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Schraubt immer noch an Autos herum: Franz Kurzeder (77) vor dem Eingang zu seiner kleinen Werkstatt auf der Ludwigshöhe. Die Werkstatt steht mitten im Landschaftsschutzgebiet, ist eigentlich nicht genehmigungsfähig.

Stadt Ebersberg kämpft für 77-Jährigen, der eigentlich illegalen Kfz-Betrieb hat

Der Franz und seine vergessene Werkstatt

Die Stadt Ebersberg setzt sich für einen alten Mann (77) ein, dessen Lebensinhalt seine kleine Werkstatt ist. Die betreibt er seit Jahrzehnten - eigentlich illegal, was den Verantwortlichen im Landratsamt sauer aufstößt. 

Ebersberg– Will einer einen Betrieb eröffnen, führt sein Weg erst einmal durch den Amtsapparat. Baugenehmigungen müssen her, Grundrisse und Raumnutzungspläne gezeichnet werden, Stellplätze und Entwässerung nachgewiesen, teilweise Lärmgutachten erstellt werden. Handelt es sich dabei beispielsweise um eine Auto-Werkstatt fallen zusätzliche Auflagen an. Etwa muss ein Öl- und Fettabscheider nachgewiesen werden. Auch der bauliche Brandschutz ist dann besonders streng. All diese Genehmigungen umgangen hat Franz Kurzeder (77), der Betreiber einer kleinen Kfz-Werkstatt auf der Ebersberger Ludwigshöhe.

Das hielt ihn aber Jahrzehnte lang nicht davon ab, hier gewerblich Autos zu reparieren. Seine vergessene Werkstatt besteht nun mindestens bereit seit den 1960er Jahren, vielleicht auch schon deutlich länger. So genau weiß das niemand mehr. Jetzt landete der in die Jahre gekommene Kfz-Mechaniker und sein Einmannbetrieb auf der Agenda des Technischen Ausschusses im Stadtrat Ebersberg. Quasi um im Nachhinein dann doch einmal genehmigt zu werden. Das Landratsamt war nämlich auf die Werkstatt aufmerksam geworden.

Doch eigentlich ist hier nichts genehmigungsfähig. Die Werkstatt steht mitten im Landschaftsschutzgebiet im Endmoränenzug, verfügt weder über eine Müllabscheide noch über einen vernünftigen Kanal- und Wasseranschluss. Fragen des Brandschutzes und der Arbeitssicherheit wurden gar nicht mehr gestellt.

Die Stadträte haben eine nachträgliche Bewilligung folgerichtig einstimmig abgelehnt. Aber sie zeigten Menschlichkeit. Kurzeder ist bereits 77 Jahre alt. Sein Berufsleben lang kannte er nichts anderes als die eigene Werkstatt. Noch immer schraubt er hier an Fahrzeugen, von Ruhestand kann keine Rede sein. „Für ihn bricht eine Welt zusammen, wenn er die Werkstatt aufgeben muss“, sagte Rupert Abinger (CSU). „Solange er das Geschäft noch machen kann, soll er doch bitte gelassen werden.“ Und Gerd Otter (FW) ergänzte: „So gravierend können die Verstöße gegen öffentliche Belange jawohl nicht sein, wenn es in all den Jahren nie eine Beschwerde aus der Bevölkerung gegeben hat.“

Bereits 2001 waren die Behörden auf die vergessene Werkstatt gestoßen. Damals hatte das Landratsamt eine vorübergehende Duldung ausgesprochen, die mittlerweile abgelaufen ist. In der Ausschusssitzung waren die Stadtratskollegen aller Parteien mit Abinger und Otter einer Meinung. Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) will dem Landratsamt die Empfehlung liefern, die Werkstatt noch einmal zu dulden, bis der alte Herr nicht mehr will und kann.

Uta Künkler

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