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Werner Hubert zeigt das Bild eines alten Ebersberger Gehöfts. Noch im vergangenen Jahr war er auf der Suche nach Material für sein Heimatbuch, in dem er die Kreisstadt nach dem Krieg beschreiben wollte.

Trauer um Werner Hubert (81)

Ebersberg verliert einen großen Sohn

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In der Kreisstadt herrscht große Trauer um den Journalisten und Autor Werner Hubert, der im Alter von 81 Jahren gestorben ist. Ein Nachruf.

Ebersberg – Wenige Tage nach dem Tod von Kreisheimatpfleger Markus Krammer müssen die Stadt Ebersberg und die Ebersberger Zeitung einen weiteren schweren Verlust hinnehmen. Im Alter von 81 Jahren ist der Journalist und Autor Werner Hubert gestorben. Er arbeitete jahrzehntelang für die EZ, verfolgte für uns das politische Geschehen sowohl in den Kommunen als auch auf Kreisebene. Die Redaktion hat einen hervorragenden Mitarbeiter, einen profunden Kenner seiner Heimat und eine Stütze verloren, auf die sie sich immer verlassen konnte.

Werner Hubert war Vollblut-Ebersberger, er liebte sein Zuhause in der „Seestadt“, wie er das Quartier rund um den Klostersee stets nannte. Er liebte die Menschen, für die er schrieb, erhob sich nie über sie und stand immer zu seinen Wurzeln. Nichts war ihm mehr zuwider, als jemandem nach dem Mund zu reden. Werner, wie ihn seine Kollegen alle nannten, achtete trotz aller Nähe stets auf die nötige Distanz, die er als Journalist wahren musste, und griff zur spitzen Feder, wenn ihm etwas sauer aufstieß oder er irgendwo eine Ungerechtigkeit wahrnahm.

Bei allem Ernst, die der Beruf mit sich bringt, bei allen kleinen und großen menschenlichen Tragödien, die ein Lokaljournalist im Laufe der Jahre erlebt, war Werner Hubert ein sehr humorvoller Mensch. Unvergessen sind seine Stammtischgeschichten, die er jahrelang Samstag für Samstag als „Wastl, die Wappensau“ in der Ebersberger Zeitung zum Besten gab. Darin ging es um die Missgeschicke des Alltags, die einem widerfahren können, es ging um menschliche Unzulänglichkeiten und lustige Begebenheiten aus dem Umkreis der Leser. Bei aller Süffisanz und Schadenfreude, die hier von Werner Hubert mitunter zu Papier gebracht wurde, vermied er es stets gekonnt, die in seinen Texten erwähnten „begossenen Pudel“ zu verletzten. Es waren Sticheleien, nie waren es Stiche.

Im Jahr 2005 beendetes der gebürtige Ebersberger seine Arbeit für die Zeitung und ließ es etwas ruhiger angehen. Doch Müßiggang war seine Sache nicht. Der Quereinsteiger, der eigentlich den Beruf des Metzgers gelernt und später als Betriebsrat bei Iveco in Kirchseeon gearbeitet hatte, tauchte in die Vergangenheit ab, arbeitete an einem Heimatbuch und suchte noch vergangenes Jahr nach Fotos, und Geschichten, um das alte Ebersberg, das Ebersberg nach dem Krieg zu beschreiben und somit vor dem Vergessenwerden zu bewahren.

Diejenigen, die Werner Hubert nicht persönlich oder als Lokaljournalisten kannten, die kannten ihn vielleicht als Autor und Regisseur von Theaterstücken. 1995 wurde im Klosterbauhof sein Sagen-Stück „Afra“ aufgeführt, in dem sein einziges Kind, eine Tochter, eine Rolle übernahm und es so zum Familienwerk wurde. Später folgten die „Hofjagd“ und „Kesselfleisch“, weitere Stücke, für die der Autor viel Lob für sein Können und seinen Mut erntete.

Werner Hubert war trotz seiner großen Heimatliebe ein der Welt zugewandter Mann, der über zahlreiche internationale Kontakte verfügte. Kontakte, die u.a. aus der Zeit stammten, als er Zimmer an Studenten des Goethe-Instituts vermietete. Bis zum Schluss pflegte er diese Freundschaften – auch dank seiner hervorragenden Englischkenntnisse.

Mit Werner Hubert ist ein Stück des alten Ebersbergs gestorben.

Wortgottesdienst am Samstag, 7. Oktober, um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche mit anschließender Beerdigung im Alten Friedhof in Ebersberg.

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