Discokugel
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In einer Disco im Landkreis Erding eskalierte der Streit zweier Männer.

Zu Freizeitarrest verurteilt

Streit in Disco eskaliert: 20-Jähriger aus dem Landkreis Ebersberg schlägt Kontrahenten Glas ins Gesicht

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Ein 20-jähriger Mann aus dem südlichen Landkreis Ebersberg ist zu Freizeitarrest verurteilt worden. Bei einem Disco-Besuch schlug er einem 22-Jährigen ein Glas ins Gesicht.

Landkreis – Erst floss reichlich Alkohol, danach eine nicht geringe Menge an Blut. In der Schwindkirchener Disco „Movie“ (Lk. Erding) waren in der Nacht auf den 15. Februar dieses Jahres mehrere junge Männer aneinandergeraten. Am Ende rammte ein 20-Jähriger aus dem südlichen Landkreis Ebersberg einem Oberdinger (22) ein Glas ins Gesicht. Dabei erlitt das Opfer schwere Verletzungen. Die Narben werden ihn ein Leben lang zeichnen.

Gericht zeigt keine Gnade

Vor dem Jugendgericht in Erding fand der Täter am Dienstag, 27. Oktober, keine Gnade. Richter Michael Lefkaditis ging zum Teil sogar über die Forderung von Staatsanwältin Lisa Paukovic hinaus.

In der besagten Nacht war der Ebersberger mit einem Spezl in dem Tanzschuppen nahe Dorfen. Als er ein volles Glas Wodka-Red Bull in Händen hielt, näherte sich gegen 1.35 Uhr ein Bekannter seines Spezls, nahm es sich und trank daraus. Die hochprozentige Mischung schien nicht seine Geschmacksnerven getroffen zu haben. Der Angeklagte sagte aus, sein Gegenüber habe gesagt: „Was trinkst denn du da?“, um das Glas dann fallen zu lassen – mit bereits 2,5 Promille Alkohol im Blut. Das wiederum erzürnte den 20-Jährigen. Laut Anklage schlug er das – nun leere – Glas ins Gesicht des Kontrahenten und fügte ihm tiefe Schnittwunden zu. Der Angeklagte erklärte, der Oberdinger habe ihn am Kopf gepackt und wollte ihm eine Zigarette im Gesicht ausdrücken. Mit der gestreckten Faust habe er sich nur reflexartig gewehrt. Dieser Darstellung widersprach der einzige aus der Gruppe, der als Fahrer nüchtern geblieben war, allerdings dem Lager des Opfers zuzuordnen war. Der 21-Jährige, der ebenfalls in Oberding zu Hause ist, berichtete von einer zunächst verbalen Auseinandersetzung. „Er hat gedroht, ihm das Glas ins Gesicht zu schlagen, wenn er nicht aufhört“, so seine Einlassung. Er könne sich nicht erinnern, dass der spätere Täter von seinem Gegenüber am Kopf gepackt worden sei.

Zeugen machen Gedächtnislücken geltend

Richter Lefkaditis vernahm mehrere junge Männer aus der Gruppe, die freilich nicht wirklich hilfreich waren. In erster Linie machten sie Gedächtnislücken geltend, zum einen, weil sie betrunken gewesen seien, zum anderen, weil der Angriff schon so lange her sei. Die 34 Jahre alte Beamtin der Dorfener Polizei, die den Vorfall seinerzeit zu Protokoll genommen hatte, berichtete, der Täter habe ihr seine Version bereits in derselben Nacht geschildert. Ein 39 Jahre alter Security-Mitarbeiter, der den stark blutenden Ebersberger zur Toilette begleitet hatte, konnte sich erinnern, dass sich der 20-Jährige dort beim Opfer entschuldigt hatte. Auch er wusch sich dort Blut ab, nachdem er sich an den Scherben die Hand aufgeschlitzt hatte.

Staatsanwältin Paukovic sah die gefährliche Körperverletzung als erwiesen an. Die Notwehr stufte sie als „reine Schutzbehauptung“ ein. Sie forderte eine Woche Jugendarrest, zu der auch ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe geraten hatte. Zudem solle der 20-Jährige 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Anwalt Alessandro Fuschi sprach allenfalls von einer fahrlässigen Körperverletzung. Er plädierte auf Notwehr. Die Aussagen seines Mandanten unmittelbar nach der Tat gegenüber der Polizistin seien „sehr glaubhaft.“ Richter Lefkaditis verhängte einen Freizeitarrest über ein Wochenende. Er sprach dem Oberdinger 3000 Euro Schmerzensgeld zu. Als strafverschärfend wertete er die Ankündigung der Tat und die Schwere der Verletzungen und der Folgen.

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