlich versprach er Lösungen für den attraktiven Ballungsraum München, in dem immer mehr Menschen leben wollten und der im Verkehr ersticke. Er wolle mehr bauen und schneller und „irgendwie auch schöner“. Was er im Unterschied zu anderen nicht wolle, seien „Bettenburgen a la DDR“. Dafür aber „viel mehr Investitionen in den ÖPNV“.

Wer die Redebeiträge verfolgte, gewann den Eindruck, die CSU setze auf die letzten Wochen vor der Wahl, die einen Stimmungsumschwung bringen könnten, sodass am Ende für sie doch noch alles gut werde. Nervosität war nicht zu spüren. Dass sie aber im Hintergrund da ist, zeigte die stellvertretende CSU-Vorsitzende Angelika Niebler, die den „lieben Markus“ fast mit Parteivorsitzender angesprochen hätte, dann aber bei „Partei...“ noch die Kurve kriegte. Ob sie da gedanklich schon nach der Wahl war? Viele prophezeien ja, dass Parteivorsitzender Horst Seehofer bei einem schlechten Abschneiden die längste Zeit Parteichef war. Ob Niebler daran dachte, bleibt ihr Geheimnis, die wissenden Lacher im Publikum überspielte sie gekonnt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mittelstand kämpft mit Wohnungsnot
Inzwischen muss oft der ganz normale Mittelstand schon Sorge haben um seine Wohnung. So geht es nicht weiter, sagt die Caritas.
Mittelstand kämpft mit Wohnungsnot
Kleber im Türschloss
Die Geschädigte musste mit zugeklebtem Türschloss nach Polen fahren. Sie sprach von „Ausländermobbing“.
Kleber im Türschloss
Poinger werden noch mehr
Die Gemeinde Poing wird im Jahr 2033 gut 22 000 Einwohner haben. Das prognostiziert eine neue Studie. Etwa 2000 Bürger mehr, als bislang angenommen.
Poinger werden noch mehr
FDP fordert neue Polizeistation für den Landkreis
Braucht der Landkreis Ebersberg mit seiner ständig wachsenden Bevölkerung eine neue polizeistation? Die Freien Demokraten fordern das.
FDP fordert neue Polizeistation für den Landkreis

Kommentare