Stadt Ebersberg fühlt sich alleingelassen

Wohnungsnot der anerkannten Flüchtlinge 

Ebersberg - 175 Asylbewerber leben derzeit in der Kreisstadt. 34 davon sind bereits anerkannte Flüchtlinge, dürfen und sollen sich also schnellstmöglich eine Wohnung suchen. Die Frage ist nur: Wo?

Sind sie bei der Wohnungssuche erfolglos, muss den anerkannten Flüchtlingen zunächst wie anderen Wohnungslosen eine Unterkunft gestellt werden. Weitere 50 Flüchtlinge werden nach Einschätzung des Helferkreises in naher Zukunft ihre Asylberechtigung erhalten. Das hat Martina Erfmann vom Kreisbildungswerk in der Sitzung des Ebersberger Stadtrats am Dienstagabend berichtet.

„Wie und wo bringen wir in Zukunft die Anerkannten unter?“, fragte Stadträtin Doris Rauscher (SPD), die für ihre Fraktion eine entsprechende Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt hatte. „Wir hoffen, dass wir mit dem ehemaligen Lehrerwohnhaus an der Bürgermeister-Müller-Straße einen gewissen Puffer haben“, lautete die Antwort von Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU). Das städtische Gebäude ist derzeit an den Landkreis als Asylbewerberheim vermietet, der Vertrag läuft im Herbst dieses Jahres aus. Danach möchte die Stadt in dem 250 Quadratmeter großen Haus, in dem derzeit 21 Flüchtlinge leben, ausschließlich anerkannte Asylberechtigte unterbringen. Jedoch werden dann dort wohl eher 15 als 20 Personen wohnen.

„Wir haben doch jetzt schon 34 Anerkannte“, warnte Elisabeth Platzer (SPD) und fragte sich, wie denn dann bald 85 Asylberechtigte Platz finden sollten. Man müsse zeitnah über mögliche Lösungen beraten, drängt die SPD in ihrem Antrag. Um Platz für „neue“ Anerkannte zu schaffen, müssten die bisherigen so genannten Fehlbeleger schnellstmöglich in andere Häuser weitervermittelt werden, erklärte Brilmayer. Doch dies gestaltet sich für die Stadt offenbar sehr schwierig. Wie Annemarie Pfleger von der Verwaltung den Räten berichtete, ist es der Stadt bisher erst für zwei anerkannte Flüchtlinge gelungen, eine neue Wohnung zu finden. „Wir haben bereits im Mai Eigentümer von vermutlich leer stehenden Häusern oder Wohnungen angeschrieben, ob sie bereit wären, Wohnraum an anerkannte Asylbewerber oder die Stadt zu vermieten“, erzählte sie. Das Ergebnis: Nur drei Besitzer hätten grundsätzlich Interesse gezeigt, letzten Endes sei aus keiner der Optionen etwas geworden.

Bürgermeister Brilmayer fühlt sich mit dem Problem der Wohnungssuche doppelt im Stich gelassen. Ebersberg sei bei den Kommunen im Landkreis immer ganz vorne dabei gewesen, wenn es darum ging, unbürokratisch und schnell Platz für Flüchtlinge bereitzustellen. Da laut Gesetz die Kommunen verantwortlich für die Unterbringung „ihrer“ Obdachlosen – also auch der anerkannten Asylberechtigten – sind, sei Ebersberg nun ein zweites Mal geschlagen. Er schimpfte: „Es kann nicht sein, dass diejenigen, die damals den Kopf eingezogen haben, jetzt umso besser davon kommen.“ Er hoffe auf eine landkreisweite, gerechte Lösung.

Uta Künkler

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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