Am lebenden Objekt ließen sich die Ebersberger Stadträte die Perspektiven ihres Stadtwaldes erklären.
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Am lebenden Objekt ließen sich die Ebersberger Stadträte die Perspektiven ihres Stadtwaldes erklären.

Neue Baumartenr

Balkan-Tanne statt Fichte: Wie Ebersberg seinen Stadtwald für den Klimawandel fit machen soll

Mit dem aktuellen Baumbestand geht es nicht weiter: Diese Erkenntnis blüht den Ebersberger bezüglich ihres Stadtwalds. Kritik gibt es zudem an Mountainbikern, die dort unterwegs sind.

Ebersberg – Der Wald hat einen wesentlichen Stellenwert in unserem Ökosystem. Er speichert CO2, dient als Schutzraum für Wasser und Luft, ist Lebensraum und Ort der Erholung. In Zeiten des Klimawandels rückt der Wald immer mehr in den Fokus, dient er doch als Klimaanlage. Die Mitglieder des Ebersberger Umwelt-, Sozial- und Kulturausschusses unternahmen deshalb vergangen Dienstag – vor ihrer regulären Sitzung – eine Exkursion in den Ebersberger Stadtwald hinter dem Museum Wald und Umwelt auf der Ludwigshöhe, rein informativ.

Martin Bachmann, Leiter der Abteilung Forsten 2 und der Funktionsstelle „Nature 2000“ beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding sowie Revierleiterin des Forstreviers Ebersberg, Astrid Fischer, führten die Räte durch den kommunalen Wald, um ihnen die Konzepte zur notwendigen Umgestaltung zu vermitteln. Dem Klimawandel nämlich entkommt auch der Wald nicht. Manche Bäume hätten keine Überlebenschance, vor allem die Fichte.

Libanon-Zeder und Balkan-Tanne als Zukunftsbäume

Das Kieferngewächs will man deshalb nach und nach herausschneiden und dafür auf Baumarten setzen, die der Klimaveränderung Stand halten können. „Buchen, Eichen wollen wir erhalten, den Rest müssen wir umbauen,“ so die Försterin. Seltene heimische Baumarten wie Kirsche oder Speierling sollen gestärkt, Baumarten aus anderen Regionen angepflanzt werden, etwa die Libanon-Zeder, die Atlas-Zeder oder die Weißtanne aus dem Balkan.

Diese Strategien seinen notwendig, um den Wald zukunftsfähig zu machen, erklärte Bachmann: „Wir müssen die Wälder fit für den Klimawandel machen.“ Auch wenn manche die Verwendung nichtheimischer Baumarten kritisch sähen – nur mit diesen Maßnahmen könnten die Wälder erhalten bleiben. „Die Baumartenwahl ist eine wesentliche Strategie für einen zukunftsfähigen Wald,“ so der Mann von der Bayerischen Forstverwaltung.

Dass das Wort Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft entstamme, komme nicht von ungefähr, betonte die Försterin: „Unser Ziel ist schon lange eine nachhaltige Forstwirtschaft. Wir wollen den Wald erhalten, müssen ihn dafür nur nach und nach umbauen, um seine Schutzfunktion zu erhalten. Da sind wir mittendrin.“

Ärger über Kreuz-und-quer-Mountainbiker

Der Wald ist nicht nur Schutz- und Lebensraum, er ist auch ein Wirtschaftsfaktor, Holz kann man schließlich verkaufen. Außerdem dient er der Naherholung. Ein großes Spannungsfeld, wie Bachmann verdeutlichte. Die biologische Vielfalt zu erhalten, den Schutzraum zu gewährleisten, den Wald als Erholungsraum zu pflegen, all das koste. Bachmann war sich sicher, dass Waldanlieger-Kommunen wie Ebersberg dafür in die Kasse greifen werden müssen.

Es ging um Totholzanreicherung, aber auch über Konflikte, die im Erholungsraum Wald bestehen. Vor allem Mountainbiker machten derzeit große Probleme im Ebersberger Stadtwald, auch weil sie einfach wild durchs Gehölz unterwegs seien. Das interessierte die Räte in der abschließenden Fragerunde dann fast am meisten, gleichwohl auch die Frage aufkam, was man den direkt im städtischen Bereich tun könne, auch dort müssten doch gehandelt werden. Doch das war nicht Thema der abendlichen Waldführung.  pke

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