Elisabeth Hamel mit ihrem Buch „Das Werden der Völker in Europa“: Ein Professor aus Korea hatte es dort in einer Bibliothek entdeckt und war so angetan, dass er es übersetzte. Seit kurzem existiert es nun auch gedruckt auf Koreanisch.
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Elisabeth Hamel mit ihrem Buch „Das Werden der Völker in Europa“: Ein Professor aus Korea hatte es dort in einer Bibliothek entdeckt und war so angetan, dass er es übersetzte. Seit kurzem existiert es nun auch gedruckt auf Koreanisch.

Von Übersetzung überrascht

„Schon kurios“: Buch von Ebersbergerin erscheint plötzlich auf Koreanisch

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Elisabeth Hamel aus Ebersberg hat ein Buch geschrieben, das sie selbst nicht lesen kann. Ihr Text wurde ins Koreanische übersetzt. Zu ihrer großen Überraschung.

Ebersberg/Chuncheon - Für einen Moment schwebte Elisabeth Hamels Finger schon über dem Löschen-Knopf, als ihr die E-Mail aus Südkorea unterkam: Ein Professor habe ihr Buch in der Universitätsbibliothek der Stadt Chuncheon, rund anderthalb Stunden östlich von Seoul, gefunden – und vor lauter Begeisterung ins Koreanische übersetzt. Ein Verlag wolle 1000 Exemplare drucken. So ein Krampf. Oder?

Die Ebersbergerin löschte die vermeintliche Spam-E-Mail nicht, sondern googelte die Agentur, von der sie stammte. Sie fand einen Verweis zur Frankfurter Buchmesse. Einen E-Mail-Wechsel später war der Autorin klar: Das Angebot ist seriös.

Ein Professor entdeckt das Buch in Korea und übersetzt es vor lauter Begeisterung

Mitte Mai durfte die 69-Jährige ein Päckchen vom Zollamt Reischenhart an der Inntalautobahn abholen. Darin: ein Schwung Belegexemplare von „Yuleob minjog-ui giwon“. Auf Deutsch lautet der Titel: „Das Werden der Völker in Europa“. Publiziert hatte die Ebersbergerin den Text, mit dem Untertitel „Forschungen aus Archäologie, Sprachwissenschaft und Genetik“, der Hinweise auf Völkerwanderungen in Europa zusammenträgt, schon 2007. Übersetzt hat ihn aber bisher niemand. Und jetzt ausgerechnet auf Koreanisch.

„Das ist schon kurios“, sagt Hamel darüber, dass sie nun ein Buch in Händen hält, das sie zwar geschrieben hat – aber nicht lesen kann. Sie spricht kein Koreanisch und hatte zuvor auch keinen echten Bezug zu Korea. „Aber das Interesse ehrt mich sehr,“ sagt die Autorin. „Ich freue mich, dass das Buch ein Kind gekriegt hat.“

Der Übersetzer, Professor Jai Myoung-Kim, habe sogar den einen oder anderen Fehler ausgebessert, den die Autorin, weil man ein Buch nicht einfach updaten kann, per Erratum auf ihrer Homepage korrigiert hatte. „Die Koreaner sind sehr deutschfreundlich und interessiert“, wagt Elisabeth Hamel eine Vermutung, weshalb ihr Buch auf der Halbinsel am anderen Ende der Welt zu solchen Ehren kommt.

Übersetzung 200 Seiten dicker als das Original

Die koreanische Version kostet umgerechnet 33 Euro und ist über 600 Seiten dick – umfasst rund 200 Seiten mehr als die deutsche Version, das liegt am raumgreifenden koreanischen Alphabet. „Alles am richtigen Platz“, sagt die Autorin, als sie auf der Suche nach den vertrauten Grafiken die fremde Schrift durchblättert. „Gutes Papier, Leinenbindung – nobel gemacht“, lobt sie die Aufmachung des Buchs.

Reich wird sie an den Tantiemen aus Korea nicht, das ist Hamel klar. Die Auflage: 1000 Stück. Das Thema: speziell. Aber sie hat immateriellen Gewinn gemacht, der mehr wiegt als Geld: Der Austausch mit ihrem Übersetzer, Professor Jai, ist in eine koreanisch-deutsche Brieffreundschaft gemündet, sogar Geschenke haben sie ausgetauscht. Gut, dass Elisabeth Hamel damals diese schräge E-Mail nicht gelöscht hat.

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