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Seilbahn statt Wanderwege? Bei einem Diskussionsabend auf der Ebersberger Alm wurden viele Vorschläge diskutiert. 

Gegen Stau im Ballungsraum 

Zum Schluss Seilbahn durch den Ebersberger Forst

Eine Forst-Tram von der Kreisstadt aus Richtung Norden, Schnellbuslinien zwischen den großen Kreiskommunen oder sogar eine Art Baumwipfel-Seil-Schwebebahn? An innovativen Ideen hat es in der Ebersberger Alm nicht gemangelt.

Ebersberg/Landkreis– MVV-Chef Alexander Freitag, Gerrit Poel vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und Landrat Robert Niedergesäß waren auf Einladung des Grafinger Landtagsabgeordneten Thomas Huber (CSU) zur Hanns-Seidel-Stiftung gekommen, um das Thema „Gegen Stau im Ballungsraum – Mobilität in Stadt und Umland“ zu diskutieren. Eine Conclusio des Abends: „Wir brauchen mehr Schiene“, sagte der Landrat. Auf der einen Seite sei der 143 000-Einwohner-Landkreis stark geprägt durch Wachstum. Im Schnitt hat derzeit jeder Haushalt im Kreis 1,4 Autos, Tendenz steigend. Der Druck auf die Straße wachse nicht nur durch immer mehr Fahrzeuge, sondern auch durch neue Gewohnheiten wie Online-Handel. Auf der anderen Seite ist laut Landtagsabgeordnetem Huber München jüngst zur Stauhauptstadt Deutschlands gekürt worden, was sich auf den ganzen Großraum niederschlägt. Verstopfte Autobahnen und Zubringer sind die Folge. Am Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs führe also kein Weg vorbei.

Zu tun gibt es mehr als genug: MVV-Chef Freitag gab zu, dass die S-Bahn „brutal überlastet“ sei. Sie wurde 1972 für damals etwa 220 000 Einpendler gebaut. Heute fahren über 800 000 Menschen täglich mit ihr zur Arbeit. „Wir müssen dringend den Beton anmischen“, sagte Freitag.

Nach der zweiten Stammstrecke, die ab 2027 den Ebersbergern immerhin einen viertelstündlichen S-Bahn-Takt bringt, stehe der sukzessive Ausbau aller Außen-S-Bahnen an. Ein Problem sei, dass die S-Bahn damals aus bestehenden Zuglinien radial monozentrisch entstanden war. Will heißen: Spinnenbeinartig führen die Linien ins Zentrum, aber es gibt keine Verbindung zwischen den Ästen. Anders als in den meisten anderen Großstädten übrigens. In Sachen S-Bahn-Ringschluss laufe bereits eine Machbarkeitsstudie für den Nordring. „Da ist echt was in der Pipeline“, sagte Freitag. Aber weil gut Ding Weile hat und die Genehmigungsschleifen verschwurbelt sind (Freitag: „Die Planungsverfahren dauern zu lang!“), müsse man in jede Richtung denken. „Wir brauchen innovative Ideen“, forderte Freitag.

„Ja, warum denn nicht?“

Huber hatte zu Anfang der Veranstaltung eine Seilbahn durch den Forst angedacht. „Ja, warum denn nicht?“, meinte Freitag und ersann weiter: „Oder eine Elektro-Tram auf einem Rasengleis.“ Bis Derartiges realisierbar wäre, könne man einstweilen auf tangentiale Schnellbussysteme setzen, die die S-Bahn-Äste miteinander verbinden. „Irgendwann ist das dann so gut genutzt, dass es schienenverdächtig wird, und dann gibt’s die Forst-Tram“, sagte der MVV-Geschäftsführer. Nahverkehr-Experte Poel lobte die Chancen der Digitalisierung, die Rufbussysteme und individuelle Wegeplanung erleichtere. Klar müsse der Trend weg vom eigenen Auto gehen. Das gelinge aber nur durch eine zuverlässige S-Bahn.

S-Bahn ersetzt 1000 Autos

„So eine S-Bahn, wenn sie vernünftig besetzt ist, ersetzt immerhin 1000 Autos. Das ist für die Region schon eine Hausnummer!“, sagte Poel. Auch Alternativentwicklungen wie Car-Sharing und E-Bikes verdienten Unterstützung. „Mehr straßenbegleitende, asphaltierte Radwege“ im Landkreis Ebersberg ersehnte Niedergesäß. „Und ich meine nicht Freizeitradwege, sondern Schnellverbindungen wie bald Hohenlinden-Ebersberg“, die zum Beispiel von E-Bike-Fahrern täglich quasi als Bahnzubringer genutzt werden könnten. Außerdem werde das Busnetz in naher Zukunft stark ausgebaut. Ebenso die Ruftaxistrecken, versprach der Landrat. Auch wenn „wir sicher nicht jeden Weiler sieben Tage 24 Stunden anfahren können“.

Von Uta Künkler

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