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Wohin bloß mit den vielen Katzen: Karin Fritsch, Mitarbeiterin des Tierschutzvereins im Landkreis Ebersberg, mit zwei Schützlingen in der Ebersberger Tierauffangstation. 

Tierauffangstation Ebersberg schlägt Alarm

Katerstimmung wegen Katzenschwemme

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Ein Tierheim ist eigentlich für alle da, die Hilfe brauchen. In der Ebersberger Fundtierauffangstation sind das aber hauptsächlich Katzen. „Die machen inzwischen 95 Prozent aus“, berichtet Evelyn Bauer, Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Ebersberg  Nahezu jede Woche veröffentlicht der Verein Aufrufe, um den Tieren ein neues Zuhause zu vermitteln. „Haben will sie dann aber doch keiner“, bedauert Bauer die aktuelle Entwicklung.

Die Besitzer lassen sich nicht ermitteln, da die meisten Katzen nicht gechipt sind“, erzählt die Vorsitzende von den Schwierigkeiten, die Fundtiere ihren Eigentümern zuzuordnen.

„Mit den Hunden ist das anders“, berichtet Bauer davon, dass an einem Wochenende im Schnitt vier bis fünf Vierbeiner bei den Tierschützern abgegeben werden. Die Hunde seien kaum im Zwinger, kämen die Besitzer auch schon, um sie abzuholen, da ist der Hund in seiner Box noch nicht einmal richtig angekommen. Der Chip macht’s möglich. „Sauber machen und schon ist der nächste da“, schildert die Vorsitzende. „Im Jahr 2017 haben wir 33 Fundhunde betreut. Die konnten alle ihren Besitzern zurückgegeben werden, bis auf einen, der ist uns geblieben.“ Bei den Katzen ist das anders.

„Momentan haben wir vier Katzenmütter da, die sind alle kurz vor dem Werfen.“ Demnächst müssten also 15 Katzenbabys mitversorgt werden. „Die wurden kurz vorher von ihren Besitzern ausgesetzt“, ist sich Bauer sicher. Die Eigentümer weichen damit den auf sie zukommenden Kosten aus. „Die Tiere haben ja keinen Impfpass dabei, wenn sie zu uns kommen“, so die Tierschützerin. Man müsse jedesmal bei Null anfangen, auch wenn die Fundkatzen vielleicht bereits einmal eine Impfung erhalten hätten.

Was das finanziell bedeutet, rechnet Bauer vor: Da seinem zum Einen die Kosten für die Kastration in Höhe von bis zu 150 Euro. Dann kämen noch einmal 80 bis 90 Euro für die Impfungen hinzu. Viele Tiere hätten außerdem Darmparasiten und müssten entwurmt werden oder sie haben Schnupfen. Auch diese Behandlungen kosten Geld. „Oft sorgen unerwünschter Nachwuchs von Hauskatzen oder aufgegriffene Welpen von Straßenkatzen für regelrechte Katzenschwemmen. Die Tierschützer appellieren daher an alle Katzenbesitzer, vor allem wenn sie den Katzen Freigang gewähren, ihre Tiere frühzeitig kastrieren zu lassen“, informiert der Tierschutzverein Ebersberg auf seiner Internetseite. Zudem fordere der Deutsche Tierschutzbund seit langem eine rechtliche Regelung zum Schutz von Katzen, in der auch das Kastrieren enthalten sei.

Dass die Menge an Fundkatzen zum Problem geworden ist, ist keine neue Entwicklung, seit es die Fundtierauffangstation in Ebersberg gibt. „Auch unsere Pflegestellen waren vorher schon voll mit Katzen“, erinnert sich Bauer. Auf die Dauer müsse der Tierschutzverein aber hohe Kosten schultern und bittet deshalb die Bevölkerung um Spenden. Im Ebersberger Tierheim sind momentan auch vier Meerschweinchen untergebracht. „Zwei Pärchen“, so Bauer. Auch die brauchen Futter. „Außerdem haben wir gerade eine neue Quarantänestation eingerichtet.“

„Jede Straßenkatze stammt ursprünglich von einer Hauskatze ab: von ausgesetzten oder zurückgelassenen Tieren oder unkastrierten Freigängern“, informiert der Tierschutzverein Ebersberg. Die meist scheuen Katzen lebten dann versteckt in Hinterhöfen, Parks oder stillgelegten Industriegebäuden. Als domestizierte Tiere seien Katzen jedoch nicht in der Lage, sich und ihre Nachkommen vollständig alleine zu versorgen. Unterernährung führe dann zu allgemeiner Schwäche, die Tiere würden leiden. „Viele Jungkatzen erreichen das Erwachsenenalter nicht.“

Zusätzliche Schwierigkeit: Da Straßenkatzen meist nicht auf den Menschen sozialisiert seien, könnten die Tierheime sie nicht ohne weiteres in ein Zuhause vermitteln. Daher kastrieren die Tierschützer die Katzen und versorgen sie an geeigneten Futterstellen.

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