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„Ich habe Angst“, sagte Mohammed Gharibyar nach dem Überfall auf seinen Dönerladen am Bahnhof in Ebersberg.

Bahnhofsschläger vor Gericht

Opfer leiden noch heute

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Den Abend des 25. September 2015 werden viele Menschen in Ebersberg so schnell nicht vergessen. Eine Horde junger Männer wütete am Bahnhof und im dortigen Döner-Imbiss. Ein Gast wurde schwer verletzt. Heute wird die Tat vor Gericht verhandelt. Es geht um die Bildung einer bewaffneten Gruppe.

Ebersberg – Acht Männer zwischen 23 und 36 Jahren müssen sich vor der vierten Strafkammer am Landgericht München II verantworten. Sie waren vom Ältesten, dem mehrfach vorbestraften Haupttäter, angestachelt worden.

In der Tatnacht gerieten sie rasch unter Verdacht, der Neo-Nazi-Szene anzugehören. Wohl ein voreiliger Trugschluss. Tatsächlich handelte es sich bei den meisten um chaotische und unorganisierte Landkreisburschen, die Lust auf ein wenig Zoff hatten und enthemmt durch zu viel Alkohol zum sinnlosen Kräftemessen ausrückten. Dabei hatte der 36-Jährige wenige Stunden zuvor die völlig friedliche Situation durch das Herumschreien ausländerfeindlicher Parolen vergiftet. Auf dem Weg vom Oktoberfest nach Ebersberg wollte er sich auf einen Mitfahrer dunkler Hautfarbe stürzen. Andere Reisende hielten ihn davon ab. Wütend grölte er herum. Ein zweiter Mitangeklagter (28) unterstützte ihn in seinen fremdenfeindlichen Parolen.

Schließlich kehrte wieder Ruhe ein am Bahnhof. Zuvor hatten der Döner-Imbiss-Chef wie auch die beiden Schläger die Polizei gerufen. Die konnte nicht viel mehr ausrichten, als die Alkoholwerte der Beteiligten zu messen. Letztlich zogen die Beamten wieder ab. Mittlerweile trommelte der 36-Jährige eine Clique zusammen und behauptete, von Ausländern geschlagen worden zu sein. Das stimmte zwar nicht, aber ihm schwebte Rache vor. Als Schlachtfeld hatte er den Döner-Imbiss ins Auge gefasst. Dafür brauchte er aber Verstärkung. Die rekrutierte er aus einer Gruppe junger Burschen, die zum Teil in einer Chaos-WG zusammenlebte. Bewaffnet mit Hammer, Baseballschläger und Messer zog der wilde Haufen zum Bahnhof. Dort gingen die Männer auf zwei Afghanen los, die im Döner-Imbiss saßen. Beide erlitten schwere Prellungen und Schnittwunden. Außerdem zertrümmerten die jungen Männer eine Vitrine im Laden-Inneren sowie die Eingangstür. Sie wurden rasch von der Polizei gefasst. Dass sie von ihrem Anstifter angelogen worden waren, um zum Schlägern angestachelt zu werden, begriffen sie erst viel zu spät.

Der Vorfall führte in Ebersberg zeitweise zu einem Klima der Angst. Nachdem die Stadt über 200 Flüchtlinge gut untergebracht und durch Ehrenamtliche betreut zu haben glaubte, breitete sich Unsicherheit aus.

Letztlich waren es aber Einheimische, die für die Attacke gesorgt hatten. Der Prozess ist auf sieben Tage angesetzt. Ein Urteil soll Mitte August fallen.

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